„Wenn jemand in Ihr Büro kommt und behauptet, mit Donald Trump befreundet zu sein, dann übertreibt er entweder die Beziehung oder versteht sie nicht“, sagt Anthony Scaramucci. „Denn niemand ist mit Donald befreundet. In der Weltsicht dieses Mannes sind Sie nur eine Transaktion.“
Scaramucci sollte es wissen. Der Hedgefondsmanager und Unternehmer ist seit mehr als 30 Jahren kein Freund von Trump und heute eher regelrecht sein Feind. Ähnlich wie der aufmerksamkeitshungrige US-Präsident einst Hillary Clinton auf der Debattenbühne wie ein Stalker verfolgte, spielt Trump auch in Scaramuccis Geschichte eine große Rolle.
Er habe das „Trump-Realitäts-Syndrom“
Die beiden Männer scheinen sich gegenseitig nicht loszulassen. Als wir uns während einer Pause in seinem vollgepackten Terminkalender in London treffen, dreht sich das Gespräch kaum länger als ein paar Minuten um etwas anderes als Trump. Umgekehrt ist der 62-jährige Finanzier und Rundfunkmoderator zu einem der lautstärksten und scharfsinnigsten Kritiker des US-Präsidenten geworden. „Wir streiten wie New Yorker“, meint Scaramucci. „Er greift mich nicht wirklich an, weil er weiß, dass ich zurückschlagen werde.“
Im Gegensatz zu Trumps vermeintlichen Freunden verstehe er Trump: „Es gibt etwas, das man als ‚Trump-Wahnsyndrom‘ bezeichnet; ich dagegen habe ein ‚Trump-Realitätssyndrom‘. Ich weiß, wie er ist, ich weiß, was er tut, ich weiß, wozu er fähig ist, und ich kenne die Gefahr, die von ihm ausgeht.“
Die meisten Leute werden sich an Scaramucci wegen seiner kurzen und spektakulären Amtszeit als Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses im Juli 2017 erinnern. Seine forsche, energische Art und sein unverhohlen italienisch-amerikanischer Noo Yawk-Akzent machten ihn zu einem Objekt der Faszination und des Spottes.
Saturday Night Live nannte ihn „menschliches Kokain“. Aber wenn die britische Premierministerin Liz Truss nicht einmal länger als ein Kopfsalat durchhielt, dann war Scaramuccis politische Lebensdauer kaum länger als die einer reifen Avocado: 11 Tage, um genau zu sein. Er hat sich das zu eigen gemacht und sogar als Maßeinheit übernommen: Als die britische Politikerin im Oktober 2022 abrupt zurücktrat, twitterte er: „Liz Truss hat 4,1 Scaramuccis durchgehalten.“
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Der Schnorrer und sein politischer Podcast
Seitdem befindet er sich auf einer Reise, wenn auch vielleicht nicht in modischer Hinsicht. Scaramucci strahlt noch immer den Charme der Wall Street der 1980er Jahre aus: üppiges, nach hinten gekämmtes Haar, italienischer Anzug, Seidenkrawatte, verzierte Manschettenknöpfe, glatte Haut – eine Smartwatch ist praktisch sein einziges Zugeständnis an das 21. Jahrhundert.
Er ist nach wie vor sehr gesprächig, wirkt aber mittlerweile ruhiger und bescheidener, wie die Hörer seines erfolgreichen Podcasts The Rest Is Politics US bestätigen können. Den Podcast bestreitet er zusammen mit Katty Kay, der früheren Washington-Korrespondentin der BBC, die so typisch britisch klingt wie Mooch, auf Deutsch: der Schnorrer (Scaramuccis Spitzname, weil er beim Einsammeln von Kapital für Hedgefonds half und dafür Anteile erhielt, d. Red.).
Kay und er bilden ein interessantes ungleiches Paar. Und im Gegensatz zu vielen anderen Podcast-Moderatoren verhält sich Scaramucci seiner Gesprächspartnerin gegenüber respektvoll und fast schon ehrerbietig. „Ich finde sie unglaublich klug und möchte hören, was sie zu sagen hat“, erklärt er schlicht.
Als Außenseiter an die Wall Street
Scaramucci ist tatsächlich ein Produkt der Wall Street der 1980er Jahre. Als er 1987 im Alter von 23 Jahren in Harvard Jura studierte, besuchte Filmregisseur Oliver Stone die Universität und zeigte den Studierenden seinen neuen Film Wall Street über einen Börsenmakler, der in Insiderhandel verwickelt wird.
