US-Zölle gegen Frankreich: Das könnte die schlimmste Weinkrise werden

Winzer Cédric Gravier lacht kurz auf, als
er von Donald Trumps neuester Drohung erfährt. Der US-Präsident kündigte
vergangene Nacht an, französische Weine und Champagner mit 200 Prozent zu
besteuern, falls Emmanuel Macron seine Einladung zum sogenannten Friedensrat
ablehnt. „Dieser nächste Affront wäre fast komisch – wenn es für uns nicht
schon tragisch genug wäre“, sagt Gravier. Seit mehr als drei Jahrzehnten baut
Gravier Wein aus der Region Bandol an, zwischen den südfranzösischen Städten
Toulon und Marseille gelegen. Die Krisen unter Trump seien die schlimmsten.

Der neueste Anlass: Bisher will sich
Frankreich nicht an einem neuen internationalen Gremium beteiligen, mit dem
Trump den Vereinten Nationen Konkurrenz machen will. Ursprünglich sollte dieser
Friedensrat den Wiederaufbau im Gazastreifen begleiten. Weil dessen Charta
darüber aber deutlich hinausgehe, lehnt Frankreich die Initiative bisher ab.

Und wieder treffen Trumps Drohungen die
französische Weinbranche. Ihre weltberühmten Produkte – Champagner, Bordeaux,
Burgunder – waren im März 2025 schon einmal in dessen Fokus geraten. Damals als
Reaktion auf geplante EU-Zölle auf US-amerikanischen Whiskey. Die Zölle wurden
nie umgesetzt, doch sie ließen die Verkäufe sinken. „Ob die Zölle kommen oder
nicht – allein die Ankündigung verunsichert die Händler. Sie kaufen ihren Wein
und Champagner jetzt woanders“, erklärt Gravier.

Die Drohung trifft eine bereits angegriffene Branche

Sollte Trump dieses Mal Ernst machen, wäre
es die tiefgreifendste Krise für die Branche bisher. Die französische
Landwirtschaftsministerin Annie Genevard nannte die Worte des US-Präsidenten deshalb
„feindlich“. Für die konservative Politikerin sind die neuen Zölle ein „erpresserisches
Werkzeug“. Europa müsse die französischen Interessen verteidigen.

Tatsächlich sind die Alkoholexporte für
Frankreich so bedeutend wie Maschinen und Autos für Deutschland: Erst sie
machen das Nachbarland zur Exportnation, denn die Franzosen verkaufen weit
mehr, als sie selbst trinken. Europaweit ist Frankreich laut dem dortigen Wirtschaftsministerium
der größte Weinexporteur der EU. Dabei dominiert es das Geschäft mit teuren
Weinen und Spirituosen, während Italien vor allem günstigere Weine und
Schaumweine exportiert.

„Eine Steuer von 200 Prozent würde alle
Exporte in die USA vollständig stoppen“, warnte Jérôme Bauer, Präsident des
französischen Winzerverbands Cnaoc, in einem Radiointerview.
Er forderte, Europa müsse Frankreich beistehen. „Allein können wir uns nicht
gegen einen US-Präsidenten behaupten“, sagte er.

Die Exporte von
Wein und Spirituosen beliefen sich 2025 insgesamt auf 16,5
Milliarden Euro
 (PDF), ein Viertel davon ging in die USA. Damit sind die
Vereinigten Staaten – vor Deutschland und Großbritannien – der größte Abnehmer
französischen Weins. Trumps Drohung trifft die französischen Winzerinnen und
Winzer ohnehin in einer schwierigen Lage: Sie kämpfen um ihr Überleben.

Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen,
sowohl im Inland als auch im Ausland. Nur Schaumweine finden noch mehr Käufer.
Dennoch halten die Winzer ihre Einnahmen relativ stabil, indem sie die Preise
anheben: Inzwischen kosten französische Weine mit
durchschnittlich 8,80 Euro
 pro Flasche so viel wie nie zuvor. Champagner,
der ausschließlich in der gleichnamigen Region im Norden Frankreichs produziert
wird, verteuerte sich sogar um 60 Prozent – eine Flasche kostet nun über 30
Euro. Auch hier sind die USA der wichtigste Markt. Das Ministerium warnt schon
vor vielen Monaten vor einer „beunruhigenden Abhängigkeit von den USA„.

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