US-Angriff hinauf iranisches Kriegsschiff: Der Krieg vor Indiens Haustür

Stand: 05.03.2026 • 14:58 Uhr

Die USA haben das iranische Kriegsschiff „IRIS Dena“ vor der Küste Sri Lankas versenkt. Der Krieg hat damit auch Südasien erreicht. Die Sorgen werden in Indien größer.

In einem Lastwagen werden die Leichen iranischer Matrosen gebracht. In der Einfahrt des „National Hospital“ der Stadt Galle warten bereits Dutzende Helfer. Sie tragen weiße Schutzanzüge und Masken. Bis Mittwochabend waren es 87 Tote, die nach dem Untergang der „IRIS Dena“ im Meer vor der Südküste Sri Lankas geborgen wurden.

Am Morgen habe die sri-lankische Marine einen Notruf bekommen, so Marinesprecher Budhika Sampath: „Das Schiff war zwar außerhalb unserer Hoheitsgewässer in Notlage, dennoch sind wir dort für Such- und Rettungsaktionen zuständig.“ Man habe ein Schiff mit Rettungsteams und der notwendigen Ausrüstung losgeschickt und sofort mit der Suche begonnen, so Sampath.

Ein Matrose in kritischem Zustand

32 iranische Matrosen konnten nach Angaben der sri-lankischen Behörden aus dem Wasser gerettet werden. Nach ARD-Informationen sind sie alle zusammen in einem großen Saal des Krankenhauses von Galle untergebracht. Einer sei in kritischem Zustand, heißt es, andere nur leicht verletzt.

Übersetzer sind gekommen, um die Verständigung mit den zumeist jungen Männern zu ermöglichen. Die meisten sprechen nur Persisch, kaum einer kann Englisch.

„Ein stiller Tod“

Den ganzen Tag über hatte es am Mittwoch Meldungen gegeben, die iranische Fregatte sei von einem Torpedo getroffen worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es lange aber nicht. Dann trat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth vor die Presse in Washington und erklärte, ein US-amerikanisches U-Boot habe ein iranisches Kriegsschiff versenkt.

Das Schiff habe sich in den internationalen Gewässern des Indischen Ozeans in Sicherheit gewähnt, so Hegseth. „Stattdessen wurde es von einem Torpedo versenkt – ein stiller Tod. Die erste Versenkung eines feindlichen Schiffes durch einen Torpedo seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hegseth ließ ein Video zeigen, in schwarz-weiß, aufgenommen offenbar über das Periskop des U-Bootes. Man sieht, wie der Torpedo das iranische Schiff trifft.

Schock für Indien

Ein US-Boot im Kampfeinsatz vor Sri Lanka – ein Schock auch für den großen Nachbarn Indien. „Vergessen Sie, was in der Straße von Hormus geschieht“, so Starmoderator Arnab Goswami vor einem Millionenpublikum im Nachrichtensender Republic TV, „der Krieg ist direkt hier und ganz nah bei uns.“

Der ehemalige Chef des Marinestabes, Admiral Arun Prakash, zeigte sich im TV-Sender India Today empört: „Das ist quasi vor Indiens Haustür passiert, 40 Meilen vor der Küste Sri Lankas. Und die Tatsache, dass dieses Kriegsschiff von einem Torpedo versenkt wurde, bedeutet, dass ein Atom-U-Boot der US-Marine seit vielen Tagen in diesen Gewässern lauert.“

Kriegsschiff nahm an Übungsmanöver teil

Noch sind es in Indien vor allem Journalisten und ehemalige Militärs, die die Versenkung der iranischen Fregatte kommentieren. Doch viele gehen davon aus, dass sich auch die indische Regierung bald dazu äußern muss – obwohl sie seit Kriegsausbruch bislang extrem zurückhaltend war. Denn der Untergang der „IRIS Dena“ hat viel mit Indien zu tun – über die Tatsache hinaus, dass er nur 300 Kilometer entfernt vom südlichsten Punkt des Subkontinents stattfand.

Vor gerade mal zwei Wochen waren die Matrosen der „IRIS Dena“ begleitet von einer kleinen Militärkapelle des Schiffes noch auf der Uferpromendade der ostindischen Stadt Visakhapatnam marschiert – bei einer Parade anlässlich der von Indiens Marine durchgeführten internationalen Flottenschau IFR 2026 und eines gleichzeitig durchgeführten Seemanövers.

Das Kriegsschiff „IRIS Dena“ während der Internationalen Flottenparade in Visakhapatnam, Indien in der Bucht von Bengalen.

Auch Deutschland auf Parade vertreten

Die „IRIS Dena“, eine im Iran selbst gebaute leichte Fregatte, die 2021 vom Stapel lief, wurde bei dieser Gelegenheit auch der indischen Präsidentin vorgeführt. An dieser Flottenschau hatten 70 Staaten teilgenommen: Nicht nur der Iran und Russland, sondern auch Einheiten aus westlichen Ländern wie den USA und Deutschland.

Die deutsche Marine habe allerdings kein Schiff geschickt, sondern ein Seefernaufklärungsflugzeug vom Typ P-8A Poseidon. Das erklärte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage des ARD-Studios Neu-Delhi. Zwar habe ein Austausch mit den indischen Gastgebern stattgefunden, „bei der durch Indien geleiteten Übung MILAN 26 erfolgte jedoch keine operative Beteiligung“, so der Sprecher.

Teilgenommen an dem gemeinsamen Seemanöver mit Indien haben aber die Iraner – mit ihrer Fregatte „IRIS Dena“. „Und nur wenige Tage nach ihrer Abreise aus Visakhapatnam, wo sie unser Gast war, wurde sie von der US-Marine torpediert und versenkt“, so Ex-Admiral Arun Prakash. Er sei tief besorgt, so Indiens ehemaliger Marinestabschef, dass die Amerikaner „den Seekrieg bis vor unsere Haustür getragen haben.“

Source: tagesschau.de