Vier Jahre Krieg: Langzeitinflation

Es gibt eine bemerkenswerte Diskrepanz. Die offizielle Inflationsmessung, an der sich die Geldpolitik orientiert, vergleicht das Niveau der Verbraucherpreise mit dem Vorjahreswert. In dieser Betrachtungsweise ist die Inflation im Euroraum mittlerweile auf 1,7 Prozent gesunken. Das ist sogar unterhalb des Ziels der EZB von mittelfristig zwei Prozent. Die Notenbank sah sich deshalb zuletzt sogar genötigt, Argumente anzuführen, warum sie die Zinsen nicht weiter senkt.

Viele Menschen aber vergleichen die Preise, mit denen sie täglich im Supermarkt konfrontiert sind, mit denen aus der Zeit vor dem Ukrainekrieg oder der Pandemie. Analysen aus Anlass von vier Jahren Krieg erinnern daran, dass Energie und Lebensmittel nach wie vor viel teurer sind als damals.

Nun mag man einwenden, im Vergleich zu den Schrecknissen des Krieges selbst sei das eine nachgeordnete Sorge.

Aber für diejenigen Arbeitnehmer, deren Gehälter in der Zwischenzeit nicht üppig gestiegen sind, bedeutet das schon Einschränkungen. In der Wissenschaft gab es mal Diskussionen, ob die Notenbanken nach einer Zeit mit einer deutlichen Überschreitung ihres Inflationsziels danach für einige Zeit eine Unterschreitung tolerieren sollten, um im Schnitt auf einen mittleren Wert zu kommen. Das hat sich zumindest hierzulande nicht durchgesetzt.

Vergessen aber sollte die EZB nicht, dass viele noch immer mit den Folgen der hohen Inflation zu kämpfen haben, auf die sie damals vermutlich zu spät mit Zinserhöhungen reagiert hat.

Source: faz.net