Die Kampfhandlungen kosten den amerikanischen Staat und damit den Steuerzahler pro Tag bisher eine Milliarde Dollar. Nun sollen zusätzlich 200 Milliarden her, fordert unter anderem Kriegsminister Pete Hegseth. Das kommt nicht gut an
Transport auf dem Flugzeugträger: Landen Marine-Infanteristen oder Fallschirmjäger im Kriegsgebiet?
Foto: U.S. Navy/Getty Images
Mit dem Verlangen nach viel mehr Geld für den Krieg hat Donald Trump eine für die Männer und Frauen im Kongress schwierige Debatte angestoßen. Wie hoch sollen die Schulden der USA noch werden? Was genau soll mit den geforderten 200 Milliarden Dollar finanziert werden?
Die Nachrichten von der Front im Nahen Osten, die man freilich nicht als Front bezeichnet, sind gemischt. Der Wunschtraum vom schnellen Sieg ist dahin. Als nur eine der Kriegsparteien USA, Israel und Iran können Mar-a-Lago und das Kriegsministerium nicht so ohne Weiteres eskalieren und deeskalieren. Und dieser Waffengang ist nicht eben billig.
Landen Marineinfanteristen oder Fallschirmjäger im Kriegsgebiet?
Jetzt noch einmal 200 Milliarden zuschießen? Die Summe liegt über den Militäretats der meisten Länder weltweit. Das Gesamtbudget für die US-Streitkräfte für 2025 betrug mehr als 900 Milliarden Dollar. Zahlreiche Demokraten haben ausdrücklich dafürgestimmt. Kriegsminister Pete Hegseth hat sich noch nicht festgelegt, die 200-Milliarden-Zahl könne sich „bewegen“. Es koste eben, „die Bösen zu bekämpfen“.
Trump spricht von einer „unbeständigen Welt“. Das Geld sei „ein kleiner Preis dafür, dass alles perfekt bleibt“. Die täglich oder stündlich wechselnden Verlautbarungen des Präsidenten beschäftigen die Stenografen der Macht und lassen fragen: Hat er „militärisch gewonnen“?
Braucht er die „europäischen Feiglinge“ für die Straße von Hormus, oder braucht er sie nicht? Er stellt dem Iran ein 48-Stunden-Ultimatum, was dann plötzlich verlängert wird? Landen Marine-Infanteristen oder Fallschirmjäger im Kriegsgebiet? Trump hat chaotische Ansagen zur Normalität erhoben. Morgen früh sagt er etwas anderes als heute Abend. Die Widersprüche häufen sich in einem Maß, dass es zwecklos erscheint, sie einzeln anzusprechen.
Unter diesen Umständen ist die Forderung nach 200 Milliarden ein heilsamer Realitätscheck für eine anarchische Politik, ergänzt durch die Erfahrung in Einkaufszentren und Supermärkten, dass Benzin und Diesel deutlich teurer werden in den USA. Noch funktioniert das System, bei dem Männer und Frauen in einer Berufsarmee dienen, die ihren Job erledigen, derzeit eben im Krieg.
Das Alltagsleben tangiert das nur mäßig, in den Militärbasen jedoch machen sich die Familien Sorgen. Andererseits haben die wenigsten US-Amerikaner eine persönliche Beziehung zu Angehörigen der Streitkräfte.
Rüstungskonzerne wollen die Munition vervierfachen
Trumps Anhänger im Kongress sind nicht enthusiastisch, blieben aber in den drei Kriegswochen weitgehend loyal, ohne Verantwortung zu übernehmen. Nun müssen die der Präsidenten-Partei so wichtigen MAGA-Politiker entscheiden, ob sie ihrem Anführer treu bleiben oder ihren Reden gegen endlose Kriege.
Die Abstimmung über das Geld sei der „wahre Test“ für MAGA, mutmaßt ein CNN-Kommentator. Die Republikaner haben eine hauchdünne Mehrheit im Kongress. Bei Abstimmungen zur Kriegsresolution im Senat und im Repräsentantenhaus Anfang März setzten sie sich mit ein paar Stimmen gegen das vorgeschlagene Dekret durch, Trumps Machtbefugnis in der Iran-Frage zu begrenzen.
Die Demokraten verweisen gern auf Umfragen, wonach eine Mehrheit der Bevölkerung Zweifel am Krieg habe. Man will glauben, dass ein sich hinziehender Feldzug den Republikanern bei den Zwischenwahlen im November wehtun werde, zumal Trump keine erklärten Kriegsziele habe. Was stimmt und nicht stimmt. Er hat widersprüchliche Angaben gemacht zur Frage, wie ein Sieg aussehen würde.
Die Rüstungsindustrie scheffelt Profite
Wenn es gewollt ist, militärische Stärke der USA – das heißt, von Donald Trump – zu demonstrieren, wie es Kombattanten beim Computerspiel tun, hat die Weltmacht diese trotz des iranischen Widerstands erst einmal vorgeführt, mit Bomben, Marschflugkörpern und von KI getragener Zielsuche.
Die Tragweite des Streits um Geld ist nicht abzusehen. Es ist ja nicht so, dass die bisher aufgebrachten Kosten von einer Milliarde Dollar pro Tag irgendwie in einem Loch verschwinden. Die Rüstungsindustrie scheffelt Profite. Wenige Tage nach Kriegsbeginn kamen Trump und Hegseth im Weißen Haus mit deren Gesandten zusammen.
Dabei gewesen seien Northrop Grumman, RTX Corporation, Lockheed Martin und Boeing, so der Kabelsender CNBC. Lockheed Martin habe mitgeteilt, man werde die Produktion „kritischer Munition“ vervierfachen, womit bereits vor Monaten begonnen wurde. Die Devise: Wir werden prompt liefern. Diese Branche verteilt ihre Wahlspenden an Politiker beider Parteien, die nun darüber abstimmen, ob sie noch mehr verdient.