Vier Jahre Ukrainekrieg: Energie kostet in Deutschland noch immer viel mehr

Vier Jahre währt der Ukrainekrieg nun schon. Anlass für das Internetportal Verivox, einmal zu vergleichen, welche der beim Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 dramatisch gestiegenen Preise hierzulande mittlerweile wieder zurückgegangen und welche hoch geblieben sind.

Die Energiekrise, die damals ausbrach, gilt zwar als weitgehend überwunden. Trotzdem müssen Verbraucher in Deutschland für Energie heute im Durchschnitt 21 Prozent mehr ausgeben als vor dem Ukrainekrieg. Dabei spielt allerdings keineswegs nur der Krieg eine Rolle, viele andere Effekte überlagern dessen Auswirkungen.

Die jährlichen Ausgaben für Heizung, Strom und Kraftstoff für eine Musterfamilie belaufen sich derzeit laut Verivox auf 4977 Euro. Im Vorkriegsjahr 2021 habe die gleiche Energiemenge noch 4121 Euro gekostet. Die Haushaltskasse werde also mit 856 Euro zusätzlich belastet. Besonders stark stiegen die Heizkosten. Heizöl kostet heute 29 Prozent mehr als vor der Energiekrise. Für eine Jahresmenge von 20 Hektolitern zahlen Haushalte jetzt 1849 Euro, 2021 waren es lediglich 1428 Euro.

Noch stärker stiegen die Preise für das Heizen mit Gas. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden legten die Kosten für einen Haushalt von 1329 auf 1988 Euro zu, also um rund 50 Prozent. Da mehr Haushalte in Deutschland mit Erdgas als mit Öl heizen, legten die durchschnittlichen Heizkosten insgesamt um 43 Prozent zu.

Auch an der Tankstelle ist die Mehrbelastung gegenüber der Vorkriegszeit weiterhin spürbar. Im Durchschnitt zahlen Autofahrer heute an der Tankstelle etwa 17 Prozent mehr für die gleiche Menge an Kraftstoff. Super E10 kostet derzeit im Bundesdurchschnitt 1,77 Euro, Diesel 1,73 Euro je Liter. Im Vergleich zu 2021 verteuerte sich Benzin damit um rund 15 Prozent, Diesel sogar um 24 Prozent. Auch dafür gab es unterschiedliche Ursachen.

Strompreis dicht an Vorkriegsniveau

Moderater fiel laut Verivox der Anstieg der Stromkosten aus. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden stieg die Jahresrechnung seit dem Jahr 2021 von 1229 auf 1244 Euro. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent. „Damit liegen die Preise wieder praktisch auf Vorkrisenniveau“, schreibt Verivox.

Für besonders preisbewusste Kunden falle der Vergleich der Stromkosten sogar positiv aus: Wer damals wie heute im günstigsten verfügbaren Tarif versorgt werde, zahle heute 13 Prozent weniger für Strom als vor der Energiekrise. „Ein milliardenschwerer Zuschuss des Bundes zu den Netzentgelten sowie sinkende Großhandelspreise haben dafür gesorgt, dass die Strompreise seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 um gut ein Viertel gefallen sind“, schreibt Verivox.

Für Erdgas und Kraftstoffe sei eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau dagegen nicht in Sicht. Unter anderem verteuere der deutlich gestiegene CO2-Preis die fossilen Energieträger bewusst, hob Thorsten Storck von Verivox hervor.

Lebensmittel sind im Durchschnitt ebenfalls erheblich teurer als vor dem Ukrainekrieg, auch wenn es in Einzelfällen im Laufe der vier Jahre ein Auf und Ab gab. Sehr stark stiegen mit dem Angriff auf das Land beispielsweise die Preise für Weizen, Soja und Sonnenblumenöl. Das hat sich wieder etwas beruhigt. Weizen erreichte im März 2022 einen historischen Höchstpreis von mehr als 1350 Dollar je Bushel. Mittlerweile sind es 560 bis 580 Dollar. Soja kostete im Jahr 2022 zeitweise mehr als 17 Dollar je Bushel, inzwischen sind es um die 11 Dollar.

Für einfaches Sonnenblumenöl zahlte man nach Kriegsbeginn im Handel in Deutschland zeitweise vier bis fünf Euro je Flasche, manche Anbieter verlangten sogar noch deutlich mehr. Inzwischen sind es je nach Qualität etwa 1,59 bis 2,99 Euro je Flasche.

Nahrungsmittel fast ein Drittel teurer

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind Nahrungsmittel gleichwohl im Durchschnitt heute 28,5 Prozent teurer als im Januar 2022. Mehl kostet 24 Prozent mehr als damals, Brot 29 Prozent, Fleisch 28 Prozent. Für Eier zahlen Verbraucher 37,2 Prozent mehr.

In all diesen Fällen zeigt der Vergleich, dass Haushalte heute deutlich mehr für die Lebenshaltungskosten aufwenden müssen als vor dem Ukrainekrieg. Zum Teil sind in dieser Zeit aber auch die Löhne und Gehälter gestiegen. Zudem ist damit natürlich nicht gesagt, dass der Ukrainekrieg auch ursächlich war für all diese Preiserhöhungen.

Source: faz.net