Vater missbraucht Stieftochter hunderte Male – „Dieses Verfahren sprengt was auch immer“, sagt dieser Richter

Ein Hinweis aus den USA brachte die Ermittler auf die Spur. Am Ende stand ein aufsehenerregender Prozess in Thüringen. Ein 46-Jähriger aus Ilmenau soll sich über Jahre an seiner Stieftochter vergangen haben.

Audioplayer wird geladen

Hunderte Male soll ein Mann seine Stieftochter sexuell missbraucht, sie und ihren Halbbruder dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen und die Taten zum Großteil gefilmt haben – unter dem Vorwand, mit dem Verkauf der Aufnahmen die Geldprobleme der Familie zu lösen.

Diese und weitere Vorwürfe hat der heute 46-Jährige aus Ilmenau (Thüringen) zum Beginn des Prozesses gegen ihn vor dem Landgericht Erfurt eingeräumt. Zunächst hatte seine Verteidigerin erklärt, ihr Mandant werde sich nicht äußern. Diese Haltung änderte er, nachdem ihm der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer Holger Pröbstel deutlich gemacht hatte, dass er aufgrund der „erdrückenden“ Beweislage von hunderten Videos nur durch ein Geständnis mit einer Strafmilderung bei einer Verurteilung rechnen könne.

„Dieses Verfahren sprengt alles, was die Kammer je erlebt hat“, sagte Pröbstel über das Ausmaß der Taten. „Wenn Sie den Kindern noch irgendeinen Gefallen tun wollen, dann ersparen Sie ihnen ihre Vernehmung“, appellierte er an den Angeklagten.

Mehr als 900 Fälle wurden von der Staatsanwältin aufgelistet

Nach einer Unterbrechung zur Besprechung mit seiner Verteidigerin erklärte diese, dass ihr Mandant die Vorwürfe einräume. Die Stieftochter und der Stiefsohn sind Nebenkläger im Prozess. Sie verfolgten, begleitet von ihrer Mutter, die Verlesung der Anklage, teils sichtlich mitgenommen.

Bei der Verlesung der Anklage listete Staatsanwältin Anne Hartmann mehr als 900 Fälle auf, in denen der Mann von Ende 2017 bis ins Jahr 2024 etwa die bei ihm damals im Haushalt lebende Stieftochter missbraucht, gefilmt und fotografiert haben soll. Auch Gegenstände, Werkzeuge etwa, soll der Mann dabei teils genutzt haben.

Lesen Sie auch

Zudem soll er sich an der 2007 geborenen Stieftochter etwa in einer Schule vergangen haben, wo der Mann als Putzkraft arbeitete. Darüber hinaus soll der Mann später auch den zwei Jahre jüngeren Halbbruder der Stieftochter dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen mit der Halbschwester vorzunehmen. Auch hier soll er vorgegeben haben, Aufnahmen davon im Darknet zu verkaufen und die Familie so finanziell besserzustellen.

Lesen Sie auch

Ihm wird auch zur Last gelegt, etwa einer Freundin der Stieftochter über einen Fake-Account bei Instagram geschrieben und vorgegeben zu haben, ein 21-Jähriger zu sein, der ihr Geld gegen Nacktaufnahme bot. Angeklagt ist er auch, weil auf den bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellten Festplatten und anderen Speichermedien tausende kinder- und jugendpornografische Aufnahmen gefunden worden waren.

Das kinderpornografische Videomaterial habe eine Gesamtdauer von mehr als 160 Stunden, hieß es in der Anklage. Darin beschrieben sind auch Inhalte dieser Videos. Der Angeklagte hörte, den Mund in die Hand gestützt, regungslos den Vorwürfen zu. Am 14. April soll die Verhandlung fortgeführt werden.

Aufmerksam wurden die Ermittler auf den Mann nach einem Hinweis aus den USA, nachdem dort Daten einer einschlägigen Online-Plattform ausgewertet worden waren. Daraufhin sei das Zuhause der Familie im Dezember 2024 durchsucht worden; im Zuge dessen waren Hinweise auf den Missbrauch der Stiefkinder entdeckt worden.

dpa/coh

Source: welt.de

ädchen (ks)Missbrauchte Kinder (ks)Missbrauchte MNewsteamSexueller Missbrauch (ks)