Der Sichtkontakt zum Buckelwal in der Ostsee ist in der Nacht abgerissen. Die Behörden suchen nun nach dem Tier. „Der Wal kämpft – aber er ist angeschlagen“, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister.
Der vor der Ostseeküste bei Wismar liegende Buckelwal ist am Montagabend nach mehreren Rettungsbemühungen losgeschwommen. „Er hat genug Kraft getankt, um auf die Motivation durch unser Boot zu reagieren und loszuschwimmen“, erklärte der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), am Montagabend. Der Meeressäuger bewegte sich Backhaus zufolge allerdings zuerst auf den Hafen von Wismar zu und somit in die falsche Richtung.
Auf Anfrage der „Bild“ teilte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei mit, dass es in der Nacht auf Dienstag keine Sichtung des Wals durch die Behörden gegeben habe. Damit ist unklar, wo sich das Tier derzeit befindet.
Das letzte Mal sei er vor 23 Uhr an der Seebrücke in Wendorf gesehen worden. Mit Tagesanbruch lief das Boot „Hoben“ der Wasserschutzpolizei aus, um nach dem Tier zu suchen.
Zuvor hatten das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern, Experten des Deutschen Meeresmuseums und Vertreter der Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd mitgeteilt, dass sich der Zustand des Wals verbessert habe. „Die Ruhe, die wir dem Tier haben angedeihen lassen, hat offensichtlich gewirkt“, erklärten sie.
„Der Wal kämpft – aber er ist angeschlagen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montagabend. Jetzt müsse er sich selber helfen.
Greenpeace-Aktivistin Sandra Schöttner erklärte, ihre Kollegen seien „mit der Wasserschutzpolizei unterwegs, den Wal auf die richtige Route zu lenken“. Der Weg des Meeressäugers sei „sehr weit“, ein „guter erster Schritt“ sei nun aber gemeistert. Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums, erklärte, es würde nun versucht, den Wal „vom Hafen abzuhalten“. Am Dienstag werde nun geschaut, „wo sich der Wal aufhält“.
Der Wal irrt nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee, am Montag vergangener Woche strandete er zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Dort konnte er sich nach mehreren Tagen und einer aufwendigen Rettungsaktion mit Baggern befreien, strandete aber Samstag erneut in der Wismarer Bucht. Inzwischen wird sein Schicksal bundesweit verfolgt.
Größere Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, da die Bedingungen dort für sie nicht geeignet sind. Der von der „Bild“-Zeitung „Timmy“ getaufte Buckelwal leidet Experten zufolge unter anderem unter massiven Hautproblemen infolge des niedrigen Salzgehalts der Ostsee. Zudem hat er nach wie vor Netzreste im Maul, die bisher nur teils entfernt werden konnten.
Wie er in die Ostsee gelangte und warum er bislang nicht selbstständig den Weg hinausfand, ist nicht wirklich geklärt. Ziel aller Bemühungen ist es, dass der Meeressäuger den Weg zurück durch die Meerengen am Ausgang des Binnenmeeres zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden findet. Von dort könnte er in die Nordsee und den Atlantik schwimmen.
AFP/nw
Source: welt.de