Vergeltung in dieser Politik: Sein Traum vom Sündenfall

John Fords
großartiger Film Der Mann, der Liberty Valance erschoss hat nichts, aber auch
gar nichts mit dem Amerika von heute zu tun – auf den ersten Blick jedenfalls.
Als der Western 1962 in die Kinos kam, hieß der Präsident John F. Kennedy, und
so schien die Erzählung des Films perfekt zur damaligen Aufbruchstimmung
zu passen: Ein etwas blasser Anwalt kämpft gegen einen rachsüchtigen
Revolverhelden, der im Auftrag von Viehzüchtern ein Städtchen
terrorisiert. Die Sache geht gut aus, am Ende triumphieren Recht und Gesetz
über die Anarchie von Liberty Valance und seinen
Spießgesellen. Allerdings, in einer Rückblende fällt ein verstörender Satz. Der
Fortschritt, sagt der alte Marshal, habe das Leben zwar angenehmer gemacht,
doch „die Wüste draußen“ sei dieselbe geblieben. Mit „Wüste“ meint er den gefährlichen
Naturzustand der Gesellschaft, ihren dunklen vorpolitischen Grund. In der
„Wüste“ droht der Krieg aller gegen alle, das gesetzlose Gesetz aus Gewalt und
Rache.

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