Viermal mehr Leistung pro KI: Deutschland plant massiven Ausbau von Rechenzentren

Viermal mehr Leistung für KIDeutschland plant massiven Ausbau von Rechenzentren

17.03.2026, 11:48 Uhr

Artikel anhören(04:09 min)

Der Energieverbrauch von KI-Rechenzentren wird in Europa bis zum Jahr 2030 stark ansteigen. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Die Bundesregierung plant eine Verdopplung der Rechenkapazitäten bis 2030. Vor allem KI-Anwendungen treiben den Bedarf rasant in die Höhe. Eine KI-Gigafabrik soll Deutschland als digitalen Vorreiter in Europa stärken.

Deutschland will beim Ausbau digitaler Infrastruktur deutlich schneller vorankommen. Vor allem für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) wächst der Bedarf an Rechenleistung rasant – und damit auch der Druck, neue Kapazitäten zu schaffen. Die Bundesregierung plant deshalb, Rechenzentren massiv auszubauen.

Bis 2030 sollen sich die Kapazitäten herkömmlicher Rechenzentren im Vergleich zu 2025 mindestens verdoppeln, die KI-Rechenleistung sogar mindestens vervierfachen. Das geht aus einem Strategiepapier des Digitalministeriums hervor, das am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll. „Damit wollen wir im Rennen bleiben, um in Europa weiterhin zu führen, aber eben auch international sehr attraktiv zu bleiben“, sagte CDU-Digitalminister Karsten Wildberger.

Der weltweite Bedarf an Rechenleistung wächst derzeit stark. Treiber sind vor allem KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und die zunehmende Digitalisierung vieler Wirtschaftsbereiche. Um Deutschland als führenden, souveränen Datenstandort in Europa zu etablieren, hat das Digitalministerium ein Paket aus insgesamt 28 Maßnahmen geschnürt.

Finanzielle Anreize für die Gemeinden

Beim Bau neuer Rechenzentren sollen vor allem Flächen genutzt werden, die bereits industriell erschlossen sind. Dazu zählen etwa ehemalige Kraftwerksstandorte im Rheinischen Revier oder in Lübbenau im Spreewald, wo es bereits Anschlüsse an das Stromnetz gibt. Solche sogenannten Brownfield-Flächen könnten Genehmigungen und Bau deutlich beschleunigen.

Auch die Kommunen sollen stärker profitieren. Geplant ist, dass die Gewerbesteuer künftig dort anfällt, wo das Rechenzentrum tatsächlich betrieben wird – und nicht mehr am Sitz der Konzernzentrale. Beim geplanten großen Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) in Lübbenau würde das bedeuten, dass die Gewerbesteuern vor allem der Stadt Lübbenau zugutekämen und nicht dem Unternehmensstandort Neckarsulm.

Betrieb mit erneuerbaren Energien

Ein zentrales Hindernis für neue Rechenzentren ist derzeit der Zugang zum Stromnetz. Häufig konkurrieren Projekte mit großen Batteriespeichern um Netzanschlüsse. Künftig sollen laut dem Strategiepapier Anschlüsse deshalb stärker danach vergeben werden, wie weit ein Projekt tatsächlich geplant oder umgesetzt ist. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung auf Nachhaltigkeit: Rechenzentren sollen künftig vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

Außerdem soll die Abwärme der Anlagen stärker genutzt werden. Sie könnte in kommunale Wärmenetze eingespeist werden und so Haushalte oder öffentliche Gebäude versorgen. Damit das wirtschaftlich attraktiver wird, will sich die Bundesregierung in der EU dafür einsetzen, die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei zu stellen.

Ein weiteres Ziel der Strategie ist es, die Abhängigkeit von großen außereuropäischen Cloud-Anbietern zu verringern. Dazu gehören Unternehmen wie Amazon AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure. Neue Rechenzentrumskapazitäten sollen deshalb möglichst von deutschen oder europäischen Firmen aufgebaut werden. Als besonders wichtig gilt dabei der Aufbau mindestens einer kommerziellen „KI-Gigafabrik“ in Deutschland. Sie soll von einem öffentlich-privaten Konsortium unter europäischer Führung betrieben werden.

Quelle: ntv.de, lpe/dpa

Source: n-tv.de