US-Ultimatum gegen Teheran: Wie Trump vom agierenden zum lavierenden Feldherrn wird

Erst verhängt der US-Präsident ein Ultimatum gegen den Iran, um es alsbald zu verlängern, weil er vielleicht ganz darauf verzichten muss? Sein Feldzug hat ihn umso mehr und umso fester im Griff, je länger er dauert


Wie sehr Trump im Kreis läuft, zeigt sein Lavieren mit einem Ultimatum gegen den Iran

Foto [M]: Heather Diehl/Getty Images


Teheran hat ein strategisches Meisterstück vollbracht, indem es die Weltwirtschaft als Geisel nahm, um die Amerikaner in Schach zu halten. Nicht allein die faktische Blockade der Straße von Hormus erweist sich als Wunderwaffe – es ist ebenso die regionale und globale Aura des Widerstandes gegen eine Aggression.

Mutmaßlich ist die iranische Führung davon überzeugt, dass Donald Trump diese Geisel nicht befreien kann, solange sein Angriffskrieg andauert. Sicher vermag der redselige Feldherr im Verbund mit Israel die Islamische Republik von der Landkarte zu bomben, rücksichtslos und restlos. Er müsste nur in Kauf nehmen, dass der todgeweihte Gegner an weitreichenden und relativ zielgenauen Raketen verschießt, was die Arsenale hergeben. Wen das trifft, haben die ersten drei Wochen dieses Krieges gezeigt.

Offenbar hinderten Hochmut und Hybris den imperialistischen Klabautermann daran, dies vorherzusehen und sich ein Minimum an Rationalität wie Realismus zu gönnen. Letzteres hätte vielleicht daran erinnert, dass die USA bisher wenig Fortune hatten, wenn sie Anlauf nahmen, Geiseln des Iran zu befreien.

444 Tage in Teheran

Einer von Trumps Amtsvorgängern, der Demokrat Jimmy Carter, scheiterte im April 1980 mit dem Versuch, durch eine Kommandoaktion 52 Diplomaten aus der US-Botschaft in Teheran nach Hause zu holen, die von iranischen Studenten besetzt war. Die hatten verlangt, der in die USA geflohene Schah Reza Pahlavi müsse der iranischen Justiz übergeben werden. Die Regierung sah das ähnlich. Weil Washington den geschätzten Komplizen und Kompagnon schützte, kamen die Geiseln der Heimat für 444 Tage abhanden.

Donald Trump scheint auf der Schwelle zur vierten Kriegswoche erkannt zu haben, dass es von Vorteil sein kann, diplomatische Kontakte mit iranischen Autoritäten anzudeuten. Immerhin könnte davon die Botschaft ausgehen, dass die Kampfhandlungen in Kürze enden. Hofft er, im Vorgriff darauf würden sich die Rohstoffmärkte beruhigen?

Freilich dementiert das iranische Außenministerium derartige Sondierungen. Ob zu Recht oder zu Unrecht, tut nicht viel zur Sache. Maßgebend ist, dass es sich die iranische Führung weder leisten kann noch will, dem in Bedrängnis geratenen US-Präsidenten einen Gefallen zu tun.

Das hat etwas mit militärischen Kräfteverhältnissen zu tun, die eindeutig sind, aber zu keiner Kapitulation nötigen. Den US-Präsidenten zwingt das, nach einem Ausweg zu suchen, um seinem Krieg möglichst gesichtswahrend zu entkommen. Dieser Waffengang hat ihn umso mehr im Griff, je länger er dauert. Und die Islamische Republik handlungsfähig bleibt.

Aufforderung zum Dschihad

Es könnte das Kalkül des Iran sein, der Weltmacht eine Lektion zu erteilen, um sie von derlei Abenteuern künftig abzuhalten. Mit dem neuen Obersten Führer Mojtaba Chamenei kursiert die Devise, dass die „strategische Geduld“ aufgebraucht sei. Sie sei die Hauptursache für die Schwäche des Landes gewesen. Deshalb müsse ein Dschihad als „Heiliger Verteidigungskrieg“ geführt werden, was sich an die schiitische Diaspora außerhalb des Iran richtet und wiederum durch den Iran nicht ohne Gesichtsverlust widerrufen werden kann.

Wenn jetzt sogar Vizepräsident JD Vance als potenzieller Vermittler genannt wird, deutet der Griff ins oberste Regal der Administration daraufhin, dass für die Trump-Administration Bedarf besteht, politisch zu regeln, was angesichts der regionalen und globalen Kollateralschäden ihres Krieges militärisch einen äußerst kritischen Punkt erreicht hat. Die Eskalationsszenarien bedrängen eine ganze Hemisphäre, wenn NATO-Generalsekretär Mark Rutte sogar vor gegen Europa gerichteten iranischen Raketenangriffen warnt.

Die gesetzte Dramaturgie

Wie sehr Trump im Kreis läuft, zeigt sein Lavieren mit einem Ultimatum gegen den Iran. Erst wird die Zerstörung sämtlicher Kraftwerke angedroht, wenn nicht binnen 48 Stunden wieder Schiffe gefahrlos durch die Straße von Hormus fahren können.

Dann wird relativiert, was eben noch unumstößlich schien. Das Sein oder Nichtsein der Blockade in der Straße von Hormus, die in einer Angriffsdrohung gegen Schiffe Iran-feindlicher Staaten besteht, verschafft diesem Krieg eine alles andere als unerwartete Dramaturgie. Sie stand fest, bevor die erste Bombe auf Teheran fiel. Offen war nur, wie sie zum Tragen kommt und für wie lange.

Die iranischen Verteidiger haben sich eines Faustpfands versichert, das ihnen die Amerikaner nur zu einem sehr hohen Preis entreißen können, wie es den Anschein hat. Er wird um einiges höher sein als Jimmy Carters 1980 abgestürzte Hubschrauber.

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