US-Präsident Trump verbietet – aus Gründen der nationalen Sicherheit – die Einfuhr ausländischer Kampfdrohnen. Doch Trumps Söhne investieren jetzt in deren Produktion.
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Familienmitglieder von US-Präsident Donald Trump haben neben Krypto- und anderen Investitionen eine weitere potenzielle Profitquelle aufgetan: Rüstungsaufträge des Pentagon. Bislang ist für das aktuelle Haushaltsjahr ein Verteidigungsbudget von 1 Billion Dollar vorgesehen, Trump fordert vom Kongress 1,5 Billionen. Die Begründung dafür sind unter anderem Großprojekte wie der geplante Raketenabwehrschirm „Golden Dome“, aber auch die Modernisierung der Streitkräfte, unter anderem wegen Drohnen, die bei Konflikten immer wichtiger werden – siehe Ukraine oder Iran.
Trumps Söhne Donald Junior und Eric möchten am Aufbau einer nationalen Drohnenproduktion mitverdienen. Junior ist unter anderem über einen Investitionsfonds namens „1789 Capital“ besonders aktiv. Nachdem sein Vater 2024 die Wahl gewonnen hatte, wurde Donald Junior Teil der Firmenleitung; der Fonds ging auf Einkaufstour und investierte in 25 Unternehmen. Die meisten davon sind auf öffentliche Aufträge aus oder haben sie bereits erhalten, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Ein Teil des Drohnenherstellers Powerus etwa, der seit einem Jahr existiert, gehört den beiden Brüdern.
Die Firma hat in den vergangenen Monaten laut US-Medienberichten drei andere Drohnenhersteller aufgekauft und ein monatliches Produktionsziel von 10.000 Stück ausgegeben. Powerus ist in West Palm Beach angesiedelt, wo sich auch Trumps Wohnsitz Mar-a-Lago befindet, und möchte einen Teil des vom Pentagon schon bereitgestellten Geldes erhalten, um zur nationalen Produktionsbasis für Kampfdrohnen zu werden. Der Name des Pentagon-Programms, über das die Aufträge vergeben werden: „Drohnendominanz“.
Mit Golfplätzen an die Börse
Powerus möchte ukrainische Drohnentechnik nachbauen. Die Regierung, die vom Vater der Miteigentümer geführt wird, hat den Import und Verkauf ausländischer Drohnen im Dezember verboten – offiziell aus Gründen nationaler Sicherheit. Öffentliche Aufträge für Kampfdrohnen sollen stattdessen an einheimische Produzenten vergeben werden. Um an die Börse zu kommen, hat Powerus eine Fusion mit Aureus Greenway Holdings angekündigt. Der Golfplatzbetreiber aus Florida ist bereits an der Börse notiert.
„Das ist Korruption“, wird Kathleen Clark von AP zitiert, eine Expertin für Regierungsethik an der Washington University School of Law in St. Louis. „Entscheidungsträger in der Regierung werden sich unter Druck gesetzt fühlen, die Vergabe von Aufträgen dazu zu nutzen, die Familie des Präsidenten zu bereichern.“
Trump allein hat seit Januar 2025 sein Vermögen in zuvor unerreichte Höhen geschraubt. In seinem ersten Jahr der zweiten Amtszeit ist der Präsident laut einer Analyse des Magazins „The New Yorker“ nach konservativen Berechnungen um mindestens 4 Milliarden Dollar reicher geworden; von in seinen Hotels einquartierten Regierungsmitarbeitern bis zu erfundenen Krypto-Coins und manchem mehr.
Als er darauf Anfang des Jahres angesprochen wurde, sagte Trump, er habe sich in seiner ersten Amtszeit zurückgehalten und seiner Familie untersagt, Geschäfte zu machen, aber sei nur kritisiert worden. „Mir wurde absolut keine Anerkennung gezollt“, beklagte er sich gegenüber der „New York Times“. Er hat demnach seine Schlüsse gezogen: „Ich habe festgestellt, dass es niemanden interessiert.“ Er dürfe das.
