Wehrdienstreform: Junge Menschen zeigen offenbar wenig Interesse an neuem Wehrdienst

Nur rund die Hälfte aller 18-jährigen Männer in Deutschland haben den verpflichtenden Fragebogen zur Wehrpflicht bislang beantwortet und zurückgeschickt. Darüber berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Koalitionskreise. Junge Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, junge Frauen nicht. Ihre Antwortquote war mit sechs Prozent noch deutlich geringer.

Der Geburtsjahrgang 2008 erhält seit Jahresbeginn einen QR-Code per Brief, der zum Fragebogen führt. Wer geeignet erscheint und sich bereit erklärt, wird zur Musterung eingeladen. Ab 2027 sollen alle jungen Männer gemustert werden. Noch ist der Wehrdienst aber freiwillig. Wie hoch der Anteil derer
ist, die zu einem Dienst in der Bundeswehr bereit wären, geht aus den
Zahlen nicht hervor.

Eine Sprecherin des
Bundesverteidigungsministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, die
Anschreiben würden erst seit wenigen Wochen versendet. Ab Zustellung
hätten die angeschriebenen Männer einen Monat Zeit zum Beantworten des
Fragebogens. Die ersten Erhebungen könnten „schon allein durch den
sukzessiven Versand der Anschreiben und der dargestellten Zeitlinien und
Fristen noch keine repräsentativen Ergebnisse noch Prognosen liefern“. Erst im Laufe des Jahres können genauere Aussagen getroffen werden. Bislang sind dem Verteidigungsministerium zufolge insgesamt über 77.000 Anschreiben versendet worden. 

Bedarfswehrpflicht könnte kommen

Ziel ist es, die Zahl der aktiven
Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten bis 2035 von derzeit gut 184.000 auf
255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Das Gesetz über den freiwilligen Wehrdienst definiert dabei für jedes Jahr bis 2035 einen Zielkorridor. Es lässt allerdings offen, wann überprüft wird, ob diese
Wegmarken auch erreicht worden sind. Für diesen Fall könnte eine sogenannte
Bedarfswehrpflicht kommen. Sie soll dann die Personallücke schließen.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)
hatte sich kürzlich zuversichtlich gezeigt, auch künftig auf eine
allgemeine Wehrpflicht verzichten zu können. Viele Expertinnen und Experten sowie Verteidigungspolitiker in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bezweifeln das.

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