Am Tag nach seinem historischen Sieg über Viktor Orbán betritt Péter Magyar eine weitere Bühne. Umrahmt von achtzehn Flaggen Ungarns und zwei der Europäischen Union will sich der designierte Ministerpräsident ungarischen wie internationalen Journalisten stellen. Kerzengerade, das Gesicht wach, die Haare mit Gel hoch gebürstet, beginnt er seinen Plan zu skizzieren. Einen Plan für ein neues Ungarn, befreit von Orbáns Autokratie.
Selbst Optimisten haben unterschätzt, wie viele Ungarn am Sonntag für die Partei des 45-jährigen Magyar stimmen würden. Schließlich hatte Orbán das Wahlsystem zu seinen Gunsten umgestaltet, eine Niederlage schien lange ausgeschlossen. Doch Magyars Fleißarbeit im Wahlkampf zahlte sich aus. Pro Tag absolvierte er mitunter sieben Auftritte, er reiste von Dorf zu Dorf, sprach über Alltagsprobleme, fuhr an Orte, die vorher noch nie ein Spitzenpolitiker besucht hatte.