Warum jener Ort extra die Wasserrechnung entscheidet

Stand: 22.03.2026 • 14:11 Uhr

Wasser ist lebensnotwendig, doch sein Preis schwankt stark. In der Stadt ist es oft günstig, auf dem Land dagegen deutlich teurer. Was sind die Gründe dafür?

Von Robert Hübner, hr

Wasser ist existenziell und gilt sogar als Grundrecht. Doch was aus dem Hahn fließt, ist nicht überall gleich teuer. In manchen hessischen Gemeinden zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher fast doppelt so viel wie anderswo – etwa im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Mit durchschnittlich 7,09 Euro pro Kubikmeter sind die Wasserkosten im hessischen Vergleich dort am höchsten.

Damit liegt der Landkreis auch im deutschlandweiten Vergleich am oberen Rand: Die verbrauchsabhängigen Wasserkosten liegen laut der Vergleichsplattform Verivox in Deutschland durchschnittlich bei 3,50 bis 5,00 Euro.

Teure Infrastruktur

Die hohen Preise in Hersfeld-Rotenburg hätten mehrere Gründe, erklärt Landrat Torsten Warnecke: „Wir haben ganz viele kleine Ortschaften im Landkreis. Da muss man Leitungen hinlegen – sowohl um das Wasser dorthin zu transportieren, wie auch das Abwasser zurück zu transportieren.“ Diese Infrastruktur koste viel Geld und verteile sich auf vergleichsweise wenige Menschen – allein das treibe die Preise, so Warnecke.

„Und dann spielt natürlich auch die Topografie eine Rolle, die bei unserem Landkreis mittelgebirgisch ausgeprägt ist“, so Warnecke. Das bedeute, dass das Wasser an vielen Stellen erstmal einen Berg hinauf gepumpt werden muss, „und dann fällt das Wasser auf der anderen Seite wieder runter.“

Wasser sparen lässt Kosten nicht sinken

Einer dieser Kommunen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit den nahezu höchsten Wasserpreisen in Hessen ist Philippsthal. Hier kostete ein Kubikmeter Trinkwasser im vergangenen Jahr 4,90 Euro – wohlgemerkt nur das Trinkwasser, die Abwasserkosten kommen noch hinzu. Einige Bürger sparen deswegen beim Wasserverbrauch. Doch gleichzeitig steigt seit Jahren der Grundpreis – und zwar im gesamten Bundesland.

Tatsächlich zeigt die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre für ganz Hessen, dass Trinkwasser 2025 rund 36 Prozent teurer war als noch 2005. Abwasser ist im gleichen Zeitraum um 12,2 Prozent teurer geworden. Das ist eine durchschnittliche Preissteigerung von einem Prozent pro Jahr.

Preise steigen deutschlandweit

Deutschlandweit ist die Entwicklung noch ausgeprägter: Im gesamten Bundesgebiet sind die Preise für Frischwasser, erhoben im Februar 2026, laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes seit 2020 um 28,7 Prozent gestiegen.

Das liegt oft an deutlich steigenden Grundgebühren, wie etwa in Sachsen-Anhalt. Im Jahr 2025 lagen die Grundgebühren für Trink- und Abwasser zusammen im Durchschnitt um knapp 20 Prozent über den Abgaben im Jahr 2022, wie das Statistische Landesamt mitteilte.

Neue Quellen für geringere Kosten?

Im Rathaus von Philippsthal arbeitet man deshalb an Ideen, wie der Preisanstieg gemildert oder gar gestoppt werden könnte: „Es ist beabsichtigt, zusätzlich Quellen zu erschließen, um dann den Wassereinkauf gegebenenfalls zu minimieren, und so zumindest die Kostensstruktur stabil zu halten,“ so Büroleiter Michael Schneider.

Philippsthal erhebt – wie ein Großteil der hessischen Kommunen – zusätzlich zum eigentlichen Wasserpreis noch eine Grundgebühr. Über die transparente Verwendung dieser Gebühr ist nun ein Streit entstanden. Bürger befürchten, dass die Gelder zweckentfremdet verwendet werden könnten. Michael Schneider betont: „Es wird alles in die laufende Unterhaltung oder gegebenenfalls in Rücklagen investiert.“ Es gebe gesetzliche Regelungen, „wie viel und wie weit und wie lange man Rücklagen aufbauen darf“.

Frankfurt hat deutlich geringere Kosten

Laut Angaben des hessischen Landesamtes für Statistik zahlten Hessinnen und Hessen im vergangenen Jahr durchschnittlich 5,34 Euro pro Kubikmeter für Trink- und Abwasser zusammen. Davon entfielen 2,59 Euro auf Trinkwasser und 2,75 Euro auf Abwasser. Dazu kommen häufig feste Jahrespauschalen, die im Schnitt bei rund 64 Euro für Trinkwasser und acht Euro für Abwasser liegen.

Für Diskussionen sorgen aber deshalb die großen regionalen Unterschiede: Am niedrigsten waren die Wasserkosten in Frankfurt, mit durchschnittlich 3,80 Euro für Wasser und Abwasser zusammen – verglichen mit durchschnittlich 7,09 Euro pro Kubikmeter in Hersfeld-Rotenburg. Landrat Warnecke findet das ungerecht und schlägt für Frankfurt eine Wasserpreiserhöhung vor: „Vielleicht verkaufen wir den Frankfurterinnen und Frankfurtern das Wasser zu günstig. Denn Frankfurt bekommt eine Menge Wasser aus den Regionen, die weit von Frankfurt entfernt liegen.“ Doch die unter anderem die Tatsache, dass sich in Frankfurt hohen Fixkosten auf mehr Haushalten verteilten, sorge dafür, dass die Preise pro Haushalt geringer sind.

Der Landrat weist gleichzeitig auf einen paradoxen Effekt hin, der sich in den kommenden Jahren bemerkbar machen dürfte: „Wenn wir alle Wasser sparen, dann bedeutet es im Umkehrschluss, dass weniger Wasser durch die gleiche Infrastruktur läuft. Also wird die Infrastruktur pro Kubikmeter teurer. Das heißt, es wird damit zu rechnen sein, dass die Wasserpreise steigen.“

Source: tagesschau.de