Vor den Ostertagen: Verbraucher sorgen sich wegen steigender Preise

Zu Ostern darf es traditionell üppiger sein: Schokohasen, Torte und Braten gehören für viele Deutsche zum Fest dazu. Doch dieses Jahr ist die Stimmung der Verbraucher wegen der Auswirkungen des Irankrieges auf die Preise gedrückt. Vor allem Preissteigerungen bei Lebensmitteln bereiten den Menschen Sorgen. Nahezu 70 Prozent nannten den Einkauf von Lebensmitteln in einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Postbank als derzeit größte finanzielle Belastung. Es folgen mit einigem Abstand die Kostenblöcke Energie (48,7 Prozent) und Mobilität (45,6 Prozent). 12,8 Prozent der Befragten gaben an, kaum noch die laufenden Kosten für das tägliche Leben aufbringen zu können. In Haushalten mit einem Nettoeinkommen von weniger als 2500 Euro berichteten 23,5 Prozent der Befragten von solchen Problemen.

Die ganz große Mehrheit erwartet auch keine baldige Entlastung. Im Gegenteil: 90 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten. Mehr als jeder Zweite bewertet die eigene finanzielle Situation schlechter als vor einem Jahr. Die negative Stimmung der Verbraucher sei auch eine Folge der Inflationsphase von 2022, sagte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine war das Preisniveau deutlich gestiegen „und ist für viele bis heute im Alltag spürbar“, sagte Stephan. Die Inflationsrate in Deutschland war im Februar mit 1,9 Prozent zuletzt wieder unter die Marke von zwei Prozent gesunken. Eine erste Schätzung für März veröffentlicht das Statistisches Bundesamt an diesem Montag.

Debatte um die Mehrwertsteuer

Zur Entlastung der Bürger fordern Verbraucherschützer und Sozialverbände schon seit Längerem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Neuen Zündstoff erhielt die Debatte, durch Äußerungen des Unions-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn (CDU) im Zusammenhang mit Erwägungen der Regierungskoalition, die Mehrwertsteuer insgesamt zu erhöhen, um eine Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zu finanzieren. „In einem Gesamtpaket kann ich mir gut vorstellen, die Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel auf null zu senken“, sagte Spahn der „Welt am Sonntag“. Damit könne man auch etwas gegen die Inflation tun, die im Zuge des Iran-Kriegs wieder anziehe, weil Öl und Kraftstoffe teurer würden. Gerade Geringverdiener gäben einen relativ großen Teil ihres Einkommens für Dinge des täglichen Bedarfs aus. Die Fraktion der Linken hatte vergangenes Jahr im Bundestag erfolglos einen Antrag auf Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gestellt. Für den Fiskus gehört die Steuer zu den wichtigsten Einnahmequellen.

Würde die Mehrwertsteuer für Lebensmittel komplett gestrichen, ergäben sich für den Staat nach Berechnungen von Tobias Hentze vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) theoretisch Mindereinnahmen von bis zu 16 Milliarden Euro im Jahr. Bei einer Begrenzung auf wenige Grundnahrungsmittel würde der Effekt deutlich kleiner ausfallen. Grob geschätzt könnte ein Haushalt je nach Konsum 15 bis 30 Euro im Monat sparen. Zuerst hatte die Zeitung „Die Welt“ über Hentzes Berechnungen berichtet.

Senkungseffekt könnte schnell verpuffen

Für Grundnahrungsmittel wie Zucker, Mehl, Gemüse und Obst, Tee und Kaffeebohnen Milchprodukte und Fleisch gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, für andere Lebensmittel der reguläre Satz von 19 Prozent. Ungewiss ist nach den Ausführungen von IW-Ökonom Hentze, in welchem Umfang eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel tatsächlich bei den Verbrauchern ankäme. Da es bei vielen Produkten nur um Centbeträge gehe, seien Mitnahmeeffekte wahrscheinlich. Auf mittlere und längere Sicht kommt es immer wieder zu Preisanpassungen zum Beispiel aufgrund höherer Produktions- oder Lohnkosten, so dass der Effekt der Steuersenkung mit der Zeit schwinden würde.

Für das diesjährige Ostergeschäft rechnet der Einzelhandel mit einen Rückgang um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Pro Kopf sei mit Osterausgaben von 38 Euro zu rechnen. Das beliebteste Ostergeschenk sind auch in diesem Jahr Süßwaren. Nach einer Stichprobe der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz sind die Preisunterschiede bei Ostersüßigkeiten erheblich: Schokohasen verschiedener Marken kosteten im Vergleich zu ähnlichen Discounter-Hasen das Zwei bis Dreifache – obwohl der Unterschied bei der teuren Zutat Kakao nur maximal um drei Prozent variiere. Besonders auffällig seien die Preisaufschläge für Miniaturfiguren mit bis zu 159 Prozent. Der klassische Goldhase von Lindt (100 Gramm) verteuert sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr um 16,3 Prozent auf 4,99 Euro.

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