Warum Donald Trumps Sorgen um die Windkraft rührend sind

Die Windkraft, so der US-Präsident, zerstöre die Schönheit des europäischen Kontinents. Diese Sorge um unsere ästhetische Versehrung ist doch fast rührend, findet unsere Autorin


Donald Trump bei seinem Golf-Ausflug nach Schottland, Juli 2025

Foto: Brendan Smialowski/Getty Images


Schönheit also, darum geht es. Donald Trump, ein 79-jähriger Mann, der Baseballcaps trägt wie ein Sechsjähriger, sorgt sich um die ästhetische Verschandelung Europas. „Wind ist die teuerste Form von Energie, er ruiniert die Schönheit eurer Felder und eurer Täler und eurer Wasserwege“, sagte der Präsident der USA neulich in Schottland. Er ist traurig. Europa soll nicht in Hässlichkeit versinken, oder der Präsident der USA weint Krokodilstränen.

Diese Sorge um unsere ästhetische Versehrung ist doch fast rührend, erfrischend zugetan, sinnlich. Donald Trump offenbart damit einen bislang verborgen gehaltenen philosophischen Geist, ist doch die Schönheit ein normatives Konzept, an dem sich schon viele große Denker abgearbeitet haben. „Das Schöne ist das, was ohne Begriffe, als Objekt eines allgemeinen Wohlgefallens vorgestellt wird“, schrieb dereinst Immanuel Kant; Hegel sieht das Schöne als „das sinnliche Scheinen der Idee“ und Keats fand: „Schönheit ist Wahrheit und Wahrheit ist Schönheit.“

Gerne würde man nun mit Donald Trump darüber sinnieren, nicht über Wahrheit – wer ein soziales Netzwerk namens „Truth Social“ gründet, der hat sich gewissermaßen das Wahrheitsgebot auf die Stirn tätowiert –, sondern über Schönheit, und zwar nicht die von Frauen mit hohen Wangenknochen und großen Brüsten, sondern der Landschaft, einem zutiefst romantischen Sujet. „Belgien ist eine schöne Stadt“, sagte Trump einst. Was ihn nun traurig macht, sind die Windkraftanlagen.

Donald Trump findet Kohle, Öl und Waffen schön

Ein Schelm, wer darin seine noch immer nicht verdaute persönliche Fehde mit einigen Windturbinen vermutet, die von seinem schottischen Luxusgolfresort Turnberry zu sehen sind, in dem er jüngst wieder residierte. Nein, ihm geht es um das Antlitz des ganzen europäischen Kontinents, das von Windrädern zerfressen ist wie von Pockennarben. Und damit nicht genug, die Windräder töteten auch noch die Vögel und machten die Wale verrückt.

Wie schön hingegen die sanft geschwungenen Kühltürme der Kohlekraftwerke, diese Kathedralen des 21. Jahrhunderts. Oder die Tagebaue, die sich sanft in das frische Erdreich graben, darin die lieblichen Bagger. Ganz zu schweigen von der Romantik der Ölfelder, in denen hie und da traulich ein Flämmlein züngelt, darüber der Mond und die Sterne.

Dass Europa den USA nun weit mehr fossile Brennstoffe abkaufen soll als bislang, ist also nur eine folgerichtige Entscheidung für die Schönheit und das Leben. Kohle sei nämlich nicht nur „sauber“, sondern auch „schön“, findet Trump. Militärische Ausrüstung sowieso, vor allem die aus den USA.

Forst und Wüste

Svenja Beller ist freie Journalistin und Buchautorin. Für den Freitag schreibt sie die Kolumne „Forst und Wüste“ über Klimapolitik, Umweltschutz und was sonst noch alles schief geht. Seit einem Jahr berichtet sie im Team „Blue New Deal“ darüber, wie der Ozean noch zu retten ist

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