Der Deutsche Bundeswehrverband warnt vor einer „Abschreckungslücke“ in Europa und einem drohenden Angriff durch Russland. Die Situation entstehe aus der militärischen Schwäche der europäischen Länder und der Unzuverlässigkeit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, sagte der Verbandschef André Wüstner in verschiedenen Medien. Die Gefahr eines russischen Angriffs auf Nato-Länder bestehe bereits jetzt und werde „täglich größer“.
Um dem entgegenzutreten, müsse schneller aufgerüstet werden. Die Rüstungsindustrie hierzulande müsse ihre Kapazitäten erweitern und endlich im Schichtbetrieb arbeiten, „um bei weiterer Eskalation in eine Art Kriegswirtschaft zu gelangen“, forderte Wüstner im Handelsblatt.
Dass Russland erst 2029 zu einer Konfrontation mit der Nato bereit sei, sei nichts als Wunschdenken, warnte Wüstner. Durch den Krieg im Iran öffne sich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zunehmend ein Zeitfenster. Russland sei „gestärkt mit frischen Einnahmen durch Ölverkäufe und beflügelt durch die abnehmende Versorgung der Ukraine mit Luftverteidigungssystemen“. Der Eindruck der verunsicherten Verbündeten diesseits des Atlantiks könnte Putin ermutigen, seine hybriden Angriffe zu verstärken, sagte Wüstner. Möglich seien auch Grenzüberschreitungen an der Nato-Ostgrenze.
Auch die Größe der Bundeswehr müsse zunehmen. Die Zahl der Soldatinnen und Soldaten müsse „oberhalb von 300.000“ liegen, sagte Wüstner bereits am Montag dem ARD-Hauptstadtstudio. Das Verteidigungsministerium plant derzeit mit 260.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre. Wüstner begründete seine Personalschätzung mit Verpflichtungen, die Deutschland gegenüber der Nato eingegangen ist.