Noch am Freitagmorgen verschickte der Branchenverband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie eine weitere Hiobs-Mitteilung. Es war die x-te in den vergangenen Monaten. Die Branche leide unter rückläufigen Umsätzen und stagnierenden Auftragseingängen, in den Fabriken sinke die Auslastung immer weiter. Schuld daran: der starke Franken und die US-Strafzölle. 39 Prozent hatte US-Präsident Donald Trump der Schweiz im August aufgebrummt. Das sind mehr als doppelt so viel wie die 15 Prozent, die Firmen aus der EU für ihre Exporte in die Vereinigten Staaten bezahlen müssen.
In einem Telefonat mit der Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter soll der US-Präsident damals gesagt haben: Ein kleines Land mit 9 Millionen Einwohnern, das im Handel mit einem großen Land mit 340 Millionen Einwohnern einen Überschuss von 40 Milliarden Dollar erziele, da könne etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Doch dann, heute Nachmittag, kurz vor 15 Uhr, sagt der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer in einem Interview auf CNBC: „We have a deal with Switzerland„, wir haben einen Deal mit der Schweiz.
Wie hoch ist der Preis für den Zoll-Deal?
Was beim amerikanischen Chefunterhändler ein Nebensatz ist, hallt als kollektives Aufschnaufen durch die Schweizer Exportbranche. Nur, zu welchem Preis? Oder anders gefragt: Was haben die Schweizer den Amerikanern, was haben sie Donald Trump, geboten?
Ein paar Tage zuvor trafen irritierende Fotos aus Washington in der Schweiz ein. Eine kleine Gruppe von Schweizer Unternehmern saß im Oval Office, die Stühle im Halbkreis aufgereiht vor dem Präsidentenpult. Darunter der Rohstoffhändler Daniel Jaeggi von Mercuria, der Reederei-Chef Diego Aponte von MSC, der Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour oder der Private-Equity-Milliardär Alfred Gantner, Gründer der Partners-Group. Schweizer Politiker waren keine dabei. Wie es sich für eine Audienz gehört, hatte die Delegation auch Geschenke dabei. Einen speziell geprägten Goldbarren und eine 20.000 bis 40.000 Franken teure Rolex-Uhr für Mr. President.
Das Ganze wirkte wie eine große und vor allem teure Bling-Bling-Unterwerfungsgeste. Aber sie wirkte. „Danke, Präsident Trump für das konstruktive Engagement“, twitterte die Schweizer Regierung kurz nachdem der Deal bekannt wurde. Am Mittwochabend war ihr Wirtschaftsminister Guy Parmelin Hals über Kopf
nach Washington geflogen, um die letzten Details zu klären. Monatelang
hatten seine Chefbeamtinnen mit den Amerikanern verhandelt. Zurück in Bern erklärte Parmelin am späten Freitagnachmittag: Die Schweiz habe von den USA einen Zolltarif von 15 Prozent erhalten. „Damit wird unsere Wirtschaft mit der Konkurrenz aus der EU gleichgestellt.“ Möglich sei das nur dank des gemeinsamen Engagements von Wirtschaft und Politik gewesen. Ganz im Sinn von „Team Switzerland“.
Die Details des Deals sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, lediglich seine Eckpunkte. 200 Milliarden Franken werde die Schweizer Wirtschaft bis 2028 in den USA investieren. 80 Milliarden davon soll die hiesige Pharmaindustrie beisteuern. Bekannt ist auch, dass der Flugzeughersteller Pilatus ein neues Werk in den USA bauen wird. Ebenso, dass die Lufthansa künftig statt über Malta über die Schweiz ihre Boeing-Jets kaufen könnte. Aber auch die Schweizer Goldraffinerien, die ein Drittel des weltweiten gelben Edelmetalls verarbeiten, wollen einen Teil ihrer Produktion nach Übersee verlagern, um dort Kilo- in Unzen-Barren umzuschmelzen.