Wehrerfassung welcher Männer: Noch ist Deutschland nicht zur Hand

Kommen wir um die Wehrpflicht herum, weil wir genug junge Leute motivieren, dem Land freiwillig zu dienen? Oder machen wir uns da nur etwas vor? Darum drehte sich die Debatte, als vor Monaten das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verabschiedet wurde.

Nicht viele beteiligte Politiker dürften damit rechnen, dass sich der Personalbedarf der Bundeswehr tatsächlich durch eine plötzliche Begeisterung der Jugend für die Armee stillen lässt – schon gar nicht der Verteidigungsminister und Publikumsliebling Boris Pistorius.

Pistorius’ Ministerium hätte klarer kommunizieren müssen

Doch aus zwei Gründen schreckten sie vor einem Wehrpflicht-Automatismus zurück: Sie sahen die Deutschen nicht bereit für Zeitenwende-Einschläge so nah an ihren Familien. Und sie sahen die Wehrverwaltung nicht bereit für die Auswahl der Wehrpflichtigen.

In beidem mag sich bestätigt sehen, wer über die Feiertage die Aufregung verfolgte, die um die Pflicht von Männern kreist, sich vor längeren Auslandsaufenthalten abzumelden. Achtzehnjährige spüren schon seit Januar beim Ausfüllen von „Bereitschaftserklärungen“, dass Wehrerfassung ein ernster Vorgang in bedrohlichen Zeiten ist. Nun erschraken auch ältere Männer darüber, dass die Bundeswehr gegebenenfalls wissen will, darf und muss, wo sie sind.

Pistorius’ Ministerium wiederum hätte viel früher und klarer kommunizieren können, wen die Wehrerfassung wie betrifft. Noch ist Deutschland nicht bereit.

Source: faz.net