Was welcher Nahost-Krieg z. Hd. die Reisebranche bedeutet

Stand: 02.03.2026 • 18:05 Uhr

Der Krieg im Nahen Osten hat für die Reisebranche große Auswirkungen. Zahlreiche Reisen und Flügen wurden abgesagt. Der Organisationsaufwand für Airlines und Reiseveranstalter ist groß. Die Kosten belasten zusätzlich.

Wegen der Lage im Nahen Osten sitzen viele Reisende fest. Weil mehrere Flughäfen beschädigt wurden und der Luftraum teils gesperrt wurde, mussten zahlreiche Airlines ihre Flüge streichen. Besonders betroffen sind internationale Umsteigeflughäfen in der Golfregion. An den Flughäfen von Dubai – einem zentralen Drehkreuz Richtung Asien – wurde der Flugverkehr zeitweise ausgesetzt. Auch die Passagiere der beiden Kreuzfahrtschiffe von TUI Cruises, Mein Schiff 4 und 5, hängen in Abu Dhabi und Doha fest. Denn der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus.

Die Folge: Zehntausende deutsche Reisende strandeten. Für die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter bedeutet das nun, dass sie sich um ihre Reisenden kümmern müssen. Sie müssen etwa dafür sorgen, dass die Touristen in Hotels untergebracht werden. „Das ist natürlich ein ganz großer Aufwand, der da auf die Reiseindustrie zukommt“, sagt Markus Tressel, Präsident vom Travel Industry Club Deutschland, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Konflikt sorgt für Gewinneinbußen

Und die Unternehmen müssen diese Übernachtungen bezahlen. „Für die Veranstalter und Airlines ist das ein Betriebsrisiko, das sich hier verwirklicht, wenn eben jetzt Reisen abgesagt werden müssen aufgrund der Gefahrenlage“, sagt Kay Rodegra, Dozent für Reiserecht, bei tagesschau24. Die Situation falle zu Lasten der Reisebranche und gehe mit entgangenen Gewinnen einher.

Nach der Eskalation in Nahost hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für den gesamten Raum verschärft und am Samstag zahlreiche Reisewarnungen ausgesprochen. Die Lufthansa Gruppe strich daraufhin alle Flüge bis einschließlich 8. März. Auch Condor setzte die Flüge bis Montag aus. Der Reisekonzern Dertour sagte alle Reisen in die Region bis einschließlich 5. März ab. Betroffen seien die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Oman, Jordanien, Israel und Kuwait.

Veranstalter wie Dertour bieten betroffenen Gästen deshalb an, kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umzubuchen – oder den vollständigen Reisepreis zurückzuerhalten. Für die Branche entstehen somit an vielen Stellen zusätzliche Kosten.

Kosten belasten Reisebranche

Das sei ein großes Problem, sagt Reiseexperte Tressel. Wie hoch die Kosten ausfallen, könne man aktuell noch gar nicht beziffern. „Das hängt natürlich auch davon ab, wie lange diese Situation andauern wird. Aber es dürfte jedem klar sein, dass das auch mit finanziellen Einbußen verbunden sein wird“, so Tressel.

Man müsse den Blick zusätzlich auf die langfristige Entwicklung richten. „Bislang weiß niemand, wie sich die Region stabilisiert, die ja auch sehr beliebt ist – sowohl zum Umsteigen als auch als Reiseziel.“ Vieles sei einfach noch unklar. „Aber wir werden uns darauf einstellen müssen, dass das natürlich die Branche insgesamt auch wieder belasten wird“, so Tressel weiter.

Sicher ist auch: Die Reisebranche steht wegen geopolitischer Unsicherheiten, Kriegen und Krisen immer wieder vor Problemen. Es dauerte Jahre, bis sie sich etwa von der Corona-Pandemie erholen konnte. „Wir haben während Corona gesehen und auch vor dem Hintergrund der Klimadebatte, dass sich das Reiseverhalten kurzfristig verändert hat“, ordnet Tressel ein.

Reiselust ist auch in Krisenzeiten groß

Man sehe meistens sehr kurzfristige Dellen, aber auch immer wieder eine schnelle Erholung. Das Problem: Die Welt sei insgesamt unsicherer geworden. „Aber aus der Erfahrung der Vergangenheit wissen wir, wenn der Anlass für solche Verhaltensänderungen wegfällt, schlägt das auch relativ schnell wieder zurück auf das alte Niveau.“ Die Menschen werden demzufolge weiter reisen. Die Frage sei nur, wie und wohin.

Ähnlich sieht das auch Torsten Schäfer, Präsident des Deutschen Reiseverbands. Die Reiselust der Deutschen sei auch wegen der vielen Krisen groß: „Wir sehen im Moment, wenn wir zurückblicken, dass die Deutschen auch in Krisensituationen der letzten Jahre relativ resistent sind. Das heißt: Man will auch Abstand haben vom Alltag, von den Krisen.“ Man wolle mit der Familie eine gute Zeit erleben, so Schäfer. „Man will auch Kraft tanken für den Arbeitsalltag, um diese Krisen zu überstehen.“

Rekord bei Reiseausgaben in 2025

Im vergangenen Jahr verzeichnete der Reiseverband einen Rekord bei den Reiseausgaben. Er belief sich auf 88 Milliarden Euro. Das Reiseniveau sei auf einem stabilen und hohen Niveau. Schon jetzt gebe es viele Vorausbuchungen für den Sommer. Doch die Top-Ziele liegen weiter in Europa, zum Beispiel in Spanien oder Griechenland. Auch die Türkei ist sehr beliebt.

„Die Fernreise und auch die Arabischen Emirate auf der Mittelstrecke haben natürlich nur einen etwas geringeren Anteil. Ungefähr neun Prozent des gesamten Reisevolumens geht in Richtung Fernreisen und in Richtung Arabische Emirate“, so Schäfer. Wie sich die weitere Entwicklung auf die Reisebuchungen auswirken könnte, wisse man noch nicht.

Am deutschen Aktienmarkt zeigten sich hingegen erste Auswirkungen. Die Aktien der Reise- und Touristikbranche brachen teilweise an. Sie verloren am Montagmorgen deutlich. Lufthansa zum Beispiel rutschte zwischenzeitlich um über sechs Prozent ab, TUI sogar fast zehn Prozent.

Source: tagesschau.de