„Eine klassische amerikanische Geschichte“, findet Scarmucci. Nach der Vorführung „traf ich in dem Kino Oliver Stone und schüttelte ihm die Hand“. Im Jahr 2010 hatte Scaramucci sogar einen Gastauftritt in der Fortsetzung des Films, Wall Street: Money Never Sleeps, in der er sich selbst spielte. (Er zahlte außerdem 100.000 Dollar für die Produktplatzierung seines Hedgefonds SkyBridge Capital.)
Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einen langen Weg zurückgelegt. Geboren in Long Island als Sohn eines Kranführers und einer Kosmetikerin, war er nicht arm, aber auch weit davon entfernt, reich zu sein. Er sei immer auf Geld fokussiert gewesen, sagt er, und habe immer gearbeitet: Zeitungen austragen, Regale einräumen, im Motorradgeschäft des Onkels arbeiten.
„Ich wusste, wenn ich ganz ehrlich bin, dass meinen Eltern das Geld ausgehen würde.“ Seine Eltern hatten den Ehrgeiz, dass er und seine Geschwister studieren sollten, als erste Generation in der Familie. Scaramucci ging zum Wirtschaftsstudium an die Tufts University in Boston, dann an die Harvard Law School (zufälligerweise zur gleichen Zeit wie Barack Obama) und anschließend an die Wall Street, mit einem Job bei Goldman Sachs.
Man muss sich damit wohlfühlen, ein Außenseiter zu sein
„Meine Vorstellung von der Wall Street unterschied sich stark von der Realität“, erzählt er. Noch mehr als in Harvard fühlte er sich wie ein Fisch auf dem Trockenen. „Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch sah ich aus wie ein Bestatter aus Brooklyn. Ich trug einen schwarzen Polyesteranzug und ein Polyesterhemd. Es hat lange gedauert, bis ich von Polyester zu Brioni gekommen bin“, sagt er und öffnet seine Jacke, um mir das italienische Label zu zeigen.
„Ich kannte mich mit den Umgangsformen nicht aus. Ich war nicht auf einem teuren Internat. Mein Vater arbeitete nicht an der Wall Street. Für jemanden wie mich war das ein sehr wichtiger Übergangsritus und eine große Veränderung.“
Schon früh scheint Scaramucci dabei erkannt zu haben, dass die privilegierten Eliten nicht klüger waren als er. „Man muss sich damit wohlfühlen, ein Außenseiter zu sein. Trump ist ein Außenseiter, aber er ist ein Außenseiter, der einen Groll hegt, der leicht zu Streitigkeiten führt. Er ist wütend, dass er keinen Zugang zu den Kreisen der Superreichen des Establishments hat. Daher versucht er jetzt, über sie zu herrschen. Er schaffte es nicht in bestimmte Golfclubs, in denen die alteingesessene Elite Mitglied ist, also baute er sich selbst Golfplätze.“
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Die Parallele zwischen ihm und Trump: die Härte der Väter
Was Reichtum und Privilegien angeht, liegen zwischen Scaramucci und Trump Welten. Aber es gibt auch auffällige Parallelen. Beide wuchsen unter strengen Vätern auf – „Mein Vater hat mich regelmäßig richtig verprügelt“, erzählt Scaramucci. Allerdings hatte „Fred Trump in seiner Gemeinde mehr Macht; mein Vater war Gewerkschafter, ein ziemlicher Hardliner, Raucher und Trinker. Es war eher so wie in Die Asche meiner Mutter‘“, der Autobiographie von Schriftsteller Frank McCourt.
