Hinter verschlossenen Türen haben die Verhandlungen zwischen den USA und Iran in Pakistan begonnen. Die Erwartungen sind gering. Sollte keiner die Gespräche abbrechen, wäre das schon ein Erfolg, sagen Beobachter.
Einheimische Musiker spielen auf, anwesende Journalisten posten Videos aus dem Jinnah-Konferenzzentrum in Islamabad, in dem sie arbeiten dürfen. In Sichtweite, im 5-Sterne-Hotel Serena hinter geschlossenen Türen, verhandeln die Delegationen der USA und Iran, zunächst getrennt, mit Pakistans Außenminister Ishaq Dar und seinem Team als Botengänger zwischen beiden Seiten.
„Die pakistanische Führung wird sich nach besten Kräften bemühen, diese Gespräche zum Erfolg zu führen“, sagte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif vor dem Treffen. Es handele sich um eine Phase, die geprägt sei von „Erfolg oder Scheitern“.
„Ich erwarte nicht viel“
Fotos zeigen einen gut gelaunten Vizepräsidenten JD Vance beim Händeschütteln mit dem Premier. Trumps Sondergesandter und Schwiegersohn Jared Kushner versucht sich in einer einseitigen Umarmung. Die Anwesenheit von Vance wird als positiv gewertet. Er gilt als neutralerer Vertreter der US-Regierung, auswärtige Konflikte zu führen, hält er für eine unkluge US-Politik.
Der Erfolg der Gespräche scheint von einigen strittigen Punkten abzuhängen. Muss die Waffenruhe auch für den Libanon und Israel gelten? Werden die im Ausland eingefrorenen iranischen Vermögen freigegeben? Gibt Iran sein Atomprogramm auf?
Iran ist auf ein Scheitern der Gespräche vorbereitet, betont eine iranische Reporterin, die aus Islamabad berichtet. Das iranische Volk fordere von der Delegation einen Abbruch der Verhandlungen, falls die Interessen Irans nicht erfüllt werden, sagt sie.
„Alles, was über einen Abbruch hinausgeht, muss schon als Erfolg gelten“, sagt die türkische Journalistin Deniz Kilislioğlu. „Ich erwarte nicht viel“, sagt sie. „Aber wenn sie weiter miteinander reden, wenn sie sich darauf einigen, weiter zu verhandeln, und wenn der Waffenstillstand hält, ist das schon etwas.“
USA in schlechter Verhandlungsposition
Unabhängig vom Ausgang der Gespräche in Islamabad: Die Sicherheitslandschaft am Golf hat sich auf jeden Fall verändert. Iran hat mit seiner Möglichkeit, die Straße von Hormus zu blockieren, eine mächtige Waffe. Die USA seien in schlechter Verhandlungsposition, meint der pakistanische Journalist Wajahat Ali. „Dieser Krieg hat die Lage am Golf beeinflusst. Die Sicherheitslage hat sich verändert, da Iran den Persischen Golf offenbar dominiert, was die Golfstaaten sehr wohl im Auge behalten“, sagt er.
„Gleichzeitig scheinen die Vereinigten Staaten von Amerika im Nahen Osten nicht mehr in einer besonders privilegierten Position zu sein“, sagt Ali. „Sie haben einen Krieg begonnen, von dem ihre Verbündeten in der Region abgeraten hatten.“
„Sehr schwierig, die Lage vor Ort einzuschätzen“
Wer auf welchen Rat hört, wer wem traut und, welche Informationen glaubwürdig sind – das ist in diesem Konflikt besonders schwierig. „Eines der prägendsten Merkmale dieses Krieges war die Desinformationskampagne“, sagt eine Journalistin aus Kanada. „Es ist sehr schwierig, die Lage vor Ort einzuschätzen.“ Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Diese alte Weisheit gilt in jedem neuen Konflikt.
Source: tagesschau.de