Trumps Schwiegersohn hat Pläne für Gaza
Entsprechend öffentlich gehen er und seine Familie vor; manches Mitglied präsentiert sich zugleich mit weißer Weste. Beim ersten Treffen des Trump’schen „Board of Peace“ etwa, des internationalen Friedensrates außerhalb der Vereinten Nationen, über den der US-Präsident allein bestimmt, sprach auch Jared Kushner. Trumps Schwiegersohn lobte „das ganze Team“ hinter dem von ihm federführend entworfenen Wiederaufbauplan für den vom Krieg zerstörten Gazastreifen: „Die meisten sind Freiwillige, sie profitieren persönlich nicht davon, sie tun es (…) weil sie Frieden wollen.“
Sich selbst kann Kushner damit nicht gemeint haben – derzeit versucht der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka, in der Region mindestens fünf Milliarden Dollar für dortige Immobilienprojekte einzuwerben, berichtete die „New York Times“. Kushners Aufbauplan sieht eine Hotel-Riviera vor, Wohnblocks, Freizeitanlagen und vieles mehr. Warum nicht selbst mitverdienen? Trumps Schwiegersohn ist seit Monaten als Verhandler gemeinsam mit Trumps Sonderbeauftragtem Steve Witkoff unterwegs – auch er ist Immobilienunternehmer. Die beiden verhandeln über Gaza im Nahen Osten, über den Ukraine-Krieg mit Russland, bis zum Kriegsbeginn mit dem Iran.
Am Anfang seiner ersten Amtszeit hatte Trump versprochen, er und seine Familie würden nie etwas tun, das „als Ausnutzen des Präsidentenamtes wahrgenommen werden könnte“. Er kündigte zudem an, „den Sumpf“ in Washington trockenlegen zu wollen, und wirft den Demokraten bis heute immer wieder Korruption vor. Doch das, was Trump angeblich ausmerzen wollte, betreibt seine Regierung öffentlich in ungekanntem Ausmaß.
Regierungsmitglieder mit zweifelhaften Aufgaben
Abseits von Trumps Familie bevorteilten sich auch Regierungsmitglieder – oder könnten es zumindest tun, hat das Investigativmedium „ProPublica“ festgestellt. Persönliche finanzielle Interessen überschneiden sich demnach mit den Aufgabenbereichen der betreffenden Personen. Unter den aufgeführten Beispielen aus einer zusammengetragenen Datenbank mit über 1500 Regierungsmitgliedern sind auch bekannte Namen. Möglicher Korruption ist also Tür und Tor geöffnet.
Justizministerin und Generalstaatsanwältin Pam Bondi etwa habe Wertpapiergeschäfte getätigt und Aktien mitunter verkauft, kurz bevor die Märkte einbrachen, weil Trump neue Zölle angekündigt hatte, so „ProPublica“. Mehr als 200 von Trump in die Regierung geholte Personen besäßen Hunderte Millionen Dollar schwere Krypto-Anlagen. Manche dieser Personen verantworteten jetzt die Regulierung der Branche mit. Darunter sei auch Vizejustizminister Todd Blanche, der Trump als Anwalt unter anderem im Wahlbetrugsprozess um die Ex-Pornodarstellerin Stormy Daniels vertreten hatte.
Neben Trumps Söhnen könnten weitere Personen von der Aufrüstung der USA profitieren. Vizeverteidigungsminister Steve Feinberg etwa leitete bis zu seinem Wechsel in die Politik den Investitionsfonds Cerberus Capital Management, mit dem er weiterhin verbandelt ist. Cerberus kontrolliert dem Bericht zufolge mindestens vier Rüstungsunternehmen, die bereits Teilaufträge für den geplanten Raketenabwehrschirm „Golden Dome“ erhalten haben. Es sei nicht bekannt, in welchem Umfang; insgesamt habe das Pentagon bereits über 2000 Aufträge vergeben, das Budget sei auf bis zu 151 Milliarden Dollar angesetzt. Der militärische Projektleiter des Golden Dome sei Feinberg direkt unterstellt.
Ebenfalls im Pentagon tätig ist Vizeverteidigungsminister für Weltraumverteidigung, Marc Berkowitz, der zuvor ein Strategieplaner beim Rüstungskonzern Lockheed Martin und dort auch Experte für Weltraumfragen gewesen sei, schreibt ProPublica. Wenige Tage vor Berkowitz’ Amtsantritt habe der Konzern Aufträge aus dem Pentagon erhalten. Er solle einen Prototyp des „Golden Dome“ bauen. Berkowitz habe sich verpflichtet, bis zum 18. März seine Lockheed Martin Aktien abzustoßen. Laut Pentagon handelten er und Feinberg komplett im gesetzlichen Rahmen. Wie der für Trump und seine Familie aussieht? Das interessiert laut dem Präsidenten ja niemanden.
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Source: stern.de