Beide Männer hatten ältere Brüder, die die Hauptlast der Tyrannei ihrer Eltern zu tragen hatten. „Der ältere Bruder ist so etwas wie ein Schutzschild für die jüngeren Geschwister“, sagt Scaramucci. Trumps Bruder Fred Jr. hatte Alkoholprobleme und starb im Alter von 42 Jahren. Auch Scaramuccis Bruder entwickelte Suchtprobleme, ist aber seit 2007 trocken. Und wie Donald Trump ging Scaramucci deswegen den anderen Weg: Er raucht nicht und trinkt selten Alkohol, „weil ich aus einer Familie von Drogenabhängigen und Alkoholikern stamme“. Er gibt jedoch zu, ein Workaholic zu sein. „Bei dem einen manifestiert es sich so, bei dem anderen so.“
Die ersten Treffen mit Trump
Als er Trump 1995 zum ersten Mal traf, war Scaramucci 31. Sein Chef bei Goldman Sachs nahm ihn mit zu einem Treffen im Trump Tower. „Ich war beeindruckt, ich will Ihnen nichts vormachen. Er war wahrscheinlich einer der berühmtesten Menschen in New York.“ Trump war damals eine allgegenwärtige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens – auf den Titelseiten der Boulevardzeitungen, im Fernsehen bei der Eröffnung prächtiger neuer Gebäude, beim Verkauf seines Buches The Art of the Deal (Die Kunst des guten Deals). „Er war der Inbegriff des Erfolgs. Wir wussten nichts von den Insolvenzen und dem skrupellosen Verhalten; wir sahen nur den Glanz.“
Zehn Jahre später kreuzten sich ihre Wege erneut. Scaramucci war als Experte für den Wirtschaftsnachrichtensender CNBC tätig und Trump moderierte die Sendung The Apprentice auf NBC. Sie nahmen gemeinsam an einigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und Baseballspielen teil. „Ich war von ihm begeistert. Ich tue nicht so, als wäre es anders gewesen.“
Im Jahr 2012 organisierten sie Spendenaktionen für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Trumps berühmt-berüchtigtem, überladenen Apartment (laut Scaramucci „als hätte (der luxusliebende Star-Pianist) Liberace Ludwig XIV. geheiratet“). Dann, im Jahr 2015, lud Trump ihn zum Frühstück ein und teilte ihm mit, dass er The Apprentice verlassen und für das Präsidentenamt kandidieren werde. „Ich sah ihn an und lachte“, erinnert sich Scaramucci. „Ich dachte, das sei nur ein Werbegag.“
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Der Wechsel von liberalen Werten ins Trump-Team
Scaramucci und Trump waren zu diesem Zeitpunkt auch in ihrer Politik weitgehend auf einer Linie – was das Soziale angeht, eher auf Linie der US-Liberalen, aber finanzpolitisch konservativ und wirtschaftsorientiert. Scaramucci erzählt, er habe mit dem Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, für die Rechte von Homosexuellen zusammengearbeitet und sich für die reproduktive Freiheit von Frauen eingesetzt.
Bei der Präsidentschaftswahl 2008 unterstützte er Barack Obama, der als Sieger hervorging, 2012 dagegen den Kandidaten der Republikaner, Mitt Romney, der unterlag. Vor den Wahlen 2016 wechselte Scaramucci von Hillary Clinton zu den Republikanern Scott Walker und dann Jeb Bush. Der „wäre ein guter Präsident gewesen“, meint er. Als Trump dann im Mai 2016 zum voraussichtlichen Kandidaten der Republikanischen Partei wurde, fragte er Scaramucci, ob er für ihn Wahlkampf machen wolle.
In Trumps Werdegang sieht er Parallelen: Anfang der 2000er Jahre sei er eher ein Demokrat gewesen, „dann wechselte er zur Republikanischen Partei, war aber ein gemäßigter Republikaner. Der verrückte Slogan Make America Great Again (MAGA), der Nationalismus und all dieser Proto-Autoritarismus kamen erst später.“ Auch aus diesem Grund erklärt sich Scaramucci trotz seiner Vorbehalte bereit, für ihn zu arbeiten: „Wir redeten uns ein, er würde schon in Ordnung sein.“
Seine Ex-Frau hasst den Präsidenten, „fast so sehr wie Melania“
Rund ein Jahr lang war Scaramucci Teil des Trump-Teams gewesen, als er seine desaströse Zeit als Kommunikationsdirektor antrat. Über die Einzelheiten dieser elf Tage wurde bereits ausführlich berichtet.
Im Wesentlichen wurde ihm ein unüberlegter Anruf bei einem New Yorker Journalisten zum Verhängnis, in dem er andere Trump-Mitarbeiter kritisierte und vor allem den Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus, als „verdammten paranoiden Schizophrenen“ bezeichnete und sagte: „Ich bin nicht Steve Bannon, ich versuche nicht, mir selbst einen zu blasen.“ Er erkannte zu spät, dass das Gespräch nicht vertraulich war – was nicht für ihn als Kommunikationsdirektor sprach.
