Es gibt über den Investor Bill Ackman eine Geschichte, die ihn so treffend kennzeichnet wie keine andere. Man muss sie kennen, um zu verstehen: Mit dem Mann, der nun den größten Musikkonzern der Welt – die Universal Music Group – übernehmen will, ist nicht zu spaßen. Mit seiner Investmentgesellschaft bietet Ackman in einer komplexen Offerte fast 60 Milliarden Dollar für das Unternehmen, das Weltstars wie die Sängerin Taylor Swift unter Vertrag hat. Wer wissen will, wie Ackman zu einer der schillerndsten Figuren der amerikanischen Finanzszene wurde, sollte hören, was im Sommer 2012 in den New Yorker Hamptons passierte.
Keine Rücksicht auf Verluste
In jener Gegend, in der Amerikas Superreiche weitgehend unter sich sind, war Ackman damals mit ein paar Bekannten aus der Hochfinanz zu einer Fahrradtour verabredet. 80 Kilometer wollten sie fahren, eine ordentliche Strecke. Der Investor, so geht die Legende, setzte sich sogleich an die Spitze des Feldes. Ackman holte alles aus sich heraus, als ginge es um den Sieg bei der Tour de France. Irgendwann bei Kilometer 50, so erzählten es seine Bekannten später US-Reportern, brach Ackman völlig dehydriert ein: „Sein Kopf wollte mehr, als sein Körper zu bieten hatte.“
Bill Ackman hat die Geschichte nie kommentiert, aber er dürfte nichts dagegen haben, dass sie bis heute in Umlauf ist, transportiert sie doch ein Bild, das ihm ganz recht sein dürfte: Dieser Mann nimmt keine Rücksicht auf Verluste. Tatsächlich ist Ackman mit forschen Investitionen sehr reich geworden. Sein Vermögen wird auf fast zehn Milliarden Dollar geschätzt. Firmen, in deren Aktien er investierte, tadelt er gerne öffentlich, wenn das Geschäft seiner Ansicht nach in die falsche Richtung läuft. Ackman scheut sich auch nicht, auf fallende Aktienkurse zu setzen, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht. Solche Wetten sind hochriskant, aber sehr lukrativ.
Universal hat der 59-Jährige schon länger im Auge. Seit 2021 hat er sich auf verschiedenen Wegen an einer Übernahme versucht. Dieses Mal könnte es tatsächlich klappen. Ein anderer wichtiger Universal-Anteilseigner, die französische Bolloré-Gruppe, hat sein Ansinnen bislang nicht zurückgewiesen.