Unternehmer: Wolfgang Grupp veröffentlicht seine Biografie

Wolfgang Grupp mit seiner Ehefrau Elisabeth. Noch mehr private Einblicke wollen die Grupps künftig nicht mehr geben: „Das Allerletzte, das privat herausgegeben wird, ist dieses Buch“, sagt Elisabeth Grupp.

Wolfgang Grupp spricht in einer Biografie offen über Machtkämpfe in der Familie und den Kampf gegen die Altersdepression. Was das neue Buch sonst noch enthüllt.

Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht wie kaum ein anderer deutscher Unternehmer für Disziplin, Dauerpräsenz und das Prinzip, dass ein Firmenchef nicht nur Zahlen verantwortet, sondern auch Haltung. Das neue Buch „Wolfgang Grupp: Die autorisierte Biografie“, das am heutigen Dienstag im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag erscheint (256 Seiten, 30 Euro), widmet sich nun den Höhen und Tiefen seines Lebens.

Grupp führt seit 1953 Tagebuch

Die Arbeiten für das Buch „Wolfgang Grupp – Die autorisierte Biografie“ beginnen laut dem Autor Volker ter Haseborg ein halbes Jahr bevor Wolfgang Grupp versucht habe, sich in seinem Haus selbst zu töten. Grupp erzählt ihm darin, dass er seit 1953 Tagebuch führe, „damals war er elf Jahre alt“.

Für den 7. Juli stehe in seinem Tagebuch: „4.45 Uhr Suizidversuch“. „Es war ein Fehler, eine Kurzschlusshandlung“, sagt Grupp in der Biografie rückblickend. Er selbst habe kaum Erinnerungen an diese Stunden. Schon im Prolog fragt sich Grupp, ob das Kapitel überhaupt in das Werk gehört, ob man nicht vor dem 7. Juli 2025 einen „Cut“ machen könne. Die Antwort seiner Frau Elisabeth fällt eindeutig aus: „Das Kapitel muss geschrieben werden.“ Er könne Menschen helfen, indem er über seine Erkrankung spreche. „Es ist Teil deines Lebens.“

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Die Geschichte der Grupps

Die Biografie beschreibt auch den Ausgangspunkt einer Altersdepression, die der Senior zusammen mit dem Suizidversuch öffentlich gemacht hat. Anfang 2024 übergibt er die Geschäfte des Textilherstellers an seine Kinder und stürzt danach in eine persönliche Krise. Er sagte, nach 55 Jahren Verantwortung habe ihn plötzlich das Gefühl erfasst, nicht mehr gebraucht zu werden.

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Allgegenwärtig in seiner Lebensgeschichte: die Familie. Es geht auch um den Machtkampf mit seinem Vater Franz, den er für sich entscheiden kann. Wie er seine Frau kennenlernt und heiratet („Die Hochzeitstorte muss mit einem Gabelstapler hereingefahren werden“), wie er den Chefposten an seine Familie abgibt und sich danach nur mit Mühe aus den Geschäften heraushalten kann.

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Hinter den Kulissen

Gezeigt werden auch die nichtöffentlichen Seiten des Wolfgang Grupp – etwa wie er verunsichert wirkend vor einem Vortrag vor Unternehmern in Norddeutschland am Frühstückstisch in sein Wurstbrötchen beißt und nicht weiß, ob er den Auftritt meistern kann. „Manchmal scheint neben ihm ein zweiter, unsichtbarer Wolfgang Grupp mit auf der Bühne zu stehen. Einer, der sich den anderen, echten Wolfgang Grupp ansieht und ihn fragt: Was machst du da eigentlich?“

Mittlerweile achte die Familie Grupp darauf, dass keine allzu harschen Aussagen vom Senior in die Öffentlichkeit kommen. Auch bei einem Podcast-Interview werde darauf geachtet. „Die Trigema-IT hat sogar eine KI entwickelt, die das Protokoll des Podcasts auf Aussagen untersucht, die als anstößig empfunden werden könnten.“ Und die schlägt auch an.

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Normalerweise inszeniert sich Grupp als disziplinierter Arbeiter im Maßanzug, doch laut der Biografie liebt er auch den Luxus. Das wird nicht nur an der 2,30 Meter hohen Hochzeitstorte deutlich, die mit dem Gabelstapler transportiert werden muss. Einblicke liefert das Buch in ein sehr privilegiertes Leben mit Hausangestellten, Butler, Chauffeur („der heute keine Mütze mehr tragen muss“), Luxusautos und Dienstreisen im Helikopter – dazu eine Villa mit Pool am Firmenstandort in Burladingen auf der Schwäbischen Alb, ein Jagdhaus im Allgäu, eine Alpenhütte mit Bergblick.

Noch mehr private Einblicke wollen die Grupps künftig nicht mehr geben – das machen zumindest drei Familienmitglieder in der Biografie deutlich. „Das Allerletzte, das privat herausgegeben wird, ist dieses Buch“, sagt Elisabeth Grupp.

Als Wolfgang Grupp irritiert nachfragt, was das bedeute, antwortet sie unmissverständlich: Künftig würden Wolfgang und Bonita Grupp nur noch zu geschäftlichen Themen Interviews geben; das Privatleben solle aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden. Für sie sei die Geschichte der Familie Grupp damit nicht beendet, aber erzählt.

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