Was Schülern zu mehr Finanzbildung verhelfen kann

Stand: 16.03.2026 • 17:16 Uhr

In Deutschland gibt es beim Finanzwissen große Lücken – nicht nur unter jungen Menschen. Eine Kampagne der Industrieländer-Organisation OECD soll Schülern helfen, alles rund ums Geld besser zu verstehen.

Wenn es um Finanzen geht, machen sich junge Menschen ganz unterschiedliche Gedanken. „Vor allem in Frankfurt denke ich erstmal an Wolkenkratzer“, sagt der 18-jährige Julius. Für den gleichaltrigen Jamil geht es darum, „zu lernen, wie der Markt funktioniert und man sein Geld vermehren kann“. Die 17 Jahre alte Julia sagt: „Ich denke es ist für jeden wichtig angesichts des demographischen Wandels.“ Und Lian (17) hält es für „wichtig, Gefahren beim Investieren anzusprechen oder zum Beispiel Schulden“.

Die Schülerinnen und Schüler waren heute an der Deutschen Börse, wo die „Global Money Week“ eröffnet wurde. Das ist eine Kampagne der Industrieländer-Organisation OECD, um auf die finanzielle Bildung junger Menschen aufmerksam zu machen.

Fehlendes Wissen zu Altersvorsorge oder Krediten

Warum Finanzbildung so wichtig ist, beschreibt Koordinator Jacob Risse mit einem aktuellen Beispiel: dem steigenden Spritpreis. „Unter dem Strich ist das auch nichts anderes als Budgetieren und Haushalt führen. Man muss immer davon ausgehen, dass es unvorhersehbare Dinge in Bezug auf die eigenen Finanzen geben kann.“

Laut einer Umfrage des Geldratgebers Finanztip aus dem vergangenen Jahr halten nur 30 Prozent der Deutschen ihr Wissen in zentralen Finanzbereichen wie Bank, Börse oder Bauen für hoch oder sehr hoch. Diesen Eindruck bestätigt auch Carmela Aprea, Professorin für Wirtschaftspädagogik an der Universität Mannheim im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Bei einfachen Fragen seien die Kenntnisse zwar gar nicht so schlecht. „Wenn wir dann aber eben detailliert in einzelne Bereiche wie zum Beispiel Altersvorsorge oder Kreditaufnahme schauen, wo differenziertes Finanzwissen erforderlich wird, sehen wir sehr schnell, dass die Leute weniger gut abschneiden.“ Außerdem seien einzelne Gruppen in der Bevölkerung nicht gut aufgestellt – wie etwa junge Leute, die noch viele finanzielle Entscheidungen vor sich haben.

Von wem kommen die Tipps?

Fachleuten zufolge spielen Schulen dabei eine besonders wichtige Rolle. Viele Initiativen bieten daher kostenlose Unterrichtsmaterialien, Vorträge oder Projekte vor Ort an. Doch auch nach der Schule dürfe Finanzbildung nicht aufhören. Denn finanzielle Entscheidungen fallen über das ganze Leben hinweg an. Zudem haben ältere Menschen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt deutlich mehr Schulden als jüngere.

Zahlreiche „Finfluencer“, Bildungseinrichtungen, Verbraucherzentralen oder Finanzinstitute vermitteln Menschen Wissen im Finanzbereich. Viele Angebote sind gut aufgebaut und hilfreich – doch nicht alle unabhängig. Deshalb sollte man auf ein paar Dinge achten, sagt Jacob Risse von der Initiative FunnyMoney, die bundesweite Finanzbildungsseminare für Schüler, Studierende und Azubis anbietet.

„Es muss immer zuerst ins Impressum geguckt werden. Wenn da schon festzustellen ist, dass der Anbieter auf Malta sitzt, dann schau lieber noch ein zweites Mal hin“, sagt er. Ansonsten solle man sich stets die Frage stellen: „Wer bist du, was machst du und was qualifziert dich dazu, heute mit mir über Geld zu sprechen?“

Mehr Kooperation mit Wissenschaft nötig

Damit die Masse an Angeboten nicht überfordert, fordern Experten zudem eine Struktur und eine ordnende Instanz. Genau das versuchen nun das Hessische Finanzministerium, die DZ Bank Stiftung und die Initiative Frankfurt Main Finance in Frankfurt. Auf der neuen Plattform „Finanzen erleben in Frankfurt“ werden die Programme verschiedener Unternehmen und Institutionen zusammengefasst.

„Dadurch, dass es die Eltern nicht gelernt haben – in großen Teilen der Bevölkerung -, ist es schwierig, Finanzwissen in den Familien an die Kinder weiterzugeben. Und deshalb wollen wir hier eine Initiative starten und bündeln, wo die vielen guten Dinge, die passieren, sichtbarer werden“, so Oliver Behrens, Präsident von Frankfurt Main Finance und Chef des Online-Brokers Flatex, gegenüber der ARD-Finanzredaktion. „Es soll neutral und ohne Einflussnahme einen Weg geben, um die richtige Weiterbildung, Ausbildung oder Zusatzinformation zu finden.“

Die Wirtschaftspädagogin Carmela Aprea sieht solch eine Plattform als einen ersten guten Schritt. Sie wünscht sich jedoch für die Zukunft auch, dass Angebote aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam entwickelt werden – unter Einbeziehung der jeweiligen Adressaten. Damit am Ende auch klar sei, welche Projekte wirklich helfen. Zum Beispiel Schülerinnen und Schülern, wenn sie die Börse besuchen.

Source: tagesschau.de