Das französische Beratungsunternehmen Capgemini ist massiv in die Kritik geraten, weil eine Tochtergesellschaft in den Vereinigten Staaten die umstrittene amerikanische Abschiebebehörde ICE berät, die im Auftrag der Trump-Regierung Migranten ohne Papiere aufspüren soll. In den vergangenen Monaten hat die Behörde mit willkürlichen Verhaftungen und Abschiebungen für Empörung gesorgt. Bei den rigorosen Einsätzen der Einwanderungspolizei sind im Januar zwei US-Bürger getötet worden, was zu landesweiten Protesten führte.
Der französische Fernsehsender France 2 und das Online-Medium „L’Observatoire des multinationales“ haben vor einigen Tagen aufgedeckt, dass Capgemini über seine amerikanische Tochtergesellschaft Capgemini Government Solutions (CGS) im vergangenen Jahr mehrere Verträge mit der Behörde abgeschlossen hat, darunter einen sehr umstrittenen erst am 18. Dezember 2025, bei dem es laut Berichten um Hilfe beim Aufbau eines Systems zur Lokalisierung von Einwanderern ohne Papiere geht. Nach Recherchen der französischen Zeitung „Les Echos“ hat Capgemini mindestens drei Großaufträge mit der ICE abgeschlossen. Seit Ende 2023 unterstütze Capgemini zudem die ICE-Einheit ERO, die mit Strafverfolgung und Abschiebung befasst ist. Und schon seit 2019 läuft demnach ein Großauftrag, der sich um Opfer von Straftaten kümmert, welche von Personen mit Einwanderungsbezug begangen wurden.
Empörung ebbt nicht ab
Capgemini-Chef Aiman Ezzat bestätigte in einem Linkedin-Post, dass die Tochtergesellschaft CGS mit der amerikanischen Regierung zusammenarbeitet. Die vor 15 Jahren gegründete Tochtergesellschaft arbeite unter einer Sonder-Sicherheitsvereinbarung, die es ihr erlaube, geheime Arbeiten für die US-Regierung zu verrichten. Sie verfüge über einen eigenen Verwaltungsrat und arbeite vollständig autonom, sei organisatorisch mit einer strengen „Firewall“ von der Muttergesellschaft getrennt. Capgemini selbst habe „keinen Zugang zu geheimen Informationen“.
Über die Art des im Dezember geschlossenen Vertrages sei Capgemini erst kürzlich aus öffentlichen Quellen informiert worden: „Die Art und der Umfang dieser Arbeit werfen Fragen auf, verglichen mit dem, was wir als Unternehmen und Technologieunternehmen normalerweise tun“, schrieb Ezzat. Der Vertrag soll nun geprüft werden. Am Donnerstag teilte Capgemini mit: „Wir können klarstellen, dass nach den uns vorliegenden Informationen der im Dezember 2025 vergebene Auftrag zum heutigen Zeitpunkt noch nicht ausgeführt wurde.“ Der Capgemini-Chef hat für das Wochenende ein außerordentliches Treffen des Verwaltungsrats einberufen.
Die Empörung über Capgemini in Frankreich ebbt nicht ab. Die linksgerichtete Gewerkschaft CGT forderte die „sofortige und bedingungslose Beendigung der Zusammenarbeit von Capgemini mit der ICE“. Auch die französische Regierung hat sich geäußert. „Ich fordere Capgemini auf, seine Aktivitäten und diese Politik auf äußerst transparente Weise zu beleuchten und zweifellos die Art dieser Aktivitäten zu hinterfragen“, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure in der Nationalversammlung. Der Minister betonte, er habe mit Konzernvertretern persönlich gesprochen. Unter vier Augen habe er ihnen gesagt, dass die Erklärung, wonach die US-Tochtergesellschaft autonom agiere, nicht ausreiche. Ein Unternehmen müsse wissen, was in seinen Tochtergesellschaften vor sich gehe, so Lescure.
Vor einigen Jahren ist auch das Beratungsunternehmen McKinsey in Kritik geraten wegen seiner damaligen Arbeit für die US-Migrationsbehörde ICE. Nachdem im Juni 2018 – während Trumps erster Amtszeit – bekannt wurde, dass McKinsey für die Behörde arbeitet, sorgte dies auch in der McKinsey-Belegschaft selbst für Unmut. Vor allem jüngere Mitarbeiter forderten, die Arbeit umgehend zu beenden. Tatsächlich reagierte die McKinsey-Führung und beendete damals die Zusammenarbeit.