Vor Fusion mit Warner Bros.: Trump droht Netflix: „Werft Sie raus!“

Mit einer Drohung zeigt Donald Trump ein weiteres Mal, dass er alle US-Medien unter seine Kontrolle bringen will: Der US-Präsident hat das Streamingunternehmen Netflix, das den Konzern Warner Bros. übernehmen will, aufgefordert, das Vorstandsmitglied Susan Rice zu entlassen. Andernfalls müsse Netflix die „Konsequenzen tragen“.

Susan Rice war zu Zeiten der Regierung Obama Botschafterin und nationale Sicherheitsberaterin, unter Biden fungierte sie als innenpolitische Chefberaterin. Von 2018 bis 2021 saß sie im Vorstand von Netflix und ist seit 2023 erneut dessen Mitglied. In der vergangenen Woche hatte sie in einem Podcast-Interview gesagt, für die „Konzerne, Anwaltskanzleien, Universitäten, Medien, die aus kleinlichem Eigeninteresse vor Trump in die Knie gegangen sind, werde es „schlecht ausgehen“. Da Trump und viele seiner Maßnahmen unbeliebt seien, komme es wahrscheinlich bald zu einem politischen Umschwung, und dann würden diese Leute zur Verantwortung gezogen. „Wenn die Konzerne denken, dass die Demokraten, wenn sie zurück an der Macht sind, nach den alten Regeln spielen und den Bruch von Prinzipien und Gesetzen verzeihen, dann werden sie sich wundern“, sagte Rice.

Rice sei eine „politische Wichtigtuerin“

Angestachelt hatte Trumps Drohung offenbar seine Hof-Denunziantin Laura Loomer, die ihm regelmäßig vermeintlich „gefährliche“ Figuren in seinem Umfeld und darüber hinaus anzeigt. Sie interpretierte Rices Äußerungen auf X als „offenen Aufruf zur Gewalt“ gegen alle Trump-Anhänger. „Schlimmer noch“, schrieb sie: Wenn die anstehende Fusion von Netflix mit Warner Bros. Discovery (WBD) durchginge, würden die „rassistischen“ Obamas mit ihrer bei Netflix unter Vertrag stehenden Produktionsfirma Higher Ground, „positive Botschaften über die Hexenjagd gegen Trump über alle Kanäle verbreiten“. Trump müsse den Zusammenschluss von Netflix und Warner Bros. sofort stoppen, forderte Loomer und funkte Brendan Carr, den Chef der Medienbehörde FCC, an.

Carr überschlägt sich geradezu, Fernsehsendern wie ABC oder CBS mit regulatorischen „Maßnahmen“ zu drohen, wenn dort Trump-kritische Töne zu hören sind, für die anstehende Warner Bros.-Übernahme ist seine Behörde aber nicht zuständig. Trump nahm den Faden dankbar auf, denunzierte Rice als „politische Wichtigtuerin ohne jedes Talent oder Können“ und forderte ihre sofortige Entfernung aus dem Netflix-Vorstand. Netflix-Chef Ted Sarandos reagierte gelassen. Dies sei eine geschäftliche Angelegenheit, keine politische, sagte er der BBC. Abgesehen davon mache Trump „ja gern alles Mögliche auf Social Media“.

Sie will Trump von Netflix gekündigt sehen: Susan Rice.AP

Netflix hatte im Dezember von Warner-Vorstand den Zuschlag für die Übernahme des Konzerns für rund 83 Milliarden Dollar bekommen, sehr zum Ärger des Mitbieters Paramount Skydance, der seit vergangenem August in Händen von David Ellison, Sohn des Oracle-Chefs und Trump-Kumpels Larry Ellison ist. Paramount reagierte mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme und bot 108 Milliarden Dollar. Trump hatte bereits angekündigt, sich in die Fusion einzumischen. Seine Drohung ist als Hinweis an seine Behörden zu verstehen, die Fusion von Warner und Netflix zu verweigern, sollte Netflix nicht kuschen. Das Justizministerium untersucht zurzeit, ob die Fusion den Wettbewerb auf dem Streaming-Markt einschränkt. Zu Warner Bros. gehört unter anderem der Abosender HBO.

Die Übernahmeschlacht wird auch deswegen mit Spannung beobachtet, weil der Nachrichtensender CNN zu dem Konzern gehört. Beim Deal mit Netflix bliebe CNN außen vor; Paramount will den Sender mitübernehmen. Kurz vor Ablauf der Abgabefrist in der vergangenen Nacht hat Paramount Medienberichten zufolge sein Angebot erneut erhöht. Angeblich soll der Konzern der Trump-Kumpels sein Angebot nun von 30 auf 32 Dollar pro Aktie erhöht haben.

Source: faz.net