Während des Gebetsrufs geklatscht – Proteste an iranischen Universitäten flammen wieder gen

Anfang Januar wurden Proteste gegen die iranische Theokratie von der Regierung brutal niedergeschlagen. Nun kommt es an Universitäten erneut zu Protesten.

Im Iran ist es zu weiteren Protesten gegen die Regierung gekommen. Wie Augenzeugen und in den sozialen Medien verbreitete Videos nahelegen, begannen die Proteste am Wochenende. Am Montag brachen Demonstrationen an mindestens drei Universitäten aus, wobei es in einem Fall zu Zusammenstößen mit Mitgliedern der paramilitärischen Basidsch kam. Viele Studierende zeigten bei den Protesten ihre Unterstützung für Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, der im Exil lebt und inzwischen zu einer wichtigen Oppositionsfigur geworden ist.

An der Scharif-Universität versammelten sich Kommilitonen mittags vor einer Cafeteria, wie ein Student der Nachrichtenagentur AP berichtete. Sie hätten Masken getragen und während des muslimischen Gebetsrufs lautstark geklatscht und Sprechchöre angestimmt. Ein Student habe eine Fahne mit dem Löwen-und-Sonne-Symbol der Monarchie des Schahs hochgehalten.

An der Universität Teheran brach während einer Gedenkveranstaltung für einen bei früheren Demonstrationen getöteten Studenten ein Protest aus, wie ein weiterer Student berichtete. Die Studierenden hätten den Sturz des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei gefordert und „Frauen, Leben, Freiheit“ gerufen – der Slogan einer früheren Protestwelle im Jahr 2022. Der Student sagte, dass die Universitätswachen nicht eingriffen hätten.

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Videos, die von der AP verifiziert wurden, zeigten weitere Proteste an der Al-Sahra-Universität, bei denen weibliche Studierende zusammenkamen und ebenfalls Pro-Pahlavi-Sprechchöre anstimmten.

Es ist schwierig, die Unterstützung für Pahlavi im Iran abzuschätzen, aber einige der größten Proteste seit Jahren brachen Anfang Januar aus, nachdem er die Menschen aufgerufen hatte, auf die Straßen zu gehen.

Die Proteste begannen am 28. Dezember zunächst als Reaktion auf den Verfall der Landeswährung Rial, breiteten sich rasch auf das Land aus und richteten sich zunehmend gegen die iranische Theokratie. Im Januar reagierte der Iran mit harten Repressionen. Tausende Menschen wurden getötet, Zehntausende festgenommen. Nach Angaben der in den USA ansässigen Aktivistengruppe Human Rights Activists News Agency (HRANA) wurden mindestens 7.015 Menschen getötet, darunter 214 Sicherheitskräfte. Die iranische Regierung hat bisher von 3.117 Toten gesprochen. Sie hat bei früheren Unruhen häufig zu geringe Opferzahlen genannt.

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AP/jac

Source: welt.de

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