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Wer wird Ministerpräsident in Baden-Württemberg? Lange lag die CDU vorn, doch kurz vor der Wahl am 8. März haben die Grünen um Spitzenkandidat Özdemir aufgeholt. Wer tritt an? Wie wird gewählt? Ein Überblick.
Wie ist die Ausgangslage?
Eins ist sicher: Am 8. März endet die Ära Winfried Kretschmann. Der erste und bisher einzige Ministerpräsident von den Grünen tritt nicht mehr an. Der 77-Jährige führte gut 15 Jahre lang die Regierungsgeschäfte – so lange wie kein anderer Regierungschef in Baden-Württemberg.
Gar nicht mehr so sicher scheint hingegen, wer als stärkste Kraft aus dem Wahlabend geht. Die CDU schien in Umfragen lange als Siegerin dazustehen, doch die Grünen holten auf den letzten Metern auf, was den Endspurt spannend macht. Laut ARD-Vorwahlumfrage beträgt der Vorsprung der derzeit als Juniorpartner mitregierenden CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel nur noch einen Prozentpunkt.
In der Sonntagsfrage von infratest dimap kommen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir auf 27 Prozent, die CDU auf 28 Prozent, die AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil nahezu auf 18 Prozent und die SPD stürzt ab auf 7 Prozent – das wäre ihr bisher schlechtestes Ergebnis. Die Linke könnte mit 5,5 Prozent erstmals den Sprung in den Landtag schaffen.
Die FDP, die seit vergangenem Jahr nicht mehr im Bundestag vertreten ist, liegt laut der Vorwahlumfrage bei 6 Prozent. Dem BSW werden kaum Chancen für den Einzug in den Landtag zugerechnet.
Wie steht das Land da – und was ist den Menschen wichtig?
Der „Neue“, ob er nun Hagel heißt oder Özdemir, übernimmt Regierungsverantwortung für das flächenmäßig drittgrößte Bundesland mit 11,2 Millionen Einwohnern. Ein Land, das trotz aller Konflikte und Krisen wirtschaftlich vergleichsweise gut dasteht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2024 bei rund 650 Milliarden Euro, was nach Angaben des Statistischen Landesamts mehr als 15 Prozent der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung entsprach. Große Konzerne wie die Autobauer Daimler und Porsche, der Fahrzeugzulieferer Bosch oder den Softwarekonzern SAP haben ihre Zentralen in Baden-Württemberg. Es gilt auch als Land des Mittelstands mit zahlreichen Weltmarktführern in Spezial- und Nischenbereichen.
Die Arbeitslosenquote liegt mit zuletzt 4,8 Prozent deutlich unter dem Bundesschnitt von 6,6 Prozent. Allerdings ist das nach Angaben der Landesregierung der höchste Stand bei der Erwerbslosigkeit seit 2007, also seit annähernd 20 Jahren.
Die starke Abhängigkeit der Wirtschaft vom Export, die kriselnde Autoindustrie und die damit verbundene höhere Arbeitslosigkeit hat auch Einfluss auf die Themensetzung im Wahlkampf. Das Thema Wirtschaft wurde von den Wahlberechtigten als das wichtigste Thema genannt.
Wie wird abgestimmt – und wer darf wählen?
In Baden-Württemberg wird wie in fast allen Bundesländern alle fünf Jahre ein neuer Landtag gewählt. Nur in Bremen gibt es noch eine vierjährige Legislaturperiode, auch der Bundestag wird alle vier Jahre gewählt. Wahltag ist am 8. März – damit fällt in Baden-Württemberg der Startschuss für ein Jahr mit insgesamt sechs Landtagswahlen.
Etwa 7,7 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen – so viele wie noch nie in dem Bundesland. Das liegt auch daran, dass das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre gesenkt wurde. 650.000 junge Frauen und Männer dürfen erstmals ihre Stimmen abgeben. Wählen darf, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg hat – und wer im Wählerverzeichnis der Heimatgemeinde aufgeführt ist.
Und auch das ist neu: Jeder Wahlberechtigte im Ländle hat erstmals zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird eine Kandidatin oder ein Kandidat im Wahlkreis gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei.
Baden-Württemberg ist in 70 Wahlkreise unterteilt, für die die Parteien sogenannte Direktkandidatinnen und -kandidaten ins Rennen schicken. Über die Zweitstimmen ziehen weitere Kandidierende in den Landtag ein, jede Partei hat dazu eine eigene Landesliste aufgestellt.
