Wenn Sie ostdeutsch sind und das Debattenbuch der Saison suchen, werden Sie hier fündig. Wenn Sie westdeutsch und wohlhabend sind, sollten Sie wissen, was ein benachbarter Franzose mit den Reichen plant. Unsere Buchtipps des Monats.
Hier erscheint unsere monatliche Empfehlungsliste. Experten einer unabhängigen Jury küren die zehn „Sachbücher des Monats“ aus Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Im März lohnen sich:
1. Katrin Eigendorf:
Erzählen, was ist. Berichten am Limit in einer Zeit des Krieges. S. Fischer, 256 Seiten, 25 Euro.*
Die bekannte Fernsehkorrespondentin gibt Einblicke in ein Metier namens Kriegsjournalismus – von der Ukraine bis nach Afghanistan.
2. Gabriel Zucman:
Reichensteuer. Aber richtig! Übersetzt von Ulrike Bischoff, Suhrkamp, 63 Seiten, 12 Euro.*
Reichtum und seine Umverteilung – ein ewiger Traum der Linken, von der Vermögens- bis zur Erbschaftssteuer. Der Piketty-Schüler Gabriel Zucman machte viel radikalere Vorschläge. Was die Superreichen erwartet, wenn Frankreich die „Zucman-Steuer“ einführt? Lesen Sie hier mehr zu Zucmans Buch.
3. Jana Hensel:
Die ostdeutsche Publizistin und Bestsellerautorin („Zonenkinder“) war nach der jüngsten Bundestagswahl 2025 schockiert, wie ihre Heimat Ostdeutschland gewählt hat. In ihrem neuen Buch trifft sie Menschen, die ihr erklären sollen, warum der Osten, das einstige Stammland der Linkspartei, so sehr nach rechts gedriftet ist. Lesen Sie hier mehr über das neue Buch von Jana Hensel.
4. Volker Perthes:
Die Multipolarisierung der Welt. Ein geopolitischer Wegweiser. Suhrkamp, 351 Seiten, 26 Euro.*
Wie geht’s mit unserer Weltordnung weiter, in der die UNO als weltumspannende Organisation zunehmend ohnmächtig scheint? Ja, sogar private Konkurrenz bekommt, siehe Trumps „Friedensrat“. Der Politikwissenschaftler Perthes klärt auf.
5. Christoph Bartmann:
Attacke von rechts. Der neue Kampf um die Kultur. Hanser, 351 Seiten, 26 Euro.*
Wir leben im Zeitalter der Kulturkämpfe. Ohne sich allzu dumpf zu positionieren, fragt der ehemalige Kulturmanager, der im Bereich der Goethe-Institute tätig war, welche Felder der Kultur – nach der klassischen Einteilung von Karl Heinz Bohrer – eigentlich Gegenstand von Kulturkämpfen werden. Eine Lektüre für alle, die nicht nur Meinungen konsumieren, sondern auch Strukturen verstehen wollen.
6. Volker Reinhardt:
Rousseau. Auf der Suche nach der verlorenen Natur. C. H. Beck, 463 Seiten, 34 Euro.*
Voltaire, Montaigne, Machiavelli – und jetzt Rousseau. Seit Jahren liefert der Historiker, der an schweizerischen Universität Fribourg lehrt, solide Biografien. Sie sind immer bestens lesbar und niemals überkandidelt.
7. Michael Wolffsohn:
War der weltberühmte Dirigent ein Gesinnungstäter oder nur ein „Formalnazi“? Der Historiker Michael Wolffsohn bürgt für scharfe Analysen und ein ideologiefreies Urteil. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Karajan-Buch.
8. Uwe Neumahr:
Neumahr macht Kulturgeschichte in Episoden lebendig, ähnlich wie Florian Illies und Uwe Wittstock. Nach dem Bestseller „Das Schloss der Schriftsteller. Nürnberg 1940“ erzählt Neumahrs neues Buch von Exilanten und Expats im deutsch besetzten Paris. Lesen Sie hier einen Buchauszug.
9. Gisèle Pelicot:
Vom eigenen Mann betäubt, vergewaltigt – und fremden Männern übers Internet zur Vergewaltigung angeboten: Durch den Gerichtsprozess um das an ihr verübte Verbrechen wurde die Französin Pelicot weltbekannt. In ihrem Buch erzählt sie, wie es trotzdem schaffte, daran nicht zu zerbrechen – und wie sie sogar eine neue Liebe fand. Lesen Sie hier, was Gisèle Pelicot im Interview sagt.
10. Eli Sharabi:
491 Tage. In den Tunneln der Hamas. Übersetzt von Ursula Kömen. Suhrkamp, 199 Seiten, 24 Euro.*
Der Israeli Eli Sharabi war 491 Tage lang Geisel der Hamas. Von der größten Tragödie erfuhr er erst nach der Freilassung. Jetzt hat er einen bedrückenden Bericht über seine Erfahrung des Terrors geschrieben – und darüber, wie er die Hoffnung bewahrte. Lesen Sie hier mehr zum Buch von Eli Sharabi.
Die Extra-Empfehlung:
Neben den zehn Tipps der Jury gibt es jeden Monat eine externe Empfehlung. Diesmal von Markus Krajewski (Uni Basel, Department Arts, Media, Philosophy). Er empfiehlt:
„Man kann ein kompliziertes Jahrhundert wie das 20. anhand seiner Eckdaten, kulturellen Ereignisse oder seiner Haupt- und Staatsaktionen beschreiben. Man kann die Geschichte Europas ebenso anhand eines unaufdringlichen Zugvogels erzählen: der Gans. Entlegene Verbindungen, etwa zwischen literarischen Quellen (z.B. Selma Lagerlöf oder Curzio Malaparte) und Flug- und Verhaltensstudien (Otto Lilienthal oder Konrad Lorenz) bestellen ein Feld, das – gleich den Vogelschwärmen selbst – reichlich Nahrung bietet. Getragen von elegischem Schwung entwirft Thomas Steinfeld das Tableau eines unbeirrten Tiers, das in seiner Nähe zu uns Auftrieb gibt.“ (Markus Krajewski)
Die Jury der Sachbücher des Monats
Tobias Becker, Der Spiegel; Natascha Freundel, radio 3 vom rbb; Dr. Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Unversität Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien; Petra Kammann, Feuilleton-Frankfurt; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Dr. Wilhelm Krull, Hamburg; Marianna Lieder, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, Redaktion Das Wissen, SWR; Gerlinde Pölsler, Der Falter, Wien; Marc Reichwein, DIE WELT; Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung; Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Wolfgang Ritschl, ORF Wien; Florian Rötzer, krass-und-konkret, München; Norbert Seitz, Berlin; Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien; Prof. Dr. Philipp Theisohn, Universität Zürich; Dr. Andreas Wang, Berlin; Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Zürich. – Die Redaktion der Jury-Voten liegt bei Andreas Wang.
Source: welt.de