Wegen Sicherheitsbedenken: London verbietet chinesische Windturbinen

Die britische Regierung hat dem führenden chinesischen Windkraftanlagenhersteller Ming Yang Smart Energy verboten, seine Produkte im Vereinigten Königreich zu verkaufen. Dabei geht es vor allem um Turbinen und Rotorblätter für Windparks. Begründet wird dieses Verbot mit Bedenken wegen Risiken für die „nationale Sicherheit“.

Was genau damit gemeint ist, bleibt ein bisschen nebulös. London fürchtet offenbar nicht nur, dass die britische Energieinfrastruktur zu sehr von chinesischer Technik abhängig werde. Es ist auch die Rede davon, dass in die Turbinen Überwachungstechnologie eingebaut werden könnte, die britisches Militär in der Nordsee beobachten könnte.

Ming Yang ist der größte börsennotierte Windkraftanlagenhersteller in der Volksrepublik. Obwohl das Unternehmen privaten Eigentümern gehört, sorgt sich die britische Regierung, dass hinter Ming Yangs Investitionsentscheidungen doch der Staat stehe. Durch die chinesische Konkurrenz würden außerdem europäische Hersteller verdrängt, glaubt London. Das Unternehmen zeigte sich „enttäuscht“ über die Entscheidung, den Einsatz von „Ming Yangs weltführender Technologie“ nicht zuzulassen.

Auch in Deutschland hat Ming Yang Smart Energy im vergangenen Jahr einen Rückschlag erlitten, als ein Vertrag über Turbinen für den Nordsee-Windpark „Waterkant“ wieder zurückgezogen wurde.

Keine Milliarden-Fabrik in Schottland

Mit der Entscheidung der britischen Regierung platzt nun auch der Plan für den Bau einer großen Fabrik in Schottland. Im Oktober hatte das chinesische Unternehmen eine Investition im Hafen von Ardersier in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden Euro) angekündigt. Es wäre die größte Fabrik für Windanlagen im Königreich gewesen. Dort sollten Rotorblätter und -teile für den britischen und europäischen Markt hergestellt werden. Ming Yang teilte nun mit, dass es diese Pläne wiederbeleben könnte, falls London die Entscheidung revidieren würde.

Enttäuscht über die Entscheidung ist auch der Windstromanbieter Octopus, der Hunderte Windräder an Land mit Ming-Yang-Turbinen bauen wollte. Octopus-Gründer Greg Jackson, der auch ein Berater der Labour-Regierung ist, hatte sich für eine Zulassung der chinesischen Technik starkgemacht. Liam Byrne (Labour), der Vorsitzende des Wirtschafts- und Handelsausschusses im Unterhaus, begrüßte das Verbot. Er vertrat die Ansicht, dass Großbritannien zu abhängig werde von Chinas Technik.

Die britische und die schottische Regierung haben derweil schon Gespräche mit dem dänischen Windturbinenhersteller Vestas gehalten, ob er statt Ming Yang an einer Investition in Schottland interessiert sei. Vestas würde dort investieren, wenn es genügend Aufträge bekäme, teilten die Dänen mit. Das Werk könnte von 2029 an in Betrieb gehen.

Regionalregierung spricht von „Sabotage“

Für die Regierung in Edinburgh ist der Stopp der Ming-Yang-Investition ein großer Verlust. Die schottische Regionalregierung hatte gehofft, die Fabrik würde 1500 neue Jobs und wirtschaftliche Entwicklung in die kleine Hafenstadt Ardersier nahe Inverness im strukturschwachen Norden des Landes bringen. Der Erste Minister John Swinney von der Schottischen Nationalpartei (SNP) zeigte sich Mitte dieser Woche ahnungslos über die in London getroffene Entscheidung. Seine Partei strebt die Unabhängigkeit Schottlands an.

Ardersier Port ist ein ehemaliges Öl- und Gasterminal, das nun für Erneuerbare Energien umgebaut werden soll. Im Januar, kurz vor Premierminister Keir Starmers Besuch in Peking, hatte London noch eine „baldige“ Entscheidung für die Fabrik angekündigt und dabei die Erwartung geweckt, dass sie grünes Licht gebe. Die SNP-Vizeregierungschefin Kate Forbes klagte, das Verbot sei „eine Sabotage für Schottlands industrielle Zukunft“.

Auch in Deutschland versucht Ming Yang Fuß zu fassen. Der Hamburger Ökostrom-Investor Luxcara wollte für den geplanten Nordsee-Windpark „Waterkant“ einen Anbietervertrag mit Ming Yang über 16 Offshore-Hochleistungsturbinen schließen.

Es wäre das erste Mal gewesen, dass chinesische Turbinen in einem deutschen Windpark in der Nordsee installiert werden. Nach Widerstand aus Industrie- und Gewerkschaftskreisen sowie sicherheitspolitischen Bedenken machte Luxcara aber 2025 einen Rückzieher und wird nun im Waterkant-Windpark europäische Turbinentechnik von Siemens Gamesa installieren.

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