Was nun, CNN? Nachdem sich Paramount mit einem neuen Angebot über 111 Milliarden Dollar bei der Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) durchgesetzt und Netflix sich aus dem Bieterkrieg zurückgezogen hat, geht nach dem Sender CBS auch CNN in die Hände der Trump-Kumpels Larry und David Ellison über. Bei einem Deal mit Netflix wäre CNN ungeschoren davongekommen; der Nachrichtensender wäre in eine eigene Firma ausgelagert worden. Trump hatte indes darauf gedrängt, dass CNN „verkauft werden muss“. Der Sender ist seit Langem sein Lieblingsfeind in der Medienlandschaft.
Bei CNN herrscht nun Panik, berichten Insider. Es herrsche die Sorge, dass die Unabhängigkeit der Redaktion unter den neuen Eignern von Paramount und den Geldgebern – Saudi-Arabien, Abu Dhabi, Qatar und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – dahin sei. Journalisten und Produzenten hätten das Gefühl, dem Untergang geweiht zu sein. „Die Armee, die seit zehn Jahren versucht, das Tor der Burg CNN aufzubrechen, hat es geschafft“, sagt der Medienkritiker Oliver Darcy in seinem Podcast „Power Lines“: „Donald Trump hat das Tor niedergerissen.“
Vater und Sohn Ellison reißen sich alles unter den Nagel
Vater und Sohn Ellison haben sich bislang nicht zu ihren Plänen für CNN geäußert, aber in den US-Medien wird bereits über eine Fusion von CNN und CBS News spekuliert. CNN-Chef Mark Thompson, ein Brite, riet seinen Mitarbeitern derweil zum englischen „keep calm and carry on“. Statt voreilig Schlüsse zu ziehen, solle man sich auf ein „nachrichtenreiches Jahr“ konzentrieren.
Skydance, das Studio von David Ellison, hatte im vergangenen August Paramount mitsamt dem Sender CBS übernommen; sein Vater Larry ist einer der vermögendsten Männer der Welt, Trump-Vertrauter und der größte Anteilseigner von Paramount – und neuerdings auch Tiktok-Mitbesitzer. David Ellison hat die Nachrichtenredaktion von CBS News der ehemaligen „New York Times“-Kolumnistin Bari Weiss unterstellt, die nach ihrem Abgang dort mit der „Free Press“ einen konservativ ausgerichteten, wenn auch Trump-kritischen Kontrapunkt zu den traditionellen amerikanischen Medienhäusern gesetzt hatte. Auch „Free Press“ gehört inzwischen zu Paramount. Für CBS News kündigte Weiss an, ihre Journalisten, offenbar nach dem Vorbild von Influencern, zu „Marken“ zu stilisieren, Nachrichten jenseits der Echokammern von rechts und links machen und sich stärker auf „scoops“ und Enthüllungsgeschichten konzentrieren zu wollen.
Die Entscheidung des CNN-Anchors Anderson Cooper, nicht länger für das CBS-Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ zu arbeiten, gilt vielen als Fanal (ironischerweise untersteht Cooper nach dem Deal nun erneut Paramount). Aber noch ist bei CBS News ein kritischer Tonfall zu vernehmen, auch wenn der neue CBS-News-Anchorman Tony Doukopil mit skurril regierungsfreundlichen Stücken glänzt. Und immerhin verlängerte David Ellison nicht nur die Satireshow des Trump-Kritikers Jon Stewart, sondern sorgte auch dafür, dass die Cartoonserie „South Park“, die zuletzt eine Liebesaffäre Trumps mit dem Satan zeigte, bei Paramount bleibt.
Dass der schon so gut wie sicher scheinende Warner-Deal mit Netflix geplatzt ist, unterstreicht den Willen Trumps, sich die Medien mit wirtschaftlichem und regulatorischem Druck untertan zu machen. Wer dergleichen kritisiert, zieht sich seinen Zorn zu. Erst vor wenigen Tagen hatte Trump die Entlassung von Susan Rice, die vormals hohe politische Posten in den Regierungen Biden und Obama bekleidete, aus dem Netflix-Vorstand verlangt, nachdem diese gesagt hatte, wer jetzt vor Trump kusche, werde zur Verantwortung gezogen, sobald die Demokraten am Ruder seien. Rice ist freilich von den Anteilseignern gewählt und unterliegt nicht Trumps Anweisungen.
Nach dem Treffen im Weißen Haus gab der Netflix-Chef auf
Die Forderung war als deutlicher Hinweis an Warner Brothers und dessen Chef David Zaslav zu werten, dass ein Deal mit Netflix auf unüberwindbare Hindernisse stoßen würde. Das verstand auch der Netflix-Chef Ted Sarandos. Er hatte sich noch Ende letzter Woche im Weißen Haus mit Trumps Stabschefin Suzy Wiles und Beamten des Justizministeriums getroffen, das dabei war, zu überprüfen, ob ein Zusammenschluss von Warner mit Netflix gegen das Wettbewerbsrecht verstoße. Sarandos dürfte bei dem Treffen klar geworden sein, dass Trumps Leute seinen Plan mit aller Macht zu verhindern suchten, und so verzichtete er kurz nach dem Besuch auf ein weiteres Gebot. Sarandos gab auf. Seine zuvor geäußerte Einschätzung, bei den Verhandlungen zwischen Paramount, Netflix und Warner gehe es um unternehmerische, nicht politische Fragen, geht als Treppenwitz in die US-Mediengeschichte ein.
Die Fusion von Warner Brothers mit Paramount Skydance sollte eigentlich auf noch viel größere kartellrechtliche Bedenken stoßen als das gescheiterte Geschäft mit Netflix. Denn hier landen zwei der größten Medienkonzerne unter einem Dach. Für Trump und seine willfährigen Helfer im Justizministerium ist das hochwillkommen, können sie doch die Zerschlagung von CNN zur Bedingung der Fusion machen. Einen „Programmumbau“ bei CNN hat Larry Ellison offenbar schon bei einem Besuch im Weißen Haus im vergangenen November in Aussicht gestellt. Bei dem ging es auch um die Entlassung der CNN-Moderatorinnen Erin Burnett und Brianna Keilar. Trump sortiert bei CNN also schon durch.
Demokratische Abgeordnete und der Oberste Staatsanwalt von Kalifornien kündigten eine genaue Überprüfung des Deals an, den sie als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht bewerten. Falls der Widerstand scheitert, dürfte sich CNN im Sommer in den Händen von Trump-Alliierten befinden.
Source: faz.net