Umstrittener Nobelpreisträger James Watson stirbt im Alter von 97 Jahren

Der amerikanische Wissenschaftler James Watson, einer der Entdecker der Doppelhelixstruktur der DNA, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Watson starb nach kurzer Krankheit in einem Hospiz, wie sein Sohn jetzt mitteilte. Sein ehemaliges Forschungslabor bestätigte seinen Tod. Watson erhielt 1962 gemeinsam mit Francis Crick und Maurice Wilkins den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung, dass Desoxyribonukleinsäure, oder DNA, eine Doppelhelix aus zwei Strängen bildet, die sich umeinander winden und so eine Art gedrehte Leiter formen.

Den Durchbruch erzielte der in Chicago geborene Watson 1953, als er erst 24 Jahre alt war. Die Entdeckung machte ihn über Jahrzehnte hinweg zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Welt der Wissenschaft. Eine weitere so bedeutende Arbeit gelang ihm nicht. Doch in den folgenden Jahrzehnten verfasste er einflussreiche Lehrbücher und eine Autobiografie und trug maßgeblich zur Kartierung des menschlichen Genoms bei. Er förderte talentierte Nachwuchswissenschaftler und nutzte sein Ansehen und seine Kontakte, um die Wissenschaftspolitik zu beeinflussen.

„Er hat nie aufgehört, für kranke Menschen zu kämpfen“, sagte Duncan Watson über seinen Vater.

„Francis Crick und ich haben die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht, das war ziemlich klar“, sagte Watson einmal. Später schrieb er: „Wir hätten die explosive Wirkung der Doppelhelix auf Wissenschaft und Gesellschaft unmöglich vorhersehen können.“ Selbst unter Nicht-Wissenschaftlern wurde die Doppelhelix sofort zu einem anerkannten Symbol der Wissenschaft und tauchte unter anderem in den Werken von Salvador Dalí und auf einer britischen Briefmarke auf.

Die Entdeckung ebnete den Weg für neuere Entwicklungen wie die Manipulation des Erbguts, die Behandlung von Krankheiten durch Gentransfer, die Identifizierung menschlicher Überreste und Tatverdächtiger anhand von DNA-Proben sowie die Rekonstruktion von Stammbäumen. Sie warf aber auch eine Reihe ethischer Fragen auf, etwa ob der Mensch den Bauplan des Körpers aus kosmetischen Gründen verändern sollte.

Unerwünschte Aufmerksamkeit zog Watson 2007 auf sich, als ihn das „Sunday Times Magazine“ aus London mit den Worten zitierte, er sei grundsätzlich pessimistisch, was die Zukunft Afrikas angehe, da „unsere gesamte Sozialpolitik auf der Annahme beruht, dass ihre Intelligenz der unseren entspricht – was laut allen Tests nicht der Fall ist“. Er sagte, er hoffe zwar auf Gleichberechtigung für alle, doch „Menschen, die mit schwarzen Angestellten zu tun haben, müssen feststellen, dass dies nicht der Fall ist.“

Watson entschuldigte sich zwar für seine rassistischen Aussagen, doch nach einem internationalen Aufschrei wurde er von seinem Posten als Kanzler des renommierten Labors Cold Spring Harbor im Bundesstaat New York suspendiert. Fast 40 Jahre lang hatte er dort Führungspositionen innegehabt. Eine Woche später ging er in den Ruhestand.

In einer Anfang 2019 ausgestrahlten Fernsehdokumentation wurde Watson gefragt, ob sich seine Ansichten geändert hätten. „Nein, überhaupt nicht“, antwortete er. Daraufhin entzog ihm das Cold Spring Harbor Laboratory mehrere Ehrentitel mit der Begründung, seine Aussagen seien verwerflich und wissenschaftlich nicht haltbar.

Watsons Kombination aus wissenschaftlichen Leistungen und kontroversen Äußerungen schuf ein kompliziertes Vermächtnis. „Er zeigte eine bedauerliche Neigung zu aufrührerischen und beleidigenden Äußerungen, insbesondere gegen Ende seiner Karriere“, sagte 2019 Dr. Francis Collins, damals Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA. „Seine Ausbrüche, vor allem wenn sie sich auf das Thema Hautfarbe bezogen, waren zutiefst verfehlt und verletzend. Ich wünschte nur, Jims Ansichten über Gesellschaft und Menschheit hätten seinen brillanten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprochen.“

Source: welt.de

Balken-InboxDNA (Desoxyribonucleic Acid) (ks)James (Molekularbiologe)USAWatson