Ungarn-Wahl: Orbans Sturz beflügelt die Umschlagplatz

Stand: 13.04.2026 • 15:03 Uhr

Auch an den Finanzmärkten kommt der deutliche Sieg der Tisza-Partei bei der Parlamentswahl in Ungarn gut an. Erwartet wird nun eine Politik, die stärker an einer funktionierenden Marktwirtschaft orientiert ist.

Nicht nur in der europäischen Politik hat der Wahlsieg des Herausforderers von Victor Orban bei der Parlamentswahl in Ungarn für viel Erleichterung gesorgt – auch Investoren an den Finanzmärkten reagieren positiv. Der ungarische Leitindex BUX gewann heute bis zu 3,3 Prozent und sprang auf rund 137.261 Punkte, ein neues Allzeithoch. Der Grund: Die Anleger hoffen auf einen Kurswechsel, vor allem in der Europa- und Wirtschaftspolitik.

Wirtschaft erwartet proeuropäischen Kurs

Die Tisza-Partei und der Wahlsieger Péter Magyar gelten im Vergleich zu Orban als EU-freundlich. Der Europäische Leitindex Eurostoxx 50 notiert heute dennoch im Minus. Die Angst vor einer weiteren Eskalation im Krieg zwischen Iran und den USA beziehungsweise Israel scheint hier schwerer zu wiegen.

In Ungarn wird mit dem Tisza-Mann Magyar als voraussichtlich künftigem Ministerpräsidenten ein eher pro-europäischer Kurs erwartet, der stärker auf Integration und weniger auf Konfrontation mit Brüssel setzt und somit auch das Wirtschaftsklima im Land verbessert.

„Magyar ist für Europa, ist selbst Mitglied im Europäischen Parlament. Er will die Beziehungen zur EU wieder deutlich verbessern“, sagt Kirsten Grieß von Germany Trade & Invest (GTAI), die ihr Büro in Budapest hat, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Weniger staatliche Eingriffe

Der Wahlsieger habe auch die Wirtschaftspolitik des Orban-Systems im Wahlkampf vehement kritisiert, so Grieß. Die Wirtschaft habe stark unter regulatorischen Eingriffen des Staates durch Sondersteuern oder Preisobergrenzen gelitten.

„Jetzt gibt es den Wunsch nach stabileren, verlässlichen Rahmenbedingungen. Es braucht eine berechenbare Wirtschaftspolitik, transparente Entscheidungen und Rechtssicherheit“, so die GTAI-Managerin. „Ich glaube, das möchte Magyar den Unternehmen anbieten.“

Mehr Marktwirtschaft

In der Wirtschaftspolitik setzt Magyar mit seiner Tisza-Partei Beobachtern zufolge auf mehr Marktwirtschaft, also mehr Freiheit und Planbarkeit für Unternehmen statt staatlicher Eingriffe, auf mehr Wettbewerb und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Gleichzeitig wolle der Tisza-Politiker die Subventionspolitik auf den Prüfstand stellen, erklärt GTAI-Expertin Grieß. „Und er ist gegen die Vereinfachung der legalen Arbeitsmigration. Darunter könnten Investoren tendenziell auch leiden.“

Freigabe von EU-Geldern rückt näher

Das Hauptthema des Tisza-Politikers sei es, Ungarn wieder zu einem funktionierenden Staat zu machen und die strukturellen Probleme zu lösen, so Grieß. Dabei gehe es um Haushaltsdisziplin, eine stabilere Währung und einen stabileren Geldwert bei gleichzeitig niedrigeren Zinsen und Rechtsstaatlichkeit.

Sollte es gelingen, das Thema Rechtsstaatlichkeit voranzutreiben, könnten Ungarn von der EU rund 17 Milliarden Euro zufließen. Die EU-Gelder waren aufgrund von Defiziten bei der Unabhängigkeit der ungarischen Justiz und aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurückgehalten worden.

Source: tagesschau.de