Union-Politiker: Der schwarz-blaue Sehnsuchtssatz

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 40/2025.

Manchmal ist es in der Politik ja so: Die wirklich
wegweisenden Sätze fallen nicht in großen Reden, sie werden vielmehr einfach so
daher gesagt. Erst von einem, das hört dann ein Zweiter, ein Dritter variiert den
Satz und beim Vierten wirkt das Ganze schon wie eine Gewissheit. Der wichtigste
dieser großen beiläufigen Sätze lautet gerade: „Die Mehrheit in diesem Land ist
rechts, aber bekommt trotzdem eine linke Politik.“

Jens Spahn hat ihn neulich
erst wieder gesagt: „Deutschland wählt seit zehn Jahren in Mehrheit
Mitte-rechts, wird dann aber von Mitte-links-Regierungen regiert.“
Davor
war es Rainer Haseloff, bei
ihm klang es so: „Die Mehrheit in Deutschland ist und wählt Mitte-rechts. Und
trotzdem machen wir (…) auf vielen Feldern eine Politik, für die es keine
Mehrheit in der Gesellschaft gibt.“
In einer Überschrift bei der Welt
hieß es unlängst, die Mehrheit wähle „Mitte-rechts“ und bekomme „Mitte-links“,
und laut Focus-Herausgeber Helmut Markwort wird
der Wählerwille sogar aufgrund der – richtig – „Mitte-Links-Regierung“ ins
Gegenteil verkehrt.
Bei der Bild ist man natürlich schon einen Schritt weiter
und hat kurzerhand eine Kausalkette geschmiedet. Das Problem sei, so
heißt es dort in einem Kommentar,
dass die Deutschen, „die seit Jahren
mehrheitlich Mitte-rechts wählen, Mitte-links regiert werden: Der Frust in der
Bevölkerung stieg, die AfD wuchs bis tief ins bürgerliche Lager.“

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