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Im Dezember haben die USA neue Einreiseregeln auf den Weg gebracht. Die Einspruchsfrist ist inzwischen ausgelaufen. Womit Touristen nun rechnen müssen – gerade was die Social-Media-Aktivitäten anbelangt.
Was müssen Reisende wissen?
Der US-Grenzschutz plant eine Verschärfung von Einreiseregeln für Touristen aus vielen Ländern. Touristen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern könnten künftig daher gezwungen werden, vor der Einreise in die USA ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenzulegen. Gemeint sind damit Nutzerkonten bei Instagram, Facebook oder X.
Das sieht ein Plan vor, den das US-Heimatschutzministerium im Dezember vorgelegt hatte. Die Einspruchsfrist, bis zu der Einwände und Stellungnahmen zu den vorgeschlagenen Änderungen eingereicht hätten werden können, ist am Montag dieser Woche abgelaufen.
In dem Vorschlag der Grenzschutzbehörde ist zudem davon die Rede, dass Antragssteller – sofern möglich – künftig zahlreiche weitere persönliche Daten angeben müssen – wie Telefonnummern, die sie in den vergangenen fünf Jahren verwendet und E-Mail-Adressen, die sie in den vergangenen zehn Jahren benutzt haben. Hinzu kommen ausführliche Informationen über Familienmitglieder, etwa deren Geburtsdaten, Wohn- und Geburtsorte.
Außerdem haben die USA die Visaverfahren für 75 Staaten ausgesetzt.
Reisende müssen bei der Einreise wohl demnächst viele persönliche Daten offenlegen.
Wie begründet die US-Regierung die Pläne?
Die Trump-Regierung will mit dem Vorhaben die USA vor „ausländischen Terroristen und anderen Bedrohungen der nationalen Sicherheit schützen“. Deswegen sind bereits die Visa-Auflagen – unter anderem für internationale Studierende – verschärft worden.
Sollte die Regelung wie geplant in Kraft treten, würde die Angabe von Social-Media-Konten ein verpflichtender Bestandteil des sogenannten ESTA-Antrags zur visumsfreien Einreise für Touristen in die USA. Ein Antrag ohne diese Angaben wäre unvollständig und könnte abgelehnt werden.
Gründliche Kontrollen bei der Einreise in die USA kennen Reisende schon – sie könnten bald noch länger dauern.
Was rät das Auswärtige Amt?
Die Bundesregierung geht in ihren Reisehinweisen noch nicht auf die Pläne für neue Einreisebestimmungen ein, klärt aber Reisende darüber auf, dass US-Behörden berechtigt sind, mitgeführte technische Geräte wie Laptops oder Handys zu kontrollieren und gegebenenfalls auszulesen – falls entsprechende Verdachtsmomente vorliegen.
Weitere aktuelle Hinweise auf der Website des Auswärtigen Amts beziehen sich auf die angespannte innenpolitische Lage: In Minneapolis und in anderen Städten komme es bei Demonstrationen teils zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Migrations- und Sicherheitsbehörden.
Der Hinweis des AA ist daher unmissverständlich: Besucher sollten entsprechend wachsam sein und sich von Menschenansammlungen, in deren Umfeld es möglicherweise zu Gewalt kommen könnte, fernhalten. Der Rat des Außenamt: Man möge sich ruhig verhalten und den Anweisungen der Behörden und lokalen Sicherheitskräfte Folge leisten.
Wie wirkt sich Trumps Politik auf den Tourismus aus?
Rund 73 Millionen Touristen erwarten die USA in diesem Jahr, hat das Demographie-Portal „World Population Review“ zusammengetragen. Das bedeutet Platz drei im weltweiten Vergleich. Nur Spanien und Frankreich locken noch mehr Besucher an.
Laut der Ankunftsdaten, die die zum US-Handelsministerium gehörende International Trade Administration veröffentlicht hat, ging die Zahl der internationalen Übernachtungsgäste in den USA von Januar bis September 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als fünf Prozent zurück. Die USA verzeichneten aus mehr als 90 Länder sogar einen zweistelligen Rückgang; wobei Kanada, Deutschland, Frankreich und Indien den größten absoluten Rückgang an Reisender verzeichneten. Dieser Trend begann bereits unmittelbar nach dem Amtsantritt Trumps im Januar vergangenen Jahres, wie die Zahlen der US Travel Association zeigen.
Allein die Zahl der Besucher aus Kanada – immerhin einem Co-Gastgeber der WM – sank um fast 3,5 Millionen, was dramatische Folgen für die US-Tourismusbranche hatte.
Laut Eigenauskunft ist die Branche ein Schlüssel für den volkswirtschaftlichen Erfolg der USA. Das zeigt sich auch in Zahlen: 2,9 Billion Dollar jährlich – etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA – mit 15 Millionen amerikanischer Jobs hängen an der Tourismus-Industrie.
