Vier Wochen nachher Kriegsbeginn: Unmut am Golf

Stand: 28.03.2026 • 05:30 Uhr

Tausende Drohnen und Raketen hat Iran seit Kriegsbeginn auf die arabischen Golfstaaten abgeschossen. Beschädigt ist vor allem das Geschäftsmodell der Golfstaaten – das auf dem Export von Öl und Gas basiert.

Anders als zu Kriegsbeginn sind es nicht mehr Hunderte Raketen und Drohnen am Tag, die Iran auf die arabischen Golfstaaten abschießt – die Intensität der Angriffe hat deutlich abgenommen. Tödlich können sie dennoch sein.

Am Donnerstag meldeten die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass zwei Menschen getötet wurden – durch herabfallende Trümmer, nach dem eine Rakete aus Iran abgeschossen wurde. Die Getöteten kamen aus Indien und Pakistan. Es waren Gastarbeiter, wie die meisten der bislang 25 Todesopfer in den arabischen Golfstaaten im ersten Kriegsmonat.

„Wir hier am Golf sind Kriege nicht gewohnt, auch keinen Raketenbeschuss“, sagt Ahmed Youssef, ein älterer Mann aus Katar. Allzu besorgt wirkt er dennoch nicht: Er fühle sich sicher, vertraue den Staatsführungen in der Region, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen werden.

Emirate sprechen von ökonomischem Terrorismus

Die Regierungen der Golfstaaten reagieren mit zunehmender Verärgerung auf die anhaltenden Angriffe aus Iran: Katar hat iranische Diplomaten ausgewiesen, Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnen es inzwischen als ökonomischen Terrorismus, dass Iran damit droht, Öltanker und andere Schiffe in der Straße von Hormus zu beschießen.

Lana Nusseibeh, Staatsministerin im Außenministerium der Emirate, zählt in einem Fernsehinterview auf, wie wichtig die Meerenge für die Weltwirtschaft ist: Nicht nur ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte geht üblicherweise durch die Straße von Hormus – auch 30 Prozent der Düngemittel für die weltweite Landwirtschaft. „Im Grunde versucht Iran, der Weltwirtschaft einen Herzinfarkt zu verpassen. Wir dürfen Iran, einem staatlichen Förderer von Terrorismus, nicht erlauben, die Weltmarktpreise für Lebensmittel und Benzin zu bestimmen.“

Treten die Golfstaaten aktiver in den Krieg ein?

Schärfere Töne kamen zuletzt vor allem aus den Emiraten und aus Saudi-Arabien. In schriftlichen Stellungnahmen betonen sie, dass sie sich das Recht vorbehalten auf iranische Angriffe mit allen „notwendigen Maßnahmen“ zu reagieren.

Ob dazu auch zählen könnte, dass die arabischen Golfstaaten selbst aktiv in den Krieg eingreifen, darüber wird viel spekuliert. Der Energieexperte Bachar Halabi sagt, noch sei das Rhetorik, in erster Linie versuchten die Golfstaaten weiterhin, sich zu verteidigen. „Aber angesichts der iranischen Angriffe auf die für diese Länder lebenswichtige Energieinfrastruktur, könnten sich die strategischen Überlegungen in den Hauptstädten tatsächlich verändern.“

Vor allem in US-amerikanischen Zeitungen wurde zuletzt kolportiert, dass die Machthaber in Saudi-Arabien die Trump-Regierung drängen, mit den Luftangriffen auf Iran nicht nachzulassen, damit die Führung in Teheran nicht als gefühlter Sieger ermutigt aus diesem Krieg hervorgeht.

Katar setzt auf eine friedliche Lösung des Konflikts

Offizielle Stellungnahmen der saudischen Führung klingen allerdings deutlich zurückhaltender. Und in Katar betont das Außenministerium immer wieder, dass es notwendig sei, diesen Konflikt mit friedlichen Mitteln zu beenden: „Totale Vernichtung ist keine Option. Kein Volk und kein Land wird verschwinden, durch den Willen irgendeines politischen Akteurs“, so Majid al-Ansari, der Sprecher des Außenministeriums auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz in Doha.

Denn eines werde sich auch nach dem Krieg nicht verändern, die Geographie: „Wir werden weiterhin nebeneinander leben, wir werden dauerhaft Nachbarn sein, und wir müssen Wege finden, friedlich zusammenzuleben.“

Auch das ist erstmal nicht viel mehr als Rhetorik. Auch nach einem Monat deutet nicht viel auf ein schnelles Ende des Krieges hin.

Source: tagesschau.de