Wadephul setzt in Polen Zeichen welcher Verbundenheit

Stand: 30.03.2026 • 21:43 Uhr

Außenminister Wadephul hat seinen polnischen Amtskollegen Sikorski getroffen. Im polnischen Ort Kreisau ging es neben dem Ukraine-Engagement auch darum, ein „Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit“ zu setzen.

Ein polnischer und ein deutscher Außenminister, die eine Jugendbegegnungsstätte besuchen – an einem Ort mit historischer Wucht: In Kreisau, auf polnisch Krzyzowa, hatten sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki im November 1989, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, getroffen – zu einer Versöhnungsmesse. Ihre spontane Umarmung dort ist in die Geschichtsbücher eingegangen.

An diese Geste der Freundschaft knüpften die beiden Außenminister Johann Wadephul und Radoslaw Sikorski nun an. Der polnische Außenminister erklärte bei dem Treffen: „Die Messe in Kreisau war nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein starkes Symbol des neuen, sich vereinigenden Europas. Sie stand für europäische Werte wie Frieden, Versöhnung, Freiheit und Solidarität.“ Sie zeige, sagt Sikorski, „dass Nationen sogar nach schwierigsten historischen Erfahrungen eine gemeinsame Zukunft aufbauen können, die auf gegenseitige Wertschätzung gestützt ist“.

Deutsch-polnisches Verhältnis unter Druck

Das Treffen der beiden Außenminister findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem das deutsch-polnische Verhältnis wieder unter Druck steht. Unter anderem durch rechtsextreme und nationalkonservative Parteien in Polen, die Stimmung gegen die EU und Deutschland machen, um innenpolitisch auf Wählerstimmenfang zu gehen.

Malgorzata Bonikowska zumindest sieht es so. Sie ist Leiterin des Zentrums für Internationale Beziehungen in Warschau und sagt auch: „Ich habe den Eindruck, dass das, was wir von deutschen Politikern über Polen hören, uns gegenüber korrekt ist. Dass die Deutschen anerkennen, dass Polen heute eine wichtigere Rolle hat als früher.“ Gleichzeitig herrsche in Polen weiterhin die Überzeugung vor, dass es in Deutschland eine paternalistische Haltung gegenüber Polen gäbe, sagt Bonikowska.

Wadephul für Einigkeit und Kompromisse

In Kreisau wollte Deutschlands Außenminister Johann Wadephul solchen Eindrücken entgegenwirken. Das Treffen mit deutschen und polnischen Jugendlichen in der internationalen Begegnungsstätte sei für ihn Ansporn, weiter an der deutsch-polnischen Freundschaft und Verbundenheit zu arbeiten.

Er erklärte aber auch, dass das Zusammenwachsen in Europa nie abgeschlossen sein werde. Die Anstrengungen blieben, zum Beispiel bei Kompromissfindungen in Brüssel. „Diese unermüdlichen Anstrengungen, diese teils harten Kämpfe um Gemeinsamkeiten sind unverzichtbar, wenn wir unser Europa erhalten wollen. United we stand, divided we fall. So einfach ist es.“

Auch sein Amtskollege Radoslaw Sikorski betonte, dass europäische Werte wie Frieden, Versöhnung, Freiheit und Solidarität sich nicht von selbst verteidigen ließen: „Das ist etwas, um das wir uns jeden Tag bemühen müssen.“ Er spielte auf die sicherheitspolitische Lage in Europa an: Russland sei zu den „schlimmsten zaristischen und kommunistischen Mustern der Geschichte zurückgekehrt“ und schüre in seinem Volk den Drang nach Vorherrschaft und Aggression gegenüber den Nachbarn, sagte Sikorski.

Unterstützung für die Ukraine

Die größte Herausforderung für den Frieden in Europa bleibe der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, erklärte auch Wadephul. Und sprach damit wohl vielen Polinnen und Polen aus dem Herzen. Polen teilt eine lange Grenze mit der Ukraine, ist NATO-Frontstaat.

Einer aktuellen Umfrage zufolge haben knapp 70 Prozent der Polen die Sorge, dass Russland auch Polen oder einen anderen NATO-Staat angreifen könnte. Um sich dagegen abzusichern, wünschen sich viele Polen auch mehr direkte Unterstützung von Deutschland.

Eine Haltung, die die Expertin für internationale Beziehungen, Malgorzata Bonikowska, teilt: „Wir als Zentrum für Internationale Beziehungen sind zutiefst davon überzeugt, dass es für Deutschland sinnvoll wäre, einen Teil der Mittel für die Sicherung Deutschlands an die Ostgrenze der Europäischen Union zu verlagern – also auch an die Ostgrenze Polens. Denn das wäre gewissermaßen eine noch frühere Form der Absicherung.“

Ein solches konkretes Bekenntnis, gab es vom deutschen Außenminister in Kreisau nicht. Aber ein Statement für die weitere entschiedene Unterstützung der Ukraine, die weiterhin täglich von Russland angegriffen werde: „Unsere gemeinsame Antwort darauf ist klar: Wir weichen keinen Schritt zurück.“ Das sei nicht nur eine sicherheitspolitische Konsequenz, sondern die zwingende Konsequenz auch aus der Geschichte.

Source: tagesschau.de