Aufhorchen lässt deshalb besonders ein Rechenbeispiel der Interessenvertretung: So heißt es, bei den Ausgaben internationaler Gäste in den USA bedeute jeder Rückgang um einen Prozentpunkt einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar. Ginge dieser Trend weiter, drohten der Branche gar 21 Milliarden Dollar Verluste in diesem Jahr. Allerdings sind die Inlandsreisen zahlreicher – und damit weit wichtiger für den US-Markt. Aber: Gäste aus Übersee geben ungleich mehr Geld für ihre Reise aus als inländische Touristen.
Nationalparks wie der Yosemite National Park ziehen jedes Jahr Hunderttausende Besucher auch aus dem Ausland – aber für sie ist der Eintritt zu Jahresbeginn deutlich teurer geworden.
Was macht der Branche Hoffnung?
Mut macht sich die Reisebranche vor allem mit bevorstehenden weiteren Großereignissen, die ungeachtet des aktuellen Trends für ein „Jahrzehnt des Wachstums“ sorgen sollen. Denn neben der FIFA-WM stehen in diesem Jahr im ganzen Land auch große Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Gründung der USA an.
2028 finden dann die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles statt. Dazu kommen die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2034. Laut Touristikern hat all das „das Potential, mehr Besucher als jemals zuvor“ ins Land zu bringen.
Sie waren schon einmal bei Olympia. Nun werben ehemalige Teilnehmer am Olympiastadion von Los Angeles für die Spiele 2028.
Wie wirkt sich die Talfahrt des Dollars aus?
Der Dollar hat im vergangenen Jahr deutlich an Wert gegenüber dem Euro verloren und setzt seine Talfahrt auch in diesem Jahr fort. Für Exportnationen wie Deutschland wird das zum Problem. Die US-Währung verliert zunehmend an Vertrauen. Der Dollar notiert aktuell so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Binnen zwölf Monaten ist die US-Devise um mehr als zehn Prozent gefallen, zuletzt hatte sich der Dollar-Verfall rasant beschleunigt: Erstmals seit vier Jahren übersprang die europäische Gemeinschaftswährung die Marke von 1,20 Dollar.
Für ausländische Touristen, die in die USA reisen wollen, ist diese Entwicklung hingegen eigentlich eine gute Nachricht, denn die Waren und Dienstleistungen, die sie für den Gegenwert in Euro bekommen, werden für sie preiswerter.
Wen betrifft das Einreiseverbot?
Die Regierung Trump plant nicht nur für Touristen verschärfte Regeln, sondern auch für bestimmte Inhaber eines Visums – als Teil der verschärften Migrations- und Sicherheitspolitik
Betroffen von den neuen Restriktionen sind 75 Länder – ihre Namen hat das Außenministerium auf einer Liste veröffentlicht. Nach Trumps Anweisungen dürfen Bürger aus 39 Nationen gar nicht mehr einreisen: Dazu gehören unter anderem Somalia, Haiti und Iran. Auch Einwanderungsvisa aus Afghanistan, Ägypten, Brasilien, dem Irak, Jemen, Nigeria und Thailand werden ausgesetzt.
Unter den 75 Staaten sind auch 17 der 48 Teilnehmernationen der Fußball-WM im Sommer: Algerien, Ägypten, Brasilien, Elfenbeinküste, Ghana, Haiti, Irak, Iran, Jordanien, Kap Verde, Kolumbien, DR Kongo, Marokko, Senegal, Tunesien, Uruguay, Usbekistan – das ist mehr als jede drittes Land, das an der WM teilnimmt. Reisen für Fans aus diesen Ländern zum Turnier werden damit zumindest erschwert, denn laut US-Regierung sind auch unter den neuen Richtlinien touristische Visa weiterhin möglich
Was bedeutet das für die bevorstehende Fußball-WM?
Die 23. Fußball-WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli in drei Ländern ausgetragen. Erstmals nehmen 48 Nationen am FIFA-Turnier teil. Es wird das größte Turnier, das es jemals gab – mit den meisten Spielen und damit auch mit den meisten Reisebewegungen über Grenzen hinweg. Allerdings nehmen die Kontroversen um das Turnier zu – spätestens seit der umstrittenen Show zur Ziehung der WM-Gruppen, als FIFA-Chef Giovanni Infantino Trump einen neu geschaffenen Friedenspreis verlieh.
Trumps Druck auf Grönland und das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE in mehreren US-amerikanischen Städten haben zusätzlich dazu geführt, dass Fan-Gruppierungen, einige Funktionäre und wenige Politiker zu einem Boykott der WM aufrufen. Der DFB weist das zurück.
Source: tagesschau.de