Von jener Bratwurst solange bis zum Blowjob unterm Tisch: „Das Pen!smuseum“ erstarrt in Klischees

Es gibt nichts Überflüssigeres als Männer auf dieser Welt – so lautet die Botschaft einer feministischen Anthologie von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger mit dem Titel „Das Pen!smuseum“


Viele Beiträge im Buch zeigen Männer in weniger witzigen Stereotypien

Foto: Sean Gallup/Getty Images


Als Mann hält man besser die Klappe. Was man(n) auch zum neuen Buch Das Pen!smuseum von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger zu sagen hätte, wäre so oder so falsch, gehört man qua Geburt, Körper und Glied sowieso zum Tätergeschlecht. Im Text sind alle Schwanzträger gleich: furzend, egoistisch, übergriffig.

Aber da sich die beiden Autorinnen und Herausgeberinnen sowie ihre beiden Gastautorinnen Jovana Reisinger und Sophia Süßmilch hier und da gegen Rollenklischees wenden, in feministische Denktraditionen stellen und somit für Freiheit eintreten wollen, meldet sich nun doch einer zu Wort, einer, der durchaus Humor und Selbstironie besitzt. Insofern stört er sich nicht an den Lästereien über verschrumpelte Eier und schlaffe Penisse oder ausbleibende Erektionen, er stört sich nicht einmal daran, dass eine Protagonistin darüber kichert, wie einem Typen sein „Spatzi“ abgeschnitten wird.

Gestus des Selbstgefälligen

Denn maskuline Schmerzen sind ja gemessen an denen der Frau ein Witz. Er stört sich nicht einmal an all der Vulgarität, der Kotze, überhaupt der Wut und Wut und der endlosen Wut, die noch mehr Wut auf das Patriarchat erzeugt und dieses ganze Buch geradezu eruptiv hervorgebracht hat.

Was ihm allerdings aufstößt, ist der Gestus des Selbstgefälligen und Unfehlbaren. Beides zeigte sich bereits bei der in der österreichischen Presse kritisch aufgegriffenen Vorgeschichte zum Buch. Ursprünglich sollte auch die Schriftstellerin Gertraud Klemm Beiträge für das Werk schreiben, wurde aber gecancelt, weil sie eine andere Auffassung von Feminismus und Trans-Kultur vertrat – eine Aktion, die vollends den Geist dieses pamphlethaften Buchs widerspiegelt. Es fordert zwar für Frauen zurecht volle Liberalität, lässt Männer dagegen in Stereotypien erstarren.

So schon im bieder ausgestalteten Einstiegstext von Fallwickel. Immer kommen darin ein Paar zur selben Zeit von der Arbeit nach Hause. Während sie stets für ihn kocht, liegt er faul auf dem Sofa. Auf den ersten Blick mag das Setting noch an eine Story der von Marlen Haushofer erinnern, nur nach dreißig Jahren leicht verstaubt.

Überraschend wirkt dann immerhin noch, auf welche Weise die Heldin dieser im Folgenden völlig überkonstruierten Geschichte Dampf ablässt: Sie macht eben heimlich Bilder vom Gemächt ihres Partners, um mit den Aufnahmen eine Ausstellung der besonderen Art zu planen. Besucher:innen sollen nämlich mit Farbe und Schere die Fotos bearbeiten dürfen. Ganz im Sinne des marketingtechnisch perfekten Credos der Texte: „Tame the dic“. Alles klar!

„Das Pen!smuseum“ will gegen Misogynie kämpfen

Ähnlich kurios fällt eine Szene in einem Restaurant aus: ein Mann fällt auf die Knie und bettelt bei seiner Geliebten um Verzeihung. Das Verhalten weckt natürlich wiederum die Skepsis der Erzählerin: „Mit dem Erstarken des Stimmengewirrs beruhigte sich der Mann, verärgert gar, erwartete er doch Anerkennung und Begeisterung für die Realisation seiner destruktiven Männlichkeit, seiner erlernten Sozialisation. Er hatte sich das anders vorgestellt …Ein Lob für seine kritische Selbstreflexion. Vielleicht sogar einen Blowjob unter dem Tisch?“

Was jetzt an dieser abstrusen Unterwerfung gegenüber der Begleiterin gleich destruktiv ist und warum überhaupt so überbordend die großen, wuchtigen und ja, teils abgedroschenen Begriffe in diesem Buch herumgeworfen werden, erschließt sich einem nicht. Wahrscheinlich weil man eben nur ein weiteres Exemplar der Spezies dummer Macho ist.

Eines hat er aber kapiert: In diesem Werk geht es um Widerstand gegen Misogynie. Und dazu hat man sogar einen klugen Ansatz gewählt. Indem mehrere Schriftstellerinnen an seiner Produktion mitgewirkt haben, positionieren sie das Prinzip der Kooperation gegen das monolithische Konzept des einen, genialen und maskulinen Autors.

Das war es dann auch schon. Die Lautstärke der Texte täuscht leider nicht über das in ihnen zum Ausdruck kommende, antiquierte Denken in Feindschaften hinweg. Aber ein Buch, in dem sich Zeichnungen von aufgegabelten Bratwürsten finden, hat anscheinend selbst nicht allzu hohe Ambitionen.

Das Pen!smuseum Mareike Fallwickl & Eva Reisinger (Hg.) Leykam 2025, 232 S., 25€.

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