Scaramucci zahlte nicht nur beruflich einen hohen Preis für seine Verbindung zu Trump. Seine Frau Deidre war dagegen. „Sie hasst ihn fast genauso sehr, wie Melania es tut“, scherzt er. „Wir stritten uns auch aus anderen Gründen. Sie reichte die Scheidung ein.“ Weil er bei Trump war, verpasste Scaramucci während dieser Zeit die Geburt ihres zweiten Sohnes und gratulierte seiner Frau Berichten zufolge per SMS. All das trug dazu bei, dass er, kurzzeitig spektakulär und seinen Ruf schädigend berühmt wurde.
„Es war eine sehr schwere Zeit in meinem Leben“, sagt er mit ruhiger Untertreibung. Aber er sei dadurch weiser geworden. „Die ganze Geschichte hat mir zumindest eine Plattform gegeben, um über die Gefahr zu sprechen, die von Trump ausgeht. Also hat das Ganze auch etwas Gutes.
Vieles von dem, was passiert ist, wirft kein gutes Licht auf mich: schlechte Entscheidungen, egoistische Entscheidungen, stolze Entscheidungen. Ich sitze hier nicht mit pedantischer Arroganz, sondern sage Ihnen ganz demütig: ‚Hey, ich habe in meinem Leben einiges einstecken müssen. Das sind die Dinge, die ich durchgemacht habe, das ist die Gefahr, die ich sehe.‘ Und das werde ich laut sagen, wenn die Leute bereit sind zuzuhören.“
Trumps Rassismus und das eigene Rückgrat
Denkt er darüber nach, was passiert wäre, wenn er nicht gefeuert worden wäre? „Ich hätte nie bleiben können“, betont er. „Wir haben über alles gestritten. Die Sache mit Charlottesville: Vergessen Sie es.“ Er spricht über die berüchtigte Demonstration von White Supremacists, die einen Monat nach seiner Entlassung stattfand und über die Trump sagte, es gebe „sehr gute Leute auf beiden Seiten“. „So verkorkst meine Familie auch war… Wir können richtig von falsch unterscheiden.“
Endgültig brach er mit Trump zwei Jahre später, nach dessen rassistischen verbalen Angriffen gegen vier weibliche demokratische Kongressabgeordnete mit Migrationshintergrund. Trump hatte sie aufgefordert, „zurückgehen und dabei zu helfen, die völlig kaputten und von Kriminalität geplagten Orte wieder in Ordnung zu bringen, aus denen sie kommen“.
Aber es war auch ein Konflikt der Persönlichkeiten. Trumps akzeptierte nur seinen Weg oder gar keinen, sagt Scaramucci. „Ob nach elf Tagen oder nach zwei Monaten, ich hätte auf jeden Fall gehen müssen. Niemand mit Rückgrat oder Prinzipien kann jemals für Trump arbeiten. Es kann nur schlecht enden.“
So gesehen hat Trump jetzt zahlreiche Leute um sich, denen solche Prinzipien abgehen. „Macht korrumpiert“, sagt er. „Es gibt auf der Welt Leute, die im Wagen-Korso des Präsidenten mitfahren wollen. Sie wollen vom Südrasen des Weißen Hauses aus mit dem Helikopter zur Air Force One starten. Ihr Leben dreht sich um die Vorstellung, bedeutend zu sein. Mir ist das vollkommen egal. Wie schon gesagt, ich bin ein zufriedener Außenseiter.“
Der Scaramucci-Guide für Widerstandsfähigkeit
Aber der Mooch lässt sich nicht unterkriegen. Er kämpfte sich zurück, kittete seine Ehe und seine Beziehung zu seiner Familie (er hat fünf Kinder, drei aus einer früheren Ehe). Auch wenn SkyBridge, das er 2005 gegründet hatte, in die Krypto-Betrugsaffäre um Sam Bankman-Fried verwickelt wurde, dessen Firma FTX 30 Prozent von SkyBridge besaß, als es 2022 zusammenbrach. „Ich mochte ihn und vertraute ihm“, sagt er über Bankman-Fried. „Ich dachte, er wäre ehrlicher, als er war. Ich habe mich getäuscht.“ Damit sei er aber nicht allein gewesen, betont er, „und übrigens haben alle ihr Geld zurückbekommen“.
