USA | US-Angriff uff Iran: Donald Trumps Sieg ohne Strategie

Erfahrene Strategen können da noch so viel warnen, man solle keinen Krieg ohne Exit-Strategie anfangen. Donald Trump möchte einfach die Kapitulation des Gegners. Ihm geht es um das Demonstrieren von Macht, weniger um das, was danach kommt


Trump hat bisher keine zusammenhängende Begründung für den Angriff auf Iran geliefert, für Verteidigungsminister Pete Hegseth kein Problem

Foto: Mark Schiefelbein/ picture alliance /ASSOCIATED PRESS


Eine Woche nach Beginn der Aggression gegen den Iran hat Donald Trump dessen bedingungslose Kapitulation verlangt. Mehr als 3.000 Ziele sind angegriffen worden, Hunderte Menschen tot. Was nach dem Krieg passieren soll, hat die Trump-Crew aus Mar-a-Lago bisher nicht beschrieben.

Ein persisch-arabischer Golf ohne Regionalmacht Iran und mit tonangebenden US-freundlichen Monarchien ist verlockend. Trumps Unterhändler bei den angeblichen Verhandlungen mit Teheran vor Kriegsbeginn war Schwiegersohn Jared Kushner, ein Finanzjongleur mit Geschäftskontakten zur saudischen Herrscherfamilie.

Donald Trump will bei der Nachfolge des Ayatollah mitmischen

Was ist dem Iran nun politisch zugedacht? Schah-Sohn Reza Pahlavi ist Ende März als Redner eingeladen zur Konferenz der trumpistischen Vorzeigeorganisation Conservative Political Action Conference (CPAC). Er sei der „Übergangsführer der iranischen Opposition“, wird von dieser beteuert. Trump selbst scheint Zweifel zu haben. Er hat laut Nachrichtenwebsite Axios reklamiert, er selbst müsse eine Rolle spielen bei der Wahl des Nachfolgers von Ayatollah Ali Chamenei, so wie „bei Delcy in Venezuela“.

Gemeint ist die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Doch Trump fühlt sich nicht zuständig für das, was in George W. Bushs Irak-Krieg (2003–2011) als „Powell-Doktrin“ galt, benannt nach dem damaligen Außenminister Colin Powell. Der vertrat die Maxime, man sei, zumindest theoretisch, verantwortlich für das, was man zerschlagen habe. Nur sei nicht alles planbar.

Der Regierung Trump kommt es auf das Zerstören und Demonstrieren von Macht an, weniger auf das, was danach kommt. Diese Haltung zieht sich durch die zweite Amtsperiode des Präsidenten, von Elon Musks „Kettensäge“ bis zu Kriegsminister Pete Hegseth, der bei seiner Ansprache vor Generälen und Admirälen im Herbst erklärte: „Ihr tötet Menschen und macht Sachen kaputt zum Lebensunterhalt.“ Soldaten sollten Krieger sein.

Trotz steigender Benzinpreise halten die Republikaner zum Präsidenten

Trump hat nicht einmal eine zusammenhängende Begründung für den Krieg geliefert. Auf der Website des Weißen Hauses kann man ein Video mit dem Titel Danke, Präsident Donald Trump für Ihre entschlossene Aktion gegen das iranische Regime anklicken. Zu sehen sind Menschen, die mit iranischen Fahnen tanzen. Team Trump postet Bildsequenzen, auf denen Krieg aussieht wie ein Computerspiel. Der Iran liege falsch, wenn er hoffe, dass „wir das nicht durchziehen können“, so Hegseth.

Trump und seine Leute sind offenbar hingerissen von der Stärke ihres Militärs. Dabei ist das Ende der schiitischen Regierung in Teheran nicht nur ein Wunschtraum der Regierung Netanjahu in Israel, auch von manchen rechten und nationalistischen Christen in den USA, denen Hegseth zugerechnet wird.

Der einflussreiche Baptistenprediger Franklin Graham rief zum Gebet für die US-Streitkräfte, auf dass die Iraner von der „Knechtschaft des Islam“ befreit werden. Auch wenn die Benzinpreise steigen, halten die Republikaner geschlossen zum Präsidenten. Man liebt Machtdemonstrationen, bei denen feindliche Nationen in die Knie gehen, ohne große eigene Opfer. Doch laut Umfragen sind die US-Amerikaner insgesamt nicht begeistert von diesem Krieg.

Die Regierung behandelt Soldaten wie Spielzeug

Die sozialdemokratisch geprägte Webseite prospect.org hat jüngst einen Text des 2007 verstorbenen Schriftstellers Kurt Vonnegut (bekannt für den Roman Schlachthof 5, in dem er die Luftangriffe auf Dresden Anfang 1945 beschreibt) zitiert, der zum heutigen System Trump passt. Es ging Vonnegut um George W. Bushs Krieg im Nahen Osten und die Rolle der Soldaten.

Diese würden von der Regierung „behandelt wie Spielsachen, die ein reiches Kind zu Weihnachten bekommen hat“. Trump will den US-Militäretat pro Jahr von einer Billion auf 1,5 Billionen Dollar aufstocken. Der erwartete Sieg gegen den Iran ist sein Sieg. Und was später kommt, kommt eben später, da können kluge Strategen noch so viel warnen, man solle keinen Krieg ohne Exit-Strategie anfangen.

Der „Gaza-Frieden“, für den sich Trump heftig feiern lässt, hat den Menschen dort alles andere gebracht, nur keinen Frieden.

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