Unternehmer: Zara-Gründer Amancio Ortega wird 90 Jahre antiquarisch

Zara- und Inditex-Gründer Amancio Ortega wird am 28. März 90 Jahre alt.

Er hat aus einer kleinen Textilwerkstatt einen Weltkonzern geformt und dabei die Spielregeln der Branche neu definiert. Amancio Ortega, Gründer von Inditex und Zara, steht wie kaum ein anderer für den Aufstieg der Fast Fashion. Zu seinem 90. Geburtstag zeigt sich, wie nachhaltig sein System den Modehandel geprägt hat – und warum sein Einfluss bis heute reicht.

Am 28. März wird Amancio Ortega 90 Jahre alt. Geboren 1936 im nordspanischen Busdongo de Arbás, hat er sich vom Sohn eines Eisenbahners zu einem der einflussreichsten Unternehmer der Modeindustrie entwickelt. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Rosalía Mera hat er die Unternehmensgruppe Inditex aufgebaut, zu der heute Marken wie Zara, Bershka oder Massimo Dutti gehören.
Seine unternehmerische Laufbahn begann 1963 mit einer kleinen Produktion für Hemden, Wäsche und Schürzen in La Coruña. Bereits früh setzte Ortega darauf, mehrere Stufen der Wertschöpfung unter eigener Kontrolle zu halten – ein Ansatz, der später zum Kern des Inditex-Systems geworden ist.

Der Ursprung eines globalen Systems

1975 hat Ortega den ersten Zara-Store in La Coruña eröffnet. Das Geschäft in der Calle Juan Florez existiert bis heute und zählt mit rund 900m² Verkaufsfläche zu den kleineren Filialen im aktuellen Portfolio. Gleichwohl markiert dieser Standort den Ausgangspunkt für den späteren Aufstieg von Inditex zum weltweit größten Modeeinzelhändler.

Amancio Ortega und seine Tochter Marta Ortega im Sommer 2023

Mit Zara hat Ortega ein Modell etabliert, das auf Geschwindigkeit, Flexibilität und Nähe zum Kunden ausgerichtet ist. Design, Produktion und Distribution wurden eng miteinander verzahnt, um Trends schneller als Wettbewerber in die Filialen zu bringen. Branchenbeobachter sehen darin einen wesentlichen Treiber für die Entwicklung der Fast Fashion.

Vom Unternehmer zum Systemarchitekten

Das Besondere an Ortegas Leistung liegt weniger im einzelnen Produkt als in der Organisation. Inditex hat früh begonnen, Verkaufsdaten systematisch auszuwerten und Sortimente laufend anzupassen. Dadurch wurden klassische Kollektionszyklen zunehmend aufgelöst und durch kontinuierliche Warenflüsse ersetzt.

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Diese Struktur gilt bis heute als Referenzmodell im Modehandel. Viele Wettbewerber haben Elemente dieses Systems übernommen, ohne jedoch die gleiche Tiefe der vertikalen Integration zu erreichen.

Ein Unternehmer ohne große Bühne

Trotz seines wirtschaftlichen Einflusses ist Ortega stets öffentlichkeitsscheu geblieben. Medienauftritte sind selten, Interviews nahezu nicht existent. Auch beim Börsengang von Inditex am 23. Mai 2001 ist er nur begrenzt öffentlich in Erscheinung getreten.

Er hat das Unternehmen bis ins hohe Alter operativ stark geprägt, ließ sich regelmäßig von seinem Wohnhaus am Hafen von La Coruña in die rund zehn Kilometer entfernte Konzernzentrale nach Arteixo fahren. Dort arbeitete er bevorzugt an einem Schreibtisch in der Zara-Woman-Abteilung.

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Sein Fokus habe insbesondere auf Produktentwicklung, Flächenkonzepten und Immobilien gelegen. Zeitzeugen beschreiben ihn als zugänglich und pragmatisch. Sein Erscheinungsbild blieb über Jahrzehnte konstant: Baumwollhose, dunkelblauer Pullover, hellblaues Hemd und Loafer.

Vermögen, Beteiligungen und Immobilien

Ortega hält rund 59,3% der Anteile an Inditex und ist damit weiterhin der wichtigste Anteilseigner des Konzerns. Einen großen Teil seines Vermögens hat er in Immobilien investiert. Schätzungen zufolge wurde der Wert dieses Portfolios bereits vor einigen Jahren auf mehr als 15 Mrd. Euro beziffert.

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Zu den Objekten zählen Immobilien in zentralen Lagen internationaler Metropolen. Als Mieter treten unter anderem große Technologieunternehmen wie Amazon oder Facebook auf. Diese Diversifikation gilt als wichtiger Bestandteil seiner Vermögensstrategie.

Soziales Engagement und Inklusion

Neben seinem unternehmerischen Wirken hat Ortega auch soziale Initiativen und Stiftungen aufgebaut, die sich vor allem für die Förderung von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Dort ist auch seine Tochter Sandra aktiv. Das Engagement hat auch einen privaten Hintergrund: Ortegas Sohn Marcos wurde schwerbehindert geboren.

Ein konkretes Projekt ist das Format „For & From“. Dabei handelt es sich um rund 15 Geschäfte, die von lokalen Nichtregierungsorganisationen betrieben werden. Beschäftigt werden vor allem Menschen mit Behinderung, verkauft werden reduzierte Artikel aus früheren Saisons der Inditex-Marken.

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Die Läden sind barrierefrei gestaltet, unter anderem mit Produktetiketten in Blindenschrift sowie angepassten Raumkonzepten. Die Anfangsinvestitionen übernimmt in der Regel Inditex, während sich die Standorte langfristig selbst tragen sollen. Gewinne fließen in soziale Programme der beteiligten Organisationen.

Die nächste Generation

Die Nachfolgefrage bleibt auch zum 90. Geburtstag ein Thema. Ortega hat drei Kinder. Marta ist die Tochter von Ortegas zweiter Ehefrau Floa Pérez Marcote, eine ehemalige Mitarbeiterin in einer seiner Fabriken. Marcos und Sandra entstammen der ersten Ehe mit Rosalía Mera.

Als wahrscheinlichste Kandidatin für die Nachfolge gilt Marta, die bereits eine zentrale Rolle im Unternehmen übernommen hat. Sie ist mit Carlos Torretta verheiratet und bewegt sich sowohl im unternehmerischen als auch im gesellschaftlichen Umfeld der Modebranche.

Zum 90. Geburtstag zeigt sich damit ein Unternehmer, dessen Einfluss weit über einzelne Marken hinausgeht. Ortega hat nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern ein System etabliert, das die Dynamik der gesamten Branche verändert hat.

Inditex zählt heute mit einem Umsatz von zuletzt knapp 40 Mrd. Euro zu den größten Modekonzernen weltweit. Das Unternehmen betreibt mehrere tausend Filialen und ist in über 200 Märkten aktiv – stationär und online. Marken wie Zara, Bershka, Massimo Dutti, Pull & Bear und Stradivarius bilden das Portfolio. Die Kombination aus vertikaler Integration, schneller Reaktionsfähigkeit und datenbasierter Steuerung gilt weiterhin als prägend für das Geschäftsmodell.

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