Aber wie Oscar Wilde sagen würde: Eine zweifelhafte Verbindung sieht wie ein Zufall aus, zwei wie Nachlässigkeit. „Ich glaube, ich habe ein schlechtes Urteilsvermögen, aber ich bin auch sehr risikofreudig“, erklärt er. „Und man muss bedenken, dass man es nicht von einem Zuhause, in dem ich aufgewachsen bin, dorthin schafft, wo ich heute bin, ohne Risiken einzugehen.“
Heute lebt er in einem schönen Haus in den Hamptons und kaufte sich 2022 sein Traumauto, einen schwarzen Lamborghini. Die Ironie dabei ist, dass Trumps politisches Überleben für Scaramuccis Karriere von großem Vorteil war. „Ich sage oft, dass er der ausführende Produzent jedes politischen Podcasts auf der Welt ist.“
Scaramucci räumt seine Fehler – und die Bewältigung dieser Fehler – so umfassend ein, dass Misserfolge fast schon Teil seiner Marke sind. 2024 schrieb er ein Buch mit dem Titel From Wall Street to the White House and Back: The Scaramucci Guide to Unbreakable Resilience (Von der Wall Street ins Weiße Haus und zurück: Der Scaramucci-Leitfaden für unerschütterliche Widerstandsfähigkeit). Letztes Jahr startete er „The Resilience Lab“, einen 49-Dollar-Onlinekurs darüber, wie man Misserfolge übersteht („Ich zeige Ihnen die ungeschriebenen Spielregeln, damit Sie sich eine unerschütterliche Karriere aufbauen können“).
Falsche Entscheidungen, falscher Iran-Krieg
Im Laufe dieses Jahres erscheint sein neues Buch mit dem Titel All the Wrong Moves (All die falschen Entscheidungen), das er mit einer Lesereise durch Großbritannien bewirbt. Diesmal geht es nicht um seine falschen Entscheidungen, sondern um die seines Landes: die unklugen Entscheidungen der Republikaner und Demokraten, die zu Trump geführt haben – von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit über Freihandelsabkommen bis hin zu Wahlkampffinanzierung, Auslandseinsätzen und Unzufriedenheit mit dem Sozialvertrag. Trotz seiner eigenen elitären Distanziertheit habe Trump zu Menschen wie seinem eigenen Vater gesprochen, so Scaramucci. „Er bietet ihnen zwar keine politischen Lösungen, aber er ist ein Avatar für ihre Wut.“
Mit Trumps Sturz rechnet Scaramucci jedoch noch nicht. „Man darf ihn niemals abschreiben. Die Epstein-Akten werden ihn nicht zu Fall bringen. Das habe ich immer wieder gesagt.“ Unser Gespräch fand statt kurz bevor die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran starteten. Scaramucci sagte voraus, dass Trump keinen Rückzieher machen würde, nachdem er so viele militärische Ressourcen in der Region stationiert hat. „Das entspricht einfach nicht seiner Persönlichkeit. Er ist zu hitzköpfig. Er ist zu impulsiv.“
In einem Online-Essay stellte er am Wochenende die Rechtmäßigkeit des Krieges in Frage und warnte vor langfristigen Schäden für das Ansehen Amerikas. „Wenn eine Demokratie ohne legislative Genehmigung einen präventiven Militärschlag startet – wenn sie genau die deliberativen Prozesse umgeht, die sie von den autoritären Regimes unterscheiden sollen, gegen die sie sich stellt –, untergräbt sie die moralische Grundlage, auf der die gesamte Theorie beruht.“ Es ist noch zu früh, um zu wissen, wie sich der Konflikt entwickeln wird, aber laut Scaramucci wird er die Maga-Basis weiter spalten.
Unser Land wird sich selbst heilen – nach Trump
Er vertritt die Theorie, dass die Geschichte der USA in 80-Jahres-Zyklen verläuft: „Wir haben die Unabhängigkeitserklärung; 80 Jahre später den Bürgerkrieg, um den Makel der Sklaverei in der Verfassung zu beseitigen. Nach weiteren 80 Jahren geraten wir in die Weltwirtschaftskrise und schließlich, aufgrund der Weltwirtschaftskrise, in zwei katastrophale Weltkriege. Wir räumen auf, wir sanieren uns. Es folgen 80 Jahre Frieden und Wohlstand. Aber jetzt befinden wir uns erneut an diesem Wendepunkt.“
Langfristig gesehen ist er für die Zeit nach Trump optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir eine Phase der Reflexion, der Wiedergutmachung und der Erneuerung durchlaufen werden. So ist Amerika. Ich glaube, dass sich das Land selbst heilen wird, denn das Land heilt sich immer selbst.“
All the Wrong Moves von Anthony Scaramucci erscheint im September im Londoner Verlag The Bodley Head.