Die USA und Israel greifen den Iran an, wie Russland auf den Konflikt blickt – und ein Filmtipp aus der Mediathek. Der „Freitag“-Blick auf den Tag
Hallo,
mein Kollege Michael Angele hatte das Glück, an dieser Stelle kürzlich vom Wetter sprechen zu können. Heute ist leider wieder vom Krieg die Rede.
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Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen (auch wenn unsere Bundesregierung in der Beurteilung wieder mal große Schwierigkeiten hat). Sie tun das vor allem aus einem Grund: weil sie es können.
Wie immer bei Diskussionen um Krieg und Frieden in Nahost ist im Vorteil, wer mehr als einen widersprüchlichen Gedanken zugleich aushält. Saddam Hussein war ein übler Diktator, trotzdem war der Irakkrieg ein Fehler und eine Tragödie. Das Regime der Islamischen Republik hat das Blut tausender Unschuldiger an seinen Händen, trotzdem ist ein Angriff, der ihr Führungspersonal durch Raketenbeschuss eliminiert, nicht zu rechtfertigen.
Wer derart große militärische Übermacht besitzt wie die USA und Israel, neigt dazu, sich ihrer zu bedienen – und zu glauben, dass schon etwas erreicht wäre, wenn man fremde Länder angreift und Schiffe versenkt.
Dabei zeigt ja die Geschichte des Iran wenigstens eines: Dass auf Intervention von außen (der CIA-Putsch gegen Ministerpräsident Mossadegh 1953) und auf die Installierung von autoritären Herrschern, die den USA genehm sind (wie der Schah es war), oft genau das folgt, was die imperialen Intervenierenden eigentlich vermeiden wollten.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ KO-Kaiser Ludwig: Was mich erst verwirrt, aber dann erheitert hat, war ein Auftritt von Kaiser Ludwig bei dem Wrestling-Spektakel Royal Rumble. Ja, genau so verstört habe ich auch geguckt, als mich mein Sohn überredet hat, mit ihm einen Ausschnitt aus dem Wrestling-Youtube-Video zu gucken. Sie kennen das: große, starke Männer, die so tun, als würden sie sich verhauen, aber im Wesentlichen eine Show abziehen.
Nun gut, inmitten all der mexikanischen und amerikanischen Prügelknaben taucht auf einmal ein Deutscher auf: Er heißt Ludwig Kaiser, trägt einen blonden Seitenscheitel, und wirkt wie ein Bürschchen neben den anderen tätowierten Schränken. Aber ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen, als „Ladwig“ nach langem Vorgeplänkel endlich den Ring betrat. Und dann sechs Sekunden später wieder hinausgeworfen wurde. Schicht im Schacht, Kaiser oder nicht.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu sehen: Wer Gerichtsdramen mag, hat diesen Film vielleicht schon gesehen, wer Sandra Hüller mag, bestimmt auch. Alle anderen haben’s gut, weil sie ihn erst noch neu entdecken können. Anatomie eines Fallsist einer von diesen Filmen, bei denen man als Zuschauer eingesponnen wird, und immer mehr mitleidet und zittert und fiebert.
Der Film spielt mit der Doppelbedeutigkeit des „Falls“: Er seziert einen Justizfall, und versucht, einen Sturz aufzuklären. Um das zu tun, deckt die Regisseurin Justine Triet immer neue Schichten einer Beziehung und zweier Leben auf … Triet hat 2023 damit die Goldene Palme in Cannes gewonnen; über ihre Arbeit hat sie damals mit meinem Kollegen Thomas Abeltshauser gesprochen ➜
Hier können Sie den Film in der ARD-Mediathek sehen.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Warum der gewaltsame Tod von Ali Khamenei kein Regimewechsel ist: Bisher ist keine schlüssige Agenda zu erkennen, wie Donald Trump und Benjamin Netanjahu Iran gefügig machen wollen. Jede künftige Führung in Teheran muss es belasten, ihr Mandat der gezielten Tötung des religiösen Führers zu verdanken, schreibt unser Autor Torsten Wöhlert:
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Ali Khamenei agierte nicht allein als „Revolutionsführer“. Er war vor allem der geistliche Führer einer schiitischen Glaubensgemeinschaft, zu der sich bei einer Bevölkerung von 80 Millionen mehr als 95 Prozent – wenn nicht inbrünstig bekennen, so doch rechnen. Wie immer sie zu Ayatollah Ali Khamenei standen – sie dürften sich als Gläubige missachtet und gedemütigt fühlen, dass ihnen fremde Mächte wie die USA und Israel diesen Toten vor die Füße legen.
Damit ist jede künftige politische und geistliche Führung des Iran belastet und diskreditiert, die ihr Mandat der gezielten Tötung des höchsten religiösen Führers verdankt – wer immer er gewesen, was immer er gedacht und getan haben mag. Ihn auszuschalten und das als erste Kriegstrophäe zu präsentieren, zeigt zweierlei: Trump und Netanjahu gestehen einer Islamischen Republik im Iran grundsätzlich kein Existenzrecht zu.
Zugleich ist der gewaltsame Tod Khameneis ein Indiz dafür, dass sie keine schlüssige, vor allem erfolgversprechende Agenda für einen Regimewechsel haben. Sie können es sich nach dem 28. Februar 2026 schwerlich leisten, als Heilsbringer vor das iranische Volk zu treten, schon gar nicht um den Sohn des 1979 gestürzten Autokraten Schah Reza Pahlavi als Machtalternative zu präsentieren.
Feedback
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Damit sind wir auch schon am Ende unseres Newsletters. Endlich Freitag! – „Captain, it’s monday!“ Sie kennen das. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche – auf dass wir bald wieder vom Wetter reden können.
Viele Grüße,
Ihr Pepe Egger
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