Nach einer durchwachsenen Vorwoche haben sich viele Aktienmärkte zu Beginn der neuen Handelswoche mit Verlusten gezeigt. Der Dax fiel am Montag zeitweise um 0,7 Prozent auf 23.705 Punkte. Der Euro Stoxx 50 für den Euroraum verzeichnete im Handelsverlauf ein Minus von 0,9 Prozent auf 5644 Punkte.
Für Rohöl der Sorte Brent ging es dagegen um 0,4 Prozent aufwärts auf 64,60 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Seit Jahresbeginn beträgt das Minus hier 13 Prozent. Gold zeigte sich mit einem Rückgang um 0,4 Prozent auf 4067 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm). Der Preis des gelben Edelmetalls ist in diesem Jahr bislang um gut 55 Prozent gestiegen.
Das Ende des Teilstillstands der Regierungsgeschäfte („Shutdown“) in den Vereinigten Staaten hatte in der vergangenen Woche zunächst für zum Teil deutlichen Auftrieb an den Aktienmärkten gesorgt. Der Dow-Jones-Index oder der Euro Stoxx 50 erreichten Rekorde. Der Dax stieg auf bis zu 24.441 Punkte und erreichte ein Wochenplus von zeitweilig 3,7 Prozent, bevor der deutsche Auswahlindex wieder unter die Schwelle von 24.000 Punkten fiel. Es mehrten sich unter anderem Sorgen über hohe Bewertungen vor allem in der Technologiebranche. Zudem wuchs die Unsicherheit, dass es im Dezember keine weitere Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed mehr geben könnte.
„Die Stimmung ist schlechter als die Lage“
Die Vorwoche beschloss der Dax trotz Verlusten am Freitag mit einem Plus von 1,3 Prozent. Der Rekord aus dem Oktober von 24.771 Punkten ist wieder etwas entfernt. Die Kursverluste hätten den Dax unter wichtige charttechnische Indikatoren gedrückt, hieß es am Markt. Fraglich scheine nun, ob der November seinem Ruf als traditionell guter Börsenmonat überhaupt noch gerecht werden könne. Der Beginn der erhofften Jahresendrally habe sich jedenfalls erst einmal verzögert.
Doch es gibt auch andere Ansichten: „Die Stimmung ist schlechter als die Lage“, sagte Robert Halver von der Baader Bank der Nachrichtenagentur dpa zu den deutschen und europäischen Aktienmärkten. Hiesige Dividendentitel verfügten zwar nicht über die „Glamour“-Faktoren der amerikanischen Techunternehmen, hätten aber dennoch gute Kurschancen. So profitierten exportorientierte Titel neben ihren Fundamentalqualitäten von der weltwirtschaftlichen Stabilisierung und entgingen den „Niederungen der europäischen Politik“. Zudem seien auch die USA „keine Insel der ungetrübten Freude“, sagte Halver mit Blick auf den längsten „Shutdown“ in den USA in der Geschichte.
Weil die Vereinigten Staaten während des „Shutdowns“ manche regelmäßige Konjunkturdaten nicht veröffentlicht hatten, dürften nun anstehende Daten besondere Beachtung finden und für Impulse sorgen, wie etwa am Donnerstag der Arbeitsmarktbericht für September. Die Zahlenflut der Berichtssaison der Unternehmen ebbt dagegen ab.
Eigene vier Wände besonders beliebt
Trotz des zunächst verlorenen Schwungs hat der Dax seit Jahresbeginn noch immer rund 19 Prozent an Wert gewonnen. Da passt es gut, dass das Vertrauen der Deutschen in Aktien gestiegen ist. Das jedenfalls zeigt eine repräsentative Umfrage unter 3739 Berufstätigen in Deutschland von Yougov im Auftrag der HDI-Versicherung, deren Ergebnisse der F.A.Z. vorab vorliegen.
Auf die Frage, in welche Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen, sie das größte Vertrauen hätten, antworteten 44 Prozent der Befragten mit den eigenen vier Wänden. An zweiter Stelle folgten „Aktien, Fonds und Anleihen (in der Regel börsennotiert)“ mit einem Anteil der Berufstätigen von im Durchschnitt 28 Prozent. Im Vergleich zu 2020 (19 Prozent) sei der Anteil um fast die Hälfte gestiegen und erreiche das höchste Niveau seit Beginn der Erhebung 2020, heißt es. In der Frage waren je drei Nennungen möglich.
„Dass sich mit Aktien langfristig bessere Renditen erzielen lassen als mit Zinsanlagen“, glaubt gemäß der Umfrage inzwischen eine Mehrheit von 57 Prozent. Vor zwei Jahren sagten dies nur 48 Prozent. Die Furcht vor Risiken (35 Prozent) und Komplexität (39 Prozent) blieb eher konstant. Hier öffne sich eine Schere, heißt es.
Der Trend zu aktienbasierten Konzepten habe sich verstärkt, kommentierte Holm Diez, Mitglied im Vorstand von HDI Deutschland, die Studie. Dies sei eine positive Entwicklung, weil vor allem der ausgewogene Mix aus klassischen und fondsbasierten Vorsorgelösungen maßgeblich zur finanziellen Absicherung im Alter beitrage. Das Vertrauen von berufstätigen Frauen in Aktien und Fonds sei seit dem Jahr 2020 stärker gestiegen als das der Männer. Trotzdem setzten nach wie vor deutlich mehr Männer als Frauen in der Altersvorsorge auf Aktien und Fonds (34 gegenüber 20 Prozent).
Männer zählten vor allem die Vorteile der Börseninvestments auf, Frauen noch immer eher die Nachteile, erklärte Diez. Ein überraschendes Ergebnis sei, dass vier Prozent der Befragten Kryptowährungen als geeignete Option für die Altersvorsorge ansähen. Das sind nach den Angaben vor allem jüngere Anleger. Unter den Befragten, die jünger als 25 Jahre waren, fanden sieben Prozent Kryptowährungen für die Vorsorge geeignet.
Das größte Vertrauen der Befragten für die Altersvorsorge liegt nach der eigenen Immobilie (44 Prozent) und den Wertpapieren (28 Prozent) in privaten Lebens-und Rentenversicherungen (21 Prozent), gefolgt von Spareinlagen (20 Prozent), Betriebsrenten und vermieteten Immobilien (je 19 Prozent) sowie Bargeld und der gesetzlichen Rente (je 17 Prozent). 16 Prozent vertrauen vor allem auf Wertgegenstände (etwa Gold, Schmuck, Kunst und Antiquitäten.) Die Marktentwicklung zeigt: Nicht nur mit Aktien, auch mit Gold liegen die Befragten in diesem Jahr nicht schlecht.
Source: faz.net