„Wahre Hiobsbotschaft“ Melnyk: Konkurrieren bei Waffenkäufen plötzlich mit reichen Golfstaaten
21.03.2026, 11:52 Uhr
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Der Kreml freut sich über den Kriegsausbruch im Nahen Osten, ist sich Andrij Melnyk sicher. Dafür gebe es mehrere Gründe, sagt Kiews ehemaliger Botschafter in Deutschland. Auch zu früheren Äußerungen, die als undiplomatisch kritisiert wurden, nimmt er Stellung.
Laut dem UN-Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, ist Russland der größte Profiteur des Krieges im Iran. „Für uns ist das eine wahre Hiobsbotschaft“, sagte der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland t-online. Russland kämen die gelockerten Sanktionen der USA sowie die gestiegenen Preise für Öl und Gas auf dem Weltmarkt entgegen. Gleichzeitig wird laut Melnyk die ukrainische Beschaffung von Waffen erschwert: „Die Welt wird nicht nur chaotischer, sondern wir stehen plötzlich in Konkurrenz um knappe Rüstungsgüter, auch mit sehr vermögenden Staaten aus der Golfregion.“
Der Botschafter geht davon aus, dass Russland sich insgeheim über den dortigen Krieg freue, obwohl man eigentlich eine Partnerschaft mit dem Iran unterhalte. „Wäre ich Putin, würde ich alles tun, um diesen neuen Flächenbrand im Nahen Osten möglichst lange am Köcheln zu halten.“ Russland nehme zwar massiv Einfluss auf den dortigen Krieg, allerdings habe man zuletzt in Syrien und Venezuela gesehen, dass die Bündnisse mit Russland „lediglich auf dem Papier existieren.“
Angesprochen auf seine Differenzen mit deutschen Spitzenpolitikern sagte Melnyk, dass er keinen Grund sieht, warum er sich bei SPD-Politiker Rolf Mützenich entschuldigen sollte. „Ehrlich gesagt möchte ich mich nicht bei Herrn Mützenich entschuldigen“, sagte er t-online. Melnyk hatte 2024 den damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag als „widerlichsten deutschen Politiker“ bezeichnet, nachdem sich Mützenich für ein „Einfrieren“ des Kriegs in der Ukraine eingesetzt hatte.
Scholz als „beleidigte Leberwurst“ bezeichnet
Melnyk sagte dazu, dass es ihm nicht darum ging, Mützenich persönlich zu beleidigen oder dass sich der SPD-Politiker für Friedensverhandlungen einsetzt. Mützenich habe eine stärkere militärische Unterstützung der Ukraine verhindert: „Wäre es nach ihm gegangen, wäre die Ukraine von Deutschland wohl nie militärisch unterstützt worden.“
Beim damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz habe er sich um ein Abschiedsgespräch bemüht, nachdem er 2022 von Deutschland zurück in die Ukraine ging. Allerdings ist es laut Melnyk dazu nicht gekommen, „weil er vielleicht wirklich beleidigt war“. Melnyk hatte den damaligen Kanzler zuvor eine „beleidigte Leberwurst“ genannt. „Ich bin sehr gespannt auf seine Memoiren, die er 2027 veröffentlichen will und ob er die Fehler der Russlandpolitik einräumen wird“, sagte Melnyk mit Blick auf Scholz.
Source: n-tv.de