Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg kommen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir der jüngsten Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge auf 31,6 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel erreicht demnach 30,2 Prozent. Infratest dimap sieht die Grünen in ihrer jüngsten Hochrechnung bei 31,8 Prozent und die CDU bei 29,6 Prozent.
Auf der Wahlparty der Grünen brach nach der Veröffentlichung der ersten Prognose Jubel aus. „Es ist ein guter Tag für Baden-Württemberg und ein guter Tag für die Grünen“, sagte der Ko-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, im ZDF. Ricarda Lang, die frühere Vorsitzende der Grünen, sagte der ARD, man wolle der CDU wieder eine Zusammenarbeit anbieten.
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir wurde auf der Wahlparty mit frenetischem Jubel begrüßt. Er warnte jedoch davor, schon den Sieg zu erklären. „Ja, ich habe die Zahlen auch gesehen“, sagte Özdemir. „Aber es ist noch zu früh, um final was zu sagen.“ Er dankte den Wahlkämpfern und Parteifreunden, und schlug in Richtung CDU versöhnliche Töne an. „Der Wahlkampf ist zu Ende. Jetzt gilt es, dass wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Özdemir.
Der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wollte sich noch nicht geschlagen geben. Er sagte nach der ersten Prognose: „Ich will das nicht schönreden, aber die CDU Baden-Württemberg hat am Ende massiv zugelegt.“ Auch Kanzleramtschef und stellvertretender Landesvorsitzender Thorsten Frei (CDU) äußerte, dass es den Grünen gelungen sei, einen großen Rückstand aufzuholen. Die CDU habe stark zugelegt im Vergleich zur letzten Wahl. „Wir hoffen noch immer, dass das Rennen zu unseren Gunsten ausgeht“, sagt Frei.
Nachdem sich der Vorsprung der Grünen den Hochrechnungen zufolge verfestigte, äußerte Hagel: „Wir nehmen das Ergebnis zur Kenntnis, in aller Demut.“ Ziel sei gewesen, eine CDU-geführte Landesregierung zu bilden. Wenn dies nicht erreicht werde, übernehme er die volle Verantwortung.
SPD setzt Abwärtstrend fort
Die AfD kommt den Hochrechnungen zufolge auf Platz drei mit um die 18 Prozent. Im Vergleich zu 2021 kann sie deutlich zulegen; damals wählten sie 9,7 Prozent. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sprach von einem „Riesenerfolg“. „Wir sind der Gewinner des Abends“, sagte er im ZDF. „Wir haben hier ein wunderbares Wahlergebnis geschafft“, sagte Chrupalla. „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei.“
Den Hochrechnungen zufolge gelingt der SPD knapp der Einzug in den Landtag, während FDP und Linkspartei an der Fünfprozenthürde scheitern. Damit setzen die Sozialdemokraten ihren Abwärtstrend in Baden-Württemberg fort: 2021 hatte sie 11 Prozent erreicht, in der Landtagswahl davor waren es noch knapp 13 Prozent. Ihr jetziges Ergebnis ist das schlechteste für die Partei in der Landesgeschichte.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnet das Wahlergebnis für die Partei als „bitter“. Man sei im Zweikampf zwischen Özdemir und Hagel in den letzten Wochen vor der Wahl unter die Räder gekommen. Man hoffe nun auf Alexander Schweitzer in Rheinland-Pfalz. Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch hat nach der ersten Prognose seinen Rückzug angekündigt, berichtet das ZDF.
Die FDP halbiert ihr Ergebnis von 2021; da hatte sie 10,5 Prozent der Stimmen geholt und war bisher mit 18 Sitzen im Landtag vertreten. Den Hochrechnungen zufolge wird es der Linkspartei nicht gelingen, zum ersten Mal in das baden-württembergische Landesparlament zu ziehen.
Die Wahlbeteiligung wird auf 71,5 Prozent geschätzt. 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 63,8 Prozent.
Die Prognosen und Hochrechnungen können sich um mehrere Prozentpunkte von den Ergebnissen unterscheiden. Bis alle Wahlkreise ausgezählt sind, dauert es noch bis in die Nacht.
Source: faz.net