Was zu Gunsten von ein Ding!: Trump Tower down under

Zu den Orten, an denen der Name Trump noch gut beleumundet zu sein scheint, zählt das Rathaus der australischen Stadt Gold Coast. Anders ist nicht zu erklären, dass in der Küstenstadt bald ein 91 Etagen hoher Trump Tower entstehen soll. Mit einer geplanten Höhe von 335 Metern würde er, stünde er in New York, sogar das Chrysler Building überragen.

Hinter dem Projekt steht der australische Immobilienentwickler David Young, der den Grundstein für das Projekt schon vor gut zwanzig Jahren mit einem Anruf bei Ivanka Trump gelegt haben will. Nun hat er einen Lizenzvertrag mit Eric Trump unterzeichnet, Sohn des amerikanischen Präsidenten und Vizepräsident der Trump Organization. Eric Trump erklärte, der Turm werde „das Prestige einer Luxusmarke von Weltklasse“ nach Australien bringen.

Die Gold Coast, einst als eine Art australisches Las Vegas apostrophiert, steht seit Langem im Ruf, bevorzugter Rückzugsort für Rentner, Geschiedene und überhaupt Männer zu sein, die anderswo nicht mehr gesellschaftsfähig sind. Der vorgesehene Bauplatz liegt seit 2013 brach. Die Leerstelle soll nun mit dem Tower gefüllt werden, in dem ein Luxushotel mit 285 Zimmern, ein Einkaufszentrum, Sterne-Restaurants und Apartments untergebracht werden sollen. Die Wohnungen sollen umgerechnet je rund drei Millionen Euro kosten und nach den gestalterischen Vorgaben von Trump eingerichtet sein – ein Umstand, der erfahrungsgemäß keine allzu großen Hoffnungen auf geschmackliche Zurückhaltung nahelegt.

„Sehr, sehr sympathisch“

In der lokalen Wirtschaft wird das Projekt größtenteils willkommen geheißen. Martin Hall von der örtlichen Handelskammer sprach von einer „goldenen Option“. Der langjährige Bürgermeister Tom Tate reiste sogar nach Florida, um mit Donald Trump in dessen Mar-a-Lago-Resort zu Abend zu essen. Trump sei „sehr, sehr sympathisch“, sagte er im Radio, und bald würden alle Amerikaner wissen, wo die Gold Coast liegt.

Nicht alle teilen diese Zuversicht. Eine Petition, die den Stadtrat und die Landesregierung zum Stopp des Projekts auffordert, hat mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt. In der Stadt leben knapp 700.000 Einwohner. Der stellvertretende Bürgermeister Mark Hammel gab sich unbeeindruckt. Solange alle formalen Kriterien erfüllt seien, sehe er keinen Grund, warum der Antrag nicht genehmigt werden sollte.

Bis zu den Olympischen Sommerspielen 2032 im nahe gelegenen Brisbane soll der Trump Tower fertig sein. Die Kosten werden auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Ein Bauantrag wurde allerdings noch nicht gestellt, die Pläne müssen erst noch dem Stadtrat zur Genehmigung vorgelegt werden. Laut Eric Trump wird der Tower das höchste Gebäude Australiens werden. Ein Trostpflaster für Kritiker dürfte sein, dass am selben Strandabschnitt bald noch ein Zwillingsturm gebaut wird, der 50 Meter höher werden soll. Ein zweites, dass Investor Young schon zweimal in Konkurs gegangen ist. Darüber hinaus ist weltweit von einer nicht unerheblichen Zahl geplanter Trump Towers oft nicht mehr geblieben als eine vollmundige Ankündigung. Für Investoren erwies sich dieses Geschäftsmodell bisweilen als ziemlich riskant. Verlässlich werthaltig blieb es vor allem für den Lizenzgeber, dessen Name in goldenen Lettern über dem Eingang stehen sollte.

Die Kolumne „Was für ein Ding!“ erscheint alle zwei Wochen in der FAS.

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