Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump haben die Vereinigten Staaten ihre Kriegsziele im Iran beinahe erreicht. „Der Iran ist im Grunde genommen zerstört, die harte Arbeit ist getan“, sagte Trump in seiner ersten Ansprache seit Beginn des Kriegs. Die iranische Marine und Luftwaffe seien zerstört und die Raketen des Landes so gut wie aufgebraucht oder unbrauchbar. Zudem sei die Führung tot und die Revolutionsgarde stark geschwächt.
In den kommenden zwei bis drei Wochen werde das US-Militär das Land dennoch „sehr hart“ angreifen, sagte Trump und drohte erneut mit Angriffen auf iranische Energieanlagen. Die USA würden damit sicherstellen, dass der Iran niemals Atomwaffen besitze. Ohnehin beobachte die US-Regierung die Aktivitäten rund um die im Juni vergangenen Jahres getroffenen iranischen Atomanlagen genau – der Iran hat in der Vergangenheit immer bestritten, nach Atomwaffen zu streben.
Die USA haben seit Beginn der Kampfhandlungen widersprüchliche Angaben zu ihren Kriegszielen gemacht. Kritiker warfen Trump daher vor, keinen klaren Plan zu haben und einen Schlingerkurs zu verfolgen. Der US-Präsident hat auch mehrfach mitgeteilt, dass der Krieg fast vorbei sei – die Militärpräsenz der USA in der Region baute er zuletzt aber weiter aus.
Trump appellierte indes an die Bevölkerung der USA. „Der Erste Weltkrieg dauerte ein Jahr, sieben Monate und fünf Tage“, sagte er. „Der Zweite Weltkrieg dauerte drei Jahre, acht Monate und 25 Tage.“ Er erwähnte außerdem Korea, Vietnam und den Irak. Im Vergleich dazu dauere der Einsatz im Iran erst 32 Tage, sagte Trump.
Trump macht den Iran für Ölpreis verantwortlich
Der US-Präsident rechtfertigte den Krieg in seiner Rede mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten sowie seiner Verbündeten. Er habe den diplomatischen Weg bevorzugt, aber der Iran sei nicht zu echten Verhandlungen bereit gewesen, behauptete der US-Präsident. Er bekräftigte, dass der Militäreinsatz nicht auf die Ressourcen des Iran abziele. „Wir sind jetzt völlig unabhängig vom Nahen Osten, und dennoch sind wir dort, um zu helfen“, sagte er.
Die Verantwortung für den hohen Ölpreis liege beim Iran, sagte Trump. Über die Straße von Hormus teilte er mit, die Meerenge sei Verantwortung anderer Staaten. „Nehmt sie euch einfach, schützt sie, nutzt sie für euch selbst“, sagte er. Die Straße werde sich „natürlich“ öffnen, sobald der Krieg zu Ende sei. Die USA seien ohnehin nicht auf Öl aus der Region angewiesen. Staaten, die unter Lieferengpässen leiden, riet Trump, Öl von den USA zu kaufen.
In seiner Rede erinnerte Trump an die während des Irankriegs getöteten US-Soldaten und lobte das US-Militär für seine „überwältigenden Siege“ auf dem Schlachtfeld. Anders als von ihm angekündigt sprach der US-Präsident seine Unzufriedenheit mit den Nato-Verbündeten nicht an. Zuletzt hatte er die Mitgliedsstaaten als „Feiglinge“ beschimpft und wiederholt mit dem Austritt aus dem Militärbündnis gedroht.
Demokraten kritisieren Rede als beliebig
Nach dieser „zusammenhangslosen“ Rede wisse niemand, „ob wir eskalieren oder deeskalieren“, kritisierte der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut. „Es ist beängstigend, einen Präsidenten zu haben, der so von der Realität entkoppelt ist“, schrieb er auf sozialen Netzwerken.
Der demokratische Senator Mark Warner aus Virginia sagte, Trump schulde den Amerikanern mehr Antworten zu einem Konflikt, der die Benzinpreise in die Höhe getrieben habe. Mit seiner Rede habe der US-Präsident aber kaum Antworten auf „die grundlegendsten Fragen der amerikanischen Bevölkerung“ geliefert.
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