Mindestens 120 Sitze sind laut Wahlgesetz im Stuttgarter Landtag zu besetzen. Aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten hat er momentan mehr als 150 Abgeordnete.
Wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien?
Es sind fast nur Männer, die nach der Macht im Land greifen. Grüne, CDU, SPD, Linke und AfD ziehen mit Spitzenkandidaten in die Wahl. Lediglich bei der Linken ist ein Frauentrio nominiert.
Für die Grünen geht Cem Özdemir ins Rennen. Ein Mann mit jahrzehntelanger Polit-Erfahrung, sowohl im Bundestag als auch im Europaparlament. Der in Schwaben geborene Sozialpädagoge war von 2008 bis 2018 Bundesvorsitzender der Grünen und von Januar 2021 bis Mai 2025 Bundesagrarminister. Von dieser bundesweiten Bekanntheit scheint der 60-Jährige nun zu profitieren. Könnte der Regierungschef direkt gewählt werden, würden sich laut ARD-Vorwahlumfrage 42 Prozent für Özdemir entscheiden.
Die CDU will mit Manuel Hagel die Villa Reitzenstein zurückerobern. Der 37-Jährige wäre der jüngste Ministerpräsident seit Bestehen der Bundesrepublik. Hagel ist gelernter Bankkaufmann. Seit zehn Jahren sitzt er im Stuttgarter Landtag, zuletzt als Fraktionschef. Auch ist er Landesvorsitzender seiner Partei. Sein wohl größter Malus scheint sein geringer Bekannheitsgrad im Land zu sein. Bei der Politikerzufriedenheit hat er in der ARD-Vorwahlumfrage zuletzt leicht aufgeholt und kommt auf 23 Prozent. Damit liegt er aber weit hinter dem amtierenden Regierungschef Winfried Kretschmann (59 Prozent) und Özdemir (49 Prozent).
Die AfD machte Markus Frohnmaier zu ihrem Spitzenkandidaten. Der 35 Jahre alte Frohnmaier will zwar Ministerpräsident werden, in den Landtag strebt er aber nicht. Frohnmaier hat ein Bundestagsmandat und ist dort stellvertretender Fraktionschef. Er war Bundesvorsitzender der inzwischen aufgelösten AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative.
Für die SPD ist Andreas Stoch Spitzenkandidat, genau wie bei der Landtagswahl 2021. Stoch ist seit zehn Jahren SPD-Landtagsfraktionschef und seit 2018 auch Landesvorsitzender. In der ersten Legislaturperiode Kretschmanns war der 56-Jährige Kultusminister.
Die FDP will mit Hans-Ulrich Rülke als Spitzenkandidat eine für die Liberalen beispiellose Serie fortsetzen. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem die FDP stets im Landtag vertreten war. Rülke war schon bei den vergangenen beiden Landtagswahlen FDP-Spitzenkandidat, der 64-Jährige ist seit vielen Jahren Landtagsfraktionschef und mittlerweile auch Landesvorsitzender.
Bei der Linken treten Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei an. Auf Listenplatz eins steht Bohnen. Die 26-Jährige stammt aus Schleswig-Holstein und kam zum Studium nach Heidelberg. Sie arbeitet seit der vergangenen Bundestagswahl als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Linken-Bundestagsfraktion. Die 23 Jahre alte Vollmer arbeitet als Büroangestellte, seit 2023 ist sie im Landesvorstand der Partei. Die 28-jährige Ghazaei macht derzeit ihren Master an der Universität Stuttgart.
Superwahljahr 2026
In diesem Jahr finden gleich mehrere wichtige Wahlen statt. Ein Überblick über die Termine 2026:
- 08.03. Baden-Württemberg – Landtagswahl
- 08.03. Bayern – Kommunalwahl
- 15.03. Hessen – Kommunalwahl
- 22.03. Rheinland-Pfalz – Landtagswahl
- 06.09. Sachsen-Anhalt – Landtagswahl
- 13.09. Niedersachsen – Kommunalwahl
- 20.09. Berlin – Wahl zum Abgeordnetenhaus
- 20.09. Mecklenburg-Vorpommern – Landtagswahl
Source: tagesschau.de