Ein Arbeitskampf von ver.di hat den Nahverkehr in Deutschland heute weitgehend lahmgelegt. Neue Tarifverhandlungen stehen zu Wochenbeginn an – und die Gewerkschaft warnt bereits vor der nächsten Eskalation.
In vielen Städten sind heute Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen in den Depots geblieben, Millionen Menschen mussten sich auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule Alternativen suchen: Warnstreiks haben den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland am heutigen Freitag weitgehend zum Stehen gebracht.
In fast allen Bundesländern hatte die Gewerkschaft ver.di zum Arbeitskampf aufgerufen. Wegen stockender Tarifverhandlungen waren etwa 100.000 Beschäftigte in etwa 150 kommunalen Verkehrsbetrieben zum Streik aufgefordert. Die Maßnahmen begannen am Morgen und werden in vielen Regionen auch morgen fortgesetzt.
Nicht gestreikt wird aktuell nur in Niedersachsen und in Baden-Württemberg. In Niedersachsen gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht. In Baden-Württemberg will ver.di erst am Montag entscheiden, ob es auch dort zu Streiks kommen wird.
„Endlich mal was auf den Tisch“
Ein ver.di-Vertreter machte derweil deutlich, dass man den Druck auf die Arbeitgeber notfalls weiter erhöhen werde. Zur anstehenden zweiten Verhandlungsrunde auf kommunaler Ebene am Montag müssten die Arbeitgeber „endlich mal was auf den Tisch legen, was auch verhandlungsfähig ist“, sagte Gewerkschaftssekretär Frank-Michael Munkler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn sie sich nicht bewegen, werden wir gezwungen sein, weiter auf die Straße zu gehen.“
Ver.di verhandelt derzeit mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden über Manteltarifverträge. Bereits Anfang Februar hatte es deshalb Streiks gegeben. Gefordert werden vor allem bessere Jobbedingungen. Dazu zählen unter anderem kürzere Wochenarbeitszeiten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.
Auf weitere Streiks vorbereitet
In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn geht es zudem um höhere Löhne und Gehälter. Die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen.
Auch nach Ansicht von ver.di kamen die Gespräche kaum voran. „Ich kann nur das Signal senden: Wir sind vorbereitet“, sagte ver.di-Vertreter Munkler. „Wenn am Dienstagabend nichts da ist, was verhandlungsfähig ist, werden wir sofort wieder loslegen.“
Source: tagesschau.de