Warum welcher „Trump-Trade“ im Iran-Krieg riskanter wird

Stand: 01.04.2026 • 16:15 Uhr

Die Wette auf Trumps nächste Kehrtwende galt lange als profitable Börsenstrategie. Doch mit dem Iran-Krieg wird der „Trump-Trade“ zunehmend riskant – zumindest für all jene, die nicht über Insiderwissen verfügen.

Ein Post von Donald Trump – und an den Börsen drehen die Kurse. Geradezu reflexhaft springen die Anleger über jedes vermeintliche Stöckchen, das ihnen der US-Präsident auf Social Media hinhält. Die vergangene Börsenwoche hat das wieder einmal eindrücklich gezeigt: Nach Trumps Ankündigung auf seiner Plattform Truth Social, die angedrohten Angriffe auf iranische Energieanlagen auszusetzen, rauschte der Ölpreis nach unten und die Aktienmärkte schossen nach oben.

TACO-Trade mit Fragezeichen

Doch mit etwas Abstand zeigt sich: Wer damals eingestiegen war in der Hoffnung auf eine nachhaltige Markterholung, sah sich getäuscht. Funktioniert also die Handelsstrategie nicht mehr, die unter dem Namen „TACO-Trade“ bekannt wurde und inzwischen sogar einen Eintrag auf Wikipedia hat? Das Akronym TACO steht für „Trump Always Chickens Out“ – was so viel heißt wie: Trump kneift immer.

Dabei baue Trump erst maximalen Druck auf mit hohen Forderungen oder Drohungen, erklärt Tim Oechsner, Kapitalmarktexperte der Steubing AG, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Fallen die Märkte daraufhin aber zu stark, rudere er zurück – „und dann steigen die Börsen auch wieder“.

So wichtig sind die Börsen für Trump

Dass Trump im Gegensatz zu vielen Politikern offenbar keinerlei Bedenken hat, bei diversen Themen bei Bedarf eine 180-Grad-Kehrtwende hinzulegen, hängt auch damit zusammen, dass er wie kaum ein anderer Politiker auf die Börsen schaut. Für den Republikaner ist vor allem der US-Aktienmarkt ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg seiner Politik und für seine eigene Beliebtheit.

Der bislang spektakulärste TACO-Trade von allen spielte sich rund um die Zölle zum „Tag der Befreiung“ im vergangenen April ab. Nachdem innerhalb weniger Tage Billionen von Dollar an den US-Börsen vernichtet wurden, ruderte Trump bei den härtesten Zöllen wieder zurück – und die Märkte erholten sich rasant.

Auffällige Börsenwetten vor Trump-Entscheidungen

Brisant ist allerdings, dass einige Investoren rund um marktbewegende Trump-Entscheidungen zuletzt mehrfach extrem gut platzierte Finanzwetten eingegangen sind. Besonders bemerkenswert: das exakte Timing und die hohen Umsätze.

So hatte es kurz vor Trumps Ankündigung einer Zollpause am 9. April 2025 auffällige Optionsgeschäfte gegeben. Und Anfang vergangener Woche wurden binnen einer Minute Wetten von rund 500 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise platziert – nur etwa 15 Minuten vor Trumps Post.

Insiderhandel von US-Politikern?

Das lege die Vermutung nahe, „dass hier Insiderinformationen im Spiel sind“, sagt Stephan Kemper, Chefstratege bei BNP Paribas Wealth Management, der ARD-Finanzredaktion. „Donald Trump bewegt mit seinen Posts die Märkte. Wenn man also weiß, wann Trump welche Nachricht über Social Media verbreitet, kann man sich entsprechend positionieren, um davon zu profitieren.“

Grundsätzlich, sagt Kemper, gebe es mit Blick auf die Unabhängigkeit von Politik und Finanzmarkt in den USA ohnehin seit Langem große Fragezeichen. So handelten viele Mitglieder des US-Kongresses auffällig erfolgreich an der Börse. „Die erzielen über Jahre hinweg extrem gute Ergebnisse und schlagen den Markt erfolgreich – nur mit Glück und Können lässt sich das in meinen Augen nur schwer erklären.“

Warum der TACO-Trade im Iran-Krieg brüchig wird

Für alle jene, die nicht über Insiderinformationen verfügen, ist allerdings fraglich, ob der TACO-Trade im Iran-Krieg überhaupt so funktionieren kann wie noch im Zollkonflikt. Experten sind skeptisch. Denn über ein mögliches Ende des Iran-Kriegs entscheiden nicht die USA allein.

„Es ist mindestens genauso relevant, wie der Iran reagiert“, betont Christian Röhl, Finanzexperte und Chefökonom beim Fintech Scalable Capital. Und mit Israel gäbe es noch eine weitere Konfliktpartei, die sicherlich andere Kriegsziele verfolge als die USA.

Mit den Huthi-Rebellen kam zuletzt noch eine weitere Konfliktpartei hinzu, Nahost-Kenner warnen bereits vor einem Worst-Case-Szenario: einem Flächenbrand in der Region. Sollten die Huthi-Rebellen das Rote Meer blockieren, wäre das ein weiterer empfindlicher Rückschlag für die globale Energieversorgung.

Ein Trump-Post repariert keine zerstörten Ölraffinerien

Hinzu kommt: Selbst wenn Trump morgen das Ende des Krieges verkünden würde und alle Konfliktparteien dem zustimmen würden – der Schaden ist bereits angerichtet. Zerbombte Energieanlagen, zerstörte Infrastruktur, gestörte Lieferketten – das lässt sich nicht mal eben mit einem Social-Media-Post von Trump beheben.

Die Folgen für Inflation und Wirtschaftswachstum dürften laut Experten noch über Monate, wenn nicht gar Jahre hinweg spürbar sein. Das Risiko einer Stagflation, also steigende Preise bei gleichzeitig stagnierender oder schrumpfender Wirtschaftsleistung, steht im Raum.

Was das für Anleger bedeutet

Anleger, die bei jedem Social-Media-Post von Trump auf den nächsten TACO-Moment an den Börsen setzen, könnten daher diesmal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Denn der Markt leidet nicht nur unter negativen Schlagzeilen, sondern unter einem ganz realen Energie- und Inflationsschock.

BNP-Experte Kemper rät Anlegern daher in der aktuellen Gemengelage dazu, sich gerade mit Blick auf die Inflations- und Wachstumsrisiken eher vorsichtig zu positionieren – und sich bloß nicht blind auf den TACO-Trade zu verlassen.

Auch Finanzexperte Röhl warnt davor, gleich bei jeder Regung aus dem Weißen Haus das komplette Depot auf den Prüfstand zu stellen. „Wenn wir das die nächsten drei Jahre auch noch machen, dann sind wir nicht reich, sondern irre.“

Source: tagesschau.de