Der Iran-Krieg und die steigenden Ölpreise schüren in den USA die Inflationssorgen. Um diese einzudämmen, lässt die US-Notenbank Fed den Leitzins erneut unverändert. Experten rechnen für dieses Jahr nicht mehr mit Zinssenkungen.
Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges hält die US-Notenbank die Zinsen stabil. Der Leitzins bleibt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) am Abend bekanntgab. „Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft sind ungewiss“, erklärte die Fed. Es ist die zweite Pause in Folge, nachdem die Fed die Zinsen im vorigen Jahr dreimal gesenkt hatte.
Elf der zwölf Zentralbankrats-Mitglieder stimmten für die Beibehaltung des derzeitigen Zinses. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung.
„Zinssenkung vorerst vom Tisch“
Trump hat die unabhängigen Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell immer wieder zu Zinssenkungen aufgerufen, zuletzt zu Wochenbeginn. Doch entschieden sie sich erneut dagegen. Aktienanleger sehen wegen der Inflationsrisiken immer geringere Chancen für sinkende US-Zinsen in diesem Jahr.
„Eine Zinssenkung ist vorerst faktisch vom Tisch“, meint Ökonomin Lena Dräger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Vielmehr habe sich das Risikoprofil verschoben: Sollte der Ölpreisschock anhalten oder sich verstärken, wäre selbst eine erneute Straffung der Geldpolitik nicht mehr auszuschließen.
Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf Iran begonnen, seither hat sich der Krieg dramatisch auf die Weltwirtschaft ausgewirkt: Unter anderem stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit Jahren, weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört ist. Die Meerenge südlich von Iran gilt als die wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten zudem die für Ölexporte wichtige iranische Insel Charg ins Visier genommen.
Mehr Wachstum und höhere Inflation erwartet
Dennoch rechnet die Fed im kommenden Jahr mit deutlich mehr Wachstum als bislang. Für 2027 geht die Zentralbank im Median mittlerweile von einem Plus von 2,3 Prozent aus – noch im Dezember hatten die Experten 2,0 Prozent vorhergesagt. Die Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr stiegen leicht auf 2,4 Prozent (zuvor 2,3 Prozent).
Die Inflation dürfte 2027 unterdessen steigen: Die Notenbank erwartet nun einen Wert von 2,2 Prozent statt bislang 2,1 Prozent. Für dieses Jahr hatten die Experten eine Teuerungsrate von 2,4 Prozent vorhergesagt – jetzt rechnen sie mit 2,7 Prozent.
Source: